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Brandbekämpfer: Das Ehrenamt wird mit Füßen getreten

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Außergewöhnlich gut besucht war die Stadtverordnetenversammlung am Dienstag, in der über die Zukunft der Feuerwehr entschieden wurde. Diese Zeitung hat mit zwei Feuerwehrleuten über die Sitzung gesprochen.

Der Sitzungssaal im Rathaus Walldorf war am Dienstag völlig überfüllt. Vor dem Saal warteten zusätzlich sehr viele Menschen, darunter viele mit Transparenten, sowie Feuerwehrleute, die demonstrativ ihre Helme mitgebracht hatten. Eine sehr große Anzahl von Feuerwehrkameraden und deren Angehörige, aber auch interessierte Bürger waren gekommen, um eine sehr wichtige Entscheidung der örtlichen Stadtverordnetenversammlung (StVV) mitzuerleben. Hierzu hat diese Zeitung den stellvertretenden Stadtbrandinspektor Theo Herrmann, Mitglied der Einsatzabteilung Mörfelden, und Patrick Finkel aus der Einsatzabteilung Walldorf befragt.

„Wir hatten nur eine vage Hoffnung, dass es für uns gut ausgeht“, so Herrmann. Es sei aber richtig gewesen, sich zu zeigen: „Es geht um unsere Zukunft.“ Herrmann besuchte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine StVV. Ihm ist wichtig, zu betonen, dass die Feuerwehr bei aller Enttäuschung über die Entscheidung der StVV für einen zentralen Standort und trotz Anträgen von Feuerwehrleuten auf Beurlaubung weiter für die Einwohner da ist.

Eine Berufung

„Die Bevölkerung muss sich keine Sorgen machen, wir sind weiter für ihre Sicherheit da. Die Einsätze nach Dienstagabend haben gut funktioniert. Bei größeren Einsätzen bekämen wir zudem Unterstützung aus Groß-Gerau und Kelsterbach.“ Finkel, der regelmäßig die StVV besucht, meinte zur Sitzung: „Es ist gut, dass die drei Oppositionsparteien uns unterstützt haben. Wir stehen mit unseren Argumenten, zwei Standorte und bewährte Strukturen zu erhalten, nicht allein. Gerd Schulmeyer hat zudem zu Recht angesprochen, dass das zentrale Gerätehaus an einem Unfallschwerpunkt entstehen soll.“

Finkel freute sich besonders über die 1565 Unterschriften, welche die CDU in kurzer Zeit für den Erhalt von zwei Standorten gesammelt hat: „Der tosende Applaus, als Karsten Groß die Anzahl der Unterschriften verkündete, war für mich ein Höhepunkt der Sitzung. Zudem hat mich bewegt, wie viele Bürger und Kameraden aus Kelsterbach und weiteren Städten vor der Sitzung mit uns solidarisch demonstriert haben. Feuerwehr ist kein Hobby, sondern Berufung.“ Finkel bezeichnet sich selbst als langjährigen SPD-Wähler, weshalb er von der SPD besonders enttäuscht ist, die zusammen mit den Freien Wählern und der FDP in einer Koalition regiert.

Sozialer Treffpunkt

Der Feuerwehrmann zweifelt die in der von der Koalition verabschiedeten Magistratsvorlage angegebenen Kosten und vor allem die Fahrtzeiten an: „Ich habe es ausprobiert. Bei mir verdoppelt sich in etwa die Fahrtzeit zum Gerätehaus von rund zweieinhalb auf fast fünf Minuten. Für die meisten Kameraden ergeben sich Verschlechterungen und bei einem Einsatz zählt jede Minute.“

Die von der Stadt durchgeführten zwei Probefahrten sieht Finkel als ungenügend an. Das Feuerwehrgerätehaus in Walldorf sei zwar rund 50 Jahre alt, aber es ist nach Meinung Finkels nicht derart marode wie dargestellt. Zudem hätten die Kameraden eine Menge Zeit ehrenamtlich in die Instandhaltung investiert, weil sie sich mit ihrem Gerätehaus identifizieren würden, das auch ein sozialer Treffpunkt sei. Insgesamt sieht Finkel das Ehrenamt mit der Entscheidung der StVV nicht gewürdigt: „Das Ehrenamt wird mit Füßen getreten.“

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