Christoph Oeser

Boogie-Woogie-Nacht mit Welturaufführung

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Cajun mal anders, hieß es bei der Boogie-Woogie-Nacht mit Christoph Oeser. Der Pianist sprach sogar von einer Welturaufführung.

Schon zum zwölften Mal gastierte Christoph Oeser im Bürgerhaus seiner Heimatstadt Mörfelden mit seiner Boogie-Woogie-Nacht. Gemäß des Mottos „New Orleans Piano meets Cajun and Zydeco Music“ hatte er erneut namhafte Musikerkollegen eingeladen, und schon im ersten Stück traten die New Orleans-Jazzeinflüsse zum Vorschein.

Traditionell beginnt Oeser solo mit einem Boogie-Woogie-Feuerwerk am schwarzen Flügel, während nach und nach weitere Musiker die Bühne betreten. Der internationale Klaviervirtuose ließ – in blaues Licht getaucht – erwartungsgemäß die Tasten krachen. So auch beim zweiten Stück des Abends „Louisiana Creole Stomp“ mit verschiedenen, teils aus der Karibik entlehnten Stilarten.

Die Akustik war gut und im Saal herrschte eine fast familiäre Atmosphäre, besonders dann, wenn Oeser, wie gewohnt mit Stil im weißen Hemd und schwarzer Weste, zum Mitklatschen aufforderte: „Immer auf die Zwei und die Vier!“ Die animierten Zuschauer folgten ihm. Beim Lied „Sweet Home Chicago“, das der Pianist nur mit Schlagzeugbegleitung rockte, sang er sogar den Refrain.

Nach der Pause änderte sich das Konzept schlagartig. Nun sang nur noch Emile Zielinger, der französischsprachige Haupt-Act des Abends. Ab der zweiten Konzerthälfte dominierte vor allem Zielinger, der außerdem Gitarre und Mundharmonika spielte. Stets die teils von ihm geschriebenen Liedtexte erklärend, die er mal auf englisch, zumeist aber auf französisch vortrug, kamen seine amüsanten Ansagen beim Publikum gut an. Für gehörigen Drive sorgte der Vollblut-Cajungeiger Wolfgang Schäffer, der ebenfalls von Frankreich nach Mörfelden-Walldorf gekommen war, um an der Seite von Christoph Oeser Cajun- und Zydeco-Musik zu spielen. Zwischendurch erklärte Oeser ausführlich die Geschichte der beiden Stile. „Wir veranstalten ein Novum. Das ist heute wie eine Welturaufführung. Cajun mal anders“, sagte er, indem er anstelle des beim Cajun angedachten Akkordeons am Flügel diesen Part übernahm. Mit einem „Merci beaucoup“ bedankte sich Oeser für die Unterstützung vonseiten der Stadt. Dabei hob er besonders die Leistungen von Günter Bergmann hervor. „Gemeinsam mit ihm wurde 2007 die Boogie-Woogie-Nacht aus der Taufe gehoben. Der kalte nackte Saal im Bürgerhaus hat zwar nicht die Atmosphäre wie ein Jazzkeller, aber Günter Bergmann hatte dann die Idee, mit farbigem Licht das Ambiente aufzupeppen.“

Oeser lobte die elf erfolgreichen Veranstaltungen mit Bergmann, sprach aber auch ein herzliches Dankeschön an den jetzigen Amtsleiter des Sport- und Kulturamtes, Ralf Baitinger, aus. Dieser meinte am Ende auf Nachfrage: „Das Publikum bei Jazzveranstaltungen, wozu auch Boogie Woogie zu rechnen ist, wird nicht jünger. Die Anzahl der Besucher unserer Boogie-Woogie-Nacht hat sich über die Jahre hinweg bei 300 eingependelt.“ Damit wäre man aber vonseiten der Stadt zufrieden.

„Bei der Boogie-Nacht treten jedes mal andere Musiker auf“, erklärte Oeser. „Unsere Veranstaltung ist für Mörfelden-Walldorf schon zu einer echten Institution geworden, auf die sogar das Frankfurter Umland aufmerksam geworden ist. Unsere Intention war und ist es, einen Leuchtturm zu platzieren“, sagte er. Seine Traditionsveranstaltung sei mit dem Publikum gewachsen. „Und nicht nur ein Christoph Oeser ist international bekannt, auch viele der Künstler, die bei der Boogie-Woogie-Nacht auftreten“, fügte er hinzu. Spontanität sei eines der grundlegenden Elemente des Jazz, und das wolle er mit Interaktionen direkt auf der Bühne, wo „sehr viel improvisiert wird“, leben. Und nur wenn die Chemie zwischen den Musikern stimme, könne dies funktionieren.

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