Imker Eric Baitinger (links) veranschaulichte das Innenleben eines Bienenstocks.
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Imker Eric Baitinger (links) veranschaulichte das Innenleben eines Bienenstocks.

Imker Eric Baitinger und Martin Schulmeyer

Der Bienentanz weist den Weg

  • vonCarmen Erlenbach
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Die Besucher des Schau-Imkerns im Museumsgarten Mörfelden erfuhren allerhand rund um die Bienen. Unter anderem, wie sich die Insekten gegenseitig informieren, wie weit die nächste Futterquelle weg ist.

„Bienen sind sehr wetterfühlig. Heute liegt Gewitter in der Luft, das stimmt sie ein wenig aggressiv.“ Laut den Imkern Eric Baitinger und Martin Schulmeyer ist aber beim Schau-Imkern im Garten des Heimatmuseums Mörfelden, das die beiden nun im dritten Jahr in Kooperation mit dem Heimatverein betreiben, bisher noch niemand gestochen worden. Trotzdem appellierte Baitinger am Sonntag vorsichtshalber an die Besucher, sich nicht vor eines der Einfluglöcher der beiden Bienenvölker zu stellen und ihnen etwa den Weg zu versperren. So kam es, dass die Besucher einen gebührenden Sicherheitsabstand einhielten und das Treiben aus einigen Metern Distanz beobachteten.

Im Museumsgarten wurden seinerzeit zwei Bienenvölker angesiedelt. Die beiden Imker schauen alle sieben Tage jeweils sonntags nach, ob mit den für die Umwelt und Landwirtschaft so wertvollen Insekten alles in Ordnung ist. Das ist ein gut gewählter Zeitpunkt, denn sonntags hat das Museum geöffnet, was dem Schau-Imkern immer einige interessierte Besucher garantiert.

Baitinger verdeutlichte, während er seinen Imkerhut aufsetzte und ein kleines Räuchergefäß mit zerrissenen Schnipseln eines Eierkartons befüllte und anzündete, dass die beiden Bienenvölker unlängst vier Wochen in Rapsfeldern bei Erfelden zugebracht hatten, wo sie ausgiebig vom Blütennektar schlemmen und ihn sammeln durften. Dann jedoch wurden die Holzkästen mit den Bienen darin zurück in den Museumsgarten transportiert. „Wären die Bienen nach der Rapsblüte auf den Feldern geblieben, wären sie kläglich verhungert“, so Baitinger.

Schulmeyer verdeutlichte, dass die Insekten in der Stadt immer noch mehr Blüten finden als in der Agrarwirtschaft. Erdbeerbauern seien wegen der Befruchtung der Blüten zwar „ganz wild“ auf Bienenvölker bei ihren Äckern. Aus den kleinen weißen Blütchen könnten die Bienen jedoch nur wenig Nektar holen, so dass ein derartiger Aufwand unrentabel sei.

Mit dem Räuchergefäß – Smoker genannt – in der Hand und dem großen Netzhut auf dem Kopf näherte sich Baitinger einem der beiden Bienenstöcke und verteilte dabei sanft den Qualm. Der Rauch stellt die Bienen ruhig und erleichtert dem Imker die Arbeit am Bienenvolk. Kaum hatte Baitinger den Stock geöffnet und wollte die Waben kontrollieren, hatte er aber auch schon zwei Stiche kassiert. Rasch eilte er zu seinem Auto, holte dicke Handschuhe und zog sie über.

Das Schau-Imkern werde angeboten, weil heutzutage wenig bekannt sei über Bienen. Früher hätten mehr Menschen ein Bienenvolk unterhalten. Heutzutage würden Bienen oft mit Wespen verwechselt, die sich beim Essen auf der Terrasse oft in diebischer Manier auf die Teller setzen. Das schüre bei den Menschen Aggressionen – oft unwissentlich gegen Bienen.

Nach und nach zog Baitinger eine Wabe nach der anderen aus dem Holzkasten und zeigte sie den Besuchern. Er kontrollierte sie nicht nur auf eventuelle Krankheiten, sondern auch darauf, ob sich Eier darin befinden und ob mit der Brut und der Königin alles in Ordnung ist.

Jedes Volk zähle eine Königin, etwa 300 Drohnen, also männliche Bienen, und zwischen 50 000 und 60 000 Arbeiterinnen. Die Imker informierten auch über die Bedeutung des Bienentanzes auf den Waben, mit dem ein Insekt seine Mitbewohner über die Richtung und Entfernung einer Futterquelle informiert. „Eine Schwingung bedeutet 50 Zentimeter“, so Martin Schulmeyer. Wie die Bienen die Schwingungen jedoch zählen und woher sie wissen, wie weit sie fliegen müssen, das wussten die beiden Imker selbst nicht. Informiert wurde auch darüber, dass Bienen nicht nur Nektar für den Honig sammeln, sondern auch Pollen, die sie mittels Milchsäuregärung haltbar machen. Der hohe Wassergehalt im Honig müsse später auf 18 Prozent reduziert werden, damit auch er haltbar werde. Laut Schulmeyer kann sich der Honig dann bis zu 1000 Jahren halten.

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