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Ich zwischen zwei Teilnehmerinnen beim Aufwärmprogramm. Links neben mir die ehemalige Solistin Ildiko Meszaros.

Ballett

Sprünge und Pirouetten: Warum Tanzen in jedem Alter begeistert

Dienstags und donnerstags treffen sich in Ildiko Meszaros’ Ballettschule die Erwachsenen zum klassischen Ballett. Anlässlich des Tags des Balletts möchte ich mich mit fast 18 Jahren selbst zum ersten Mal in der Tanzkunst versuchen.

Die ruhige Klaviermusik aus Ildiko Meszaros’ Ballettschule in Walldorf ist bis in den Flur zu hören. Als ich das Studio betrete, sehe ich neben Ballettstange und Spiegelwand, wie man sie aus den Filmen kennt, auch Fotos, sei es von den Aufführungen großer Ballettstücke oder von Auftritten in der Karriere der Ballettlehrerin selbst. Donnerstagsabends trifft sich in der Ballettschule eine Erwachsenengruppe, darunter Tänzer, die ihre Liebe für die klassische Tanzkunst erst spät entdeckt haben – ich möchte heute selbst an dem Kurs, an meiner ersten Ballettstunde, teilnehmen.

„Ballett ist meine Passion, ich mache nichts lieber“, erzählt Christiane Schickedanz, Teilnehmerin des Kurses. „Mit 39 habe ich endlich das gefunden, was ich machen will.“

Aufwärmen an der Stange

Zu Beginn des Unterrichts schaltet Ildiko Meszaros die Musik ein, die Tänzer reihen sich an der Ballettstange auf und ich stelle mich irgendwo in die Mitte, um die Bewegungen der anderen Tänzer um mich herum abgucken zu können. Die Bezeichnungen der Tanzschritte sind alle auf Französisch, davon verstehe ich nicht viel, merke aber beim Nachahmen der Kursteilnehmer schnell, wie anstrengend die Sportart ist. Selbst die einfachsten Übungen erfordern eine gute Körperhaltung, präzise Ausführung und Spannung von den Fingerspitzen bis in die Fußzehen.

Es fällt mir besonders schwer, die Bewegungen aussehen zu lassen, als wären sie leicht – im Vergleich zu den Anderen sieht bei mir alles irgendwie verkrampft aus, dann fällt mir auf, dass die Übungen an der Stange erst das Aufwärmprogramm waren. Weiter geht es mit Pirouetten und Sprüngen, ich bin schon lange vor dem Ende der Stunde nass geschwitzt.

Ständig beobachte ich mich selbst beim Ausführen der Bewegungen im Spiegel und lerne meinen eigenen Körper neu kennen. Ildiko Meszaros weist mich auf mein starkes Hohlkreuz hin, und von nun an versuche ich, meine Rückenhaltung bei jeder Übung zu korrigieren, was mir alles andere als leicht fällt. Trotz all der Anstrengung und dem Schweiß bin ich dennoch fast ein bisschen traurig, als der Unterricht nach einer Stunde vorbei ist.

Schnelle Fortschritte

„Die kleine Gruppe ist sehr motiviert“, sagt Ildiko Meszaros über die Teilnehmer, „Fortschritte sieht man sehr schnell.“ Stefan Pietrzak, einziger männlicher Tänzer der Gruppe, hat mit 48 Jahren angefangen, neben dem Theaterspielen auch Ballett zu tanzen. „Man wird gefordert, aber nicht überfordert, das mag ich daran.“

Ich merke, dass das Tanzen ihnen allen Spaß macht und sie miteinander verbindet – sie verstünden sich alle auch privat sehr gut, erzählen sie mir. Außerdem, sagt die Inhaberin und Lehrerin der Tanzschule, sei Ballett gut für die Haltung, stärke die Rücken- und Bauchmuskulatur und vermittle Körperbeherrschung. Für viele stellt das Tanzen auch einen Ausgleich zur Arbeit im Büro dar. Die Ballettschule ist schon seit 28 Jahren geöffnet, die ehemalige Solistin Ildiko Meszaros entdeckte ihre Leidenschaft und ihr Talent selbst erst mit 16, was für die Ballettbranche eigentlich schon sehr spät ist.

Allerdings, und das habe ich an diesem Abend neben einigen französischen Verrenkungen gelernt, ist es nie zu spät, um mit dem Ballett anzufangen, wenn man es wirklich möchte.

Wer dienstags um 18.30 Uhr oder donnerstags um 18.45 Uhr Zeit und Lust hat, sich auch mal am Ballett zu versuchen, kann sich bei Ildiko Meszaros unter 06 21-15 22 71 anmelden. Die Ballettschule befindet sich in der Jourdanallee 17 im ersten Stock.

von SARAH GRUND

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