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Symbolbild

Neue Routen werden geprüft

Aktiver Schallschutz soll Bürger in Mörfelden-Walldorf vom Fluglärm entlasten

Seit 2012 gibt es in Mörfelden-Walldorf die Vortragsreihe „Wir und der Flughafen“. In der ersten Veranstaltung dieses Jahres wurde das Thema „Aktiver Schallschutz & Konsultationsverfahren Amtix“ aufgegriffen.

Mörfelden-Walldorf - Das Verhältnis der Bürger der Doppelstadt zum Frankfurter Flughafen kann auf keinen einfachen Nenner gebracht werden. Viele Einwohner leiden unter dem Fluglärm durch die nahe Startbahn West. Gleichzeitig sind viele Bürger direkt am Flughafen beschäftigt oder sie haben Arbeitsplätze, die von diesem abhängen. Zudem wäre Mörfelden-Walldorf mit Sicherheit ein weniger attraktiver Wirtschaftsstandort, wenn es nicht so nah am Flughafen liegen würde.

Genau dies sorgt aber für eine hohe Nachfrage nach Wohnraum, was einen gewaltigen Mietpreisdruck verursacht. Dieses ambivalente Verhältnis greift seit 2012 die Vortragsreihe „Wir und der Flughafen“ auf, die vom städtischen Umweltamt in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf, die sich gegen einen Flughafenausbau und für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr einsetzt, sowie der Interessensgemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms durchgeführt wird.

Aktiver Schallschutz

Am Donnerstagabend stand die erste Veranstaltung dieses Jahres im Rahmen der Veranstaltungsreihe an. Knapp 30 Personen waren ins Rathaus Walldorf gekommen, um sich über das Thema „Aktiver Schallschutz & Konsultationsverfahren Amtix“ zu informieren. Nach einigen einleitenden Worten von Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) übernahmen die beiden Hauptreferenten des Abends das Wort, die sich im Anschluss auch einer lebendigen Diskussion mit den Zuhörern stellten: Olaf Glitsch vom Expertengremium Aktiver Schallschutzund Dr. Christoph Ewen, Moderator des Konsultationsverfahrens, vom „Team Ewen“. Glitsch fokussierte sich darauf, die Gründe darzulegen, warum die Flugroute „Amtix-kurz“ verlegt werden soll.

„Das Ziel ist, dass die Anzahl der Hochbelästigten deutlich reduziert wird“, so Glitsch. Gleichzeitig darf die Zahl der Hochbetroffenen durch die Maßnahme aber nicht steigen. Dies gelte selbst dann, wenn mit einer Maßnahme ein großer Entlastungseffekt bei vielen geringer Betroffenen zu erzielen wäre. Für die Verlegung liegen verschiedene Varianten vor.

Laut Glitsch habe jede der neuen vorgeschlagenen Varianten nur marginale Auswirkungen auf die Doppelstadt. Große Verbesserungen würden sich vor allem für die derzeit hochbelasteten und dicht besiedelten Darmstädter Stadtteile Arheilgen und Kranichstein ergeben. Erhebliche Verschlechterungen gebe es vor allem für Erzhausen und den Darmstädter Stadtteil Wixhausen.

Christoph Ewen erläuterte das Konsultationsverfahren zur geplanten Verlegung der Flugroute. „Sowohl Bürger als auch politische Vertreter der Kommunen sind einbezogen worden“, so Ewen. Zwar sei Konsultation nicht mit Entscheidung zu verwechseln. Am Ende entscheide nämlich das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF). Trotzdem sei das Konsultationsverfahren zum gegenseitigen Verständnis und zum Gewinnen neuer Erkenntnisse wichtig. Zudem seien neue Varianten eingebracht worden, die nun von den Entscheidungsträgern geprüft würden.

Ein großer Erfolg

Bürgermeister Becker machte ähnlich wie Glitsch deutlich, dass die Verlegung der Flugroute „Amtix-kurz“ nur marginale Auswirkungen auf Mörfelden-Walldorf habe. Zudem betonte der Bürgermeister: „Es gibt nicht den einen Königsweg, um Fluglärm zu reduzieren. Wir brauchen ein Bündel an Maßnahmen.“ Diese könnten dann in der Summe dazu beitragen, den aufgrund der steigenden Anzahl der Flugbewegungen allgemein zu erwartenden Lärmanstieg zu minimieren. Ein großer Erfolg

sei – wenn auch eingeschränkt durch die Ausnahmegenehmigungen und die gegenüber der angestrebten Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr verkürzte Zeitdauer – das Nachtflugverbot von 23 Uhr bis 5 Uhr. Ein späterer „Abdrehpunkt“ von Flugzeugen, die auf der Startbahn West starten, wäre leider abgelehnt worden. Dieser hätte vor allem die Einwohner von Büttelborn und Klein-Gerau zusätzlich belastet.

Neben technischen Verbesserungen zur Lärmreduzierung an den Flugzeugen setzt Bürgermeister Becker vor allem auch auf die „Spurtreue“: Flugzeuge müssten ihre Route halten, was oft aber leider nicht der Fall sei. Von mehreren Bürgern wurde das bestätigt und ebenfalls kritisiert.

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