Konzert im Bürgerhaus Mörfelden

„Boogie Woogie Nacht&ldquo: Ihre Spielfreude steckt an

  • vonVolker Arndt
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Das Publikum der „Boogie Woogie Nacht“ war ganz aus dem Häuschen. Bis kurz vor Mitternacht erklatschten sich die Fans noch Zugaben von Christoph Oeser und dessen Gästen.

Ein kleines, zugleich großartiges Jubiläum erlebten die Besucher in der ausverkauften Vorstellung „Boogie Woogie Nacht“ im Bürgerhaus Mörfelden. Wenn der Boogie-König Christoph Oeser in die Tasten haut, beginnt selbst der größte Klavierflügel zu wackeln. Genau das aber erwarten die Gäste bei seinen Konzerten. Dass Oeser auch mit der Akustikgitarre fetzigen Rhythmus in den Saal trieb, und damit das Bürgerhaus rockte, war eine neue Erfahrung in der zehnten Auflage von Pianopower mit ausgewählten musikalischen Gästen.

Fast in Ehrfurcht blickten die Zuschauer auf die Bühne, als Walter „Mike“ Möwes sie betrat. Das Urgestein der deutschen Jazz-Szene, immerhin Jahrgang 1936, brachte aus seiner Posaune Töne hervor wie kaum ein Zweiter. „An ihm sieht man, dass Jazz jung hält“, frotzelte Oeser, der selbst wenige Tage zuvor seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte. Viel Applaus erntete „The Sheik of Araby“, das von dem Duo, Posaunist und Boogiepianist, in Kombination im Dixiesound mit viel Drive vorgetragen worden war. Zuvor hatte Oeser sein Publikum befragt: „Seid Ihr bereit?“, und eine Stimme aus dem Saal rief zurück: „Nee, noch nicht!“, was zu einem von vielen Lachern führte, denn Oeser verstand es immer wieder, sein Publikum auf Augenhöhe zu erheitern.

Er lobte sein Pendant am Blasinstrument: „Mike Möwes gehört zu den ersten in Frankfurt, die Hot-Jazz spielten.“ Möwes, Teil der bekannten „Red Hot Hottentots“, blieb auch bis zum Schluss, obwohl er am darauffolgenden Vormittag in Kelkheim schon seinen nächsten Auftritt hatte.

„Heute habe ich zum ersten Mal auf G gespielt“, sagte er, weil der von Christoph Oeser eingeforderte Grundton Fis der Posaune irgendwie nicht behage. „Dann werde ich eben das nächste Stück in C transpirieren“, erwiderte der in Schweiß gebadete Oeser und meinte damit das von George Gershwin komponierte „Lady, Be Good“.

Als „Down Home Percolators“ kamen schließlich zwei der „Matchbox Bluesband“ auf die Bühne, Klaus „Mojo“ Kilian und Bernd Simon. „Sie sind das Beste, was in der deutschen Bluesszene zu hören ist“, kündigte Oeser sie an. Und dies bewahrheitete sich auch. Ein „unglaubliches Maß an Authentizität“, so Oeser, gepaart mit großer Spielfreude, ließen das Publikum nicht mehr ruhig sitzen. Wer nicht mit den Fingerkuppen schnippte oder mit dem Fuß wippte klatschte ekstatisch mit. Zumeist ging es in atemberaubendem Tempo, dank Oesers Boogie-Woogie-Spiel, von Lied zu Lied, alle mit traditionellem Ursprung.

Der „Chicken Shack Boogie“ wurde im Original 1947 von Amos Milburn eingespielt, von „Sonny Boy“ Williamson, der bereits 1948 verstarb, stammte „Wonderful Time“ und Jimmy Yancey’s „Subway Special Boogie Woogie“ sei sogar in den 1920er Jahren aufgenommen worden, war zu erfahren. Gewidmet hatte Oeser dieses Lied dem 2013 verstorbenen Leopold von Knobelsdorff, in dessen Kölner Band „Boogie Woogie Company“ er seit 1990 unter anderem spielt.

Der fünfte Mann auf der Bürgerhausbühne war Schlagzeuger Bernd Kohn, der schon in der Band von Chris de Burgh die Trommelstöcke geschwungen hat. Er ergänzte die Jazzer und Blueser optimal.

Die virtuose Beherrschung aller Musiker ihrer Instrumente ließ eine größere Band in keiner Weise vermissen, sondern ersetzte alles Denkbare mit ihrem professionellen Gesang und ihrem satten Sound.

Die flotten Finger Oesers entgingen dabei niemandem, weil eine Liveübertragung auf Großbildleinwand die Beobachtung jedes einzelnen Griffs ermöglichte. Bei „Shake, Rattle and Roll“ spielte Oeser seine Boogie-Tastatur im Stehen, und als er unvermittelt an einer Gitarre für mehrere Lieder rockige Klänge anstieß, war das Publikum, das noch bis fast kurz vor Mitternacht einige Zugaben erklatschte, ganz aus dem Häuschen. Der Applaus zeige, dass Boogie Woogie gut ankomme, sagte Oeser. „Ich hoffe, es wird – trotz knapper Kassen – noch viele solcher Abende geben mit einem derart tollen Publikum wie in Mörfelden-Walldorf“, wünschte er sich.

Von manchem Gast war zu erfahren, dass die Veranstaltung über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung erfährt. „Ich bin zum ersten Mal bei der „Boogie Woogie Nacht“. Christoph Oeser ist wirklich beeindruckend“, meinte Jutta Duchmann aus Neu-Isenburg. Christiane Batsche aus Mörfelden freute sich dagegen, dass es „gerade um die Ecke“ sei. „Endlich etwas los in unserer Doppelstadt – andere Städte waren uns diesbezüglich schon ein wenig voraus“, sagte sie im Hinblick auf das musikalische Angebot im benachbarten Langen.

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