Ganztagsplätze in Kitas

„Auf die Randzeiten angewiesen“

Mit der Kinderbetreuung und dem Bürgerentscheid zur Feuerwehr standen gleich zwei wichtige Themen auf der Tagesordnung der Bürgerversammlung. Die erste Stunde des Abends gehörte hierbei den Kitas.

Bereits in der Bürgerversammlung 2017 sollte die Entwicklung bei den Kitas Thema sein. Doch die damalige Diskussion über die Einführung einer Straßenbeitragssatzung in Mörfelden-Walldorf überlagerte alles. Ein Jahr später stand mit dem Bürgerentscheid zur Zukunft der Feuerwehr Mörfelden-Walldorf ein ähnlich umstrittenes Thema auf der Tagesordnung der Bürgerversammlung am Mittwochabend im Bürgerhaus.

Doch da die Entwicklung bei den Kitas als abgesetzter Punkt von 2017 als erster Tagesordnungspunkt behandelt werden musste, stand die Kinderbetreuung zunächst im Fokus der Versammlung, zu der rund 200 Besucher gekommen waren.

Nach der Eröffnung von Stadtverordnetenvorsteher Werner Schmidt (SPD), der auch die Versammlung leitete, führte der Erste Stadtrat Burkhard Ziegler (Freie Wähler) als zuständiger Dezernent in das Thema Kitas ein. Derzeit gibt es in Mörfelden-Walldorf 13 von der Kommune betriebene Kitas, sechs in Mörfelden und sieben in Walldorf. Hinzu kommen die Einrichtungen anderer Träger, beispielsweise jene der beiden großen christlichen Kirchen.

„Wir legen großen Wert auf die Qualität der Betreuung“, betonte der Erste Stadtrat. Als ein Beispiel hierfür fügte Ziegler an, dass in zwölf der kommunalen Kitas – die Ausnahme ist die gerade eingerichtete Wald-Kita in Mörfelden – frisch gekocht werde. Ganz besonders hob der Dezernent aber einen Punkt hervor: „Wir haben deutlich mehr Erzieher eingestellt, als gesetzlich vorgeschrieben.“ Die gesetzliche Vorgabe des Landes ergäbe für Mörfelden-Walldorf einen Bedarf von 90 Personalstellen, der mit aktuell 132 übertroffen wird.

Als „Herausforderungen“ bezeichnete Ziegler den hohen Bedarf an Kita-Plätzen – sowohl U-3 als auch Ü-3 – durch Zuzug und Neubaugebiete. Zwar habe die Stadt allein 2018 insgesamt 170 neue Kita-Plätze geschaffen, doch noch immer stünden viele Kinder auf der Warteliste. Die von der Landesregierung eingeführte Beitragsfreiheit für sechs Stunden pro Tag in den Kindergärten entlaste zwar die Eltern, was zu begrüßen sei. Da die Kommune aber vom Land nicht ausreichend finanziert werde, koste dies die Stadt zusätzlich rund 600 000 Euro pro Jahr.

Ziegler erläuterte auch die geplante Neufassung der Gebührensatzung für die Kitas, welche die Umsetzung der Beitragsfreiheit für sechs Stunden pro Tag in den Kindergärten enthält. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verstärkung der Kernzeiten mit Personal durch die Verkürzung der Randzeiten, die nur von wenigen Eltern für ihre Kinder gebucht würden. Ein Ganztagsplatz umfasse die Zeit von 7.30 bis 16.30 Uhr und nicht mehr, wie derzeit noch, von 7 bis 17 Uhr.

Exakt dieser Punkt dominierte von Beginn an die Diskussion, die von zwei alleinerziehenden Müttern mit Kritik an den dann kürzeren Betreuungszeiten eröffnet wurde. Sie erhielten viel Unterstützung von weiteren Eltern. Hierzu zählte auch Annette Sassen, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn, der in die Kita geht, in Mörfelden wohnt und sich im Stadtkitabeirat engagiert: „Wir sind auf die Randzeiten dringend angewiesen“, betonte die Ärztin, die ihre Stelle aus familiären Gründen bereits auf 80 Prozent reduziert hat. Ziegler möchte durch übergangsweise Notdienstregelungen bis zum 31. März 2019 der Kritik begegnen. Er will außerdem prüfen, ob in beiden Stadtteilen jeweils eine Kita weiter die bisherigen Randzeiten anbieten müsste, um den eventuellen Bedarf an Notdienstregelungen zu decken.

Dazu meint Sassen zu dieser Zeitung: „Für mich wäre die Lösung nicht optimal, zumal mein Sohn dann vielleicht die Kita wechseln müsste, sofern er überhaupt einen Platz bekommt. Aber das wäre natürlich besser, als überhaupt keine Betreuung zu erhalten.“

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