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Geht es nach dem Willen der Bürger, bleibt das Feuerwehrhaus in Mörfelden – genauso wie sein Pendant in Walldorf – erhalten.  Archivfoto: Arndt

Entscheidung

Bürger stimmen für zwei Feuerwehrstandorte in Mörfelden-Walldorf

Die Entscheidung über den Bürgerentscheid zu den Feuerwehren der Stadt verlief gestern äußerst spannend. Schließlich kam es zu einem Votum für die Zwei-Feuerwehren-Lösung: 140 Bürger mehr als erforderlich sprachen sich für diese Variante aus.

Es war wohl das Top-Thema des Jahres 2018, die Frage, ob es in der Doppelstadt weiterhin zwei Feuerwehrstützpunkte, eines in jedem Stadtteil, oder künftig einen für die Gesamtstadt geben soll.Das Stadtparlament, sprich die regierende Koalition aus SPD, Freien Wählern (FW) und FDP, hatte sich für nur einen Stützpunkt entschieden, der an der B 44/Wageninger Straße entstehen sollte. Doch damit waren viele Bürger nicht einverstanden, setzten einen Bürgerentscheid durch, über den gestern entschieden wurde: Die Bürger sprachen sich mit ausreichender Stimmenzahl bei ebenfalls ausreichender Wahlbeteiligung dafür aus, dass es nach wie vor zwei Feuerwehren in Mörfelden-Walldorf geben soll.

Die Frage an die Bürger lautete: „Sind Sie dafür, dass zwei Feuerwehrgerätehäuser in Mörfelden und Walldorf erhalten bleiben sollen?“ Und diese Frage beantworteten 6501 Bürger mit Ja, 6361 wären vonnöten gewesen. Mit Nein votierten 2241 Bürger. Wahlberechtigt waren 25 443 Menschen, so dass sich die Wahlbeteiligung auf 34,5 Prozent beläuft, 25 Prozent wären ausreichend gewesen, obwohl dann alle Wahlgänger mit Ja hätten stimmen müssen.

Im Stadtverordnetensitzungssaal im Rathaus Walldorf hatten sich am Sonntagabend sowohl die Befürworter der Zwei-Feuerwehren-Lösung als auch deren Gegner eingefunden. Die Initiative „MöWa für Zwei“ auf der einen Seite des Saales, sie war eindeutig in der Überzahl, auf der anderen Seite die Kontrahenten, die an schwarzen T-Shirts mit der von den drei Musketieren entlehnten Aufschrift „Einer für alle, alle für einen“ kenntlich waren.

So um 19 Uhr herum sei mit den ersten Ergebnissen aus den vier Wahlbezirken zu rechnen, und tatsächlich lief kurz nach 19 Uhr das erste ein, aus dem Stadtwerkehaus in Walldorf. Noch war der Beifall der „MöWa für Zwei“-Fraktion angesichts der 1009 Befürworter gegen 283 Nein-Sagern noch recht verhalten. Doch das änderte sich von Wahlbezirk zu Wahlbezirk rasch, nach jedem weiteren Ergebnis brandete Applaus auf.

Faire Verlierer

Gegen 19.20 Uhr waren die Wahlbezirke durch, doch dann hieß es Warten, nicht etwa auf Godot, sondern auf die Ergebnisse der Briefwahlbezirke – und das zog sich in die Länge. Aber dann kannte der Jubel bei „MöWa für Zwei“ keine Grenzen. Von den Anhängern dieser Bewegung fiel die Spannung ab, alle strahlten, verspürten große Erleichterung. Immerhin hatten sie 140 Stimmen mehr als erforderlich erhalten. Auch die Oppositionsparteien im Stadtparlament, erklärte Gegner der Ein-Stützpunkt-Lösung, zeigten ihre Zufriedenheit über den Ausgang des Bürgerentscheids.

Und die Koalition im Stadtparlament, sie erwies sich als fairer Verlierer. Natürlich, die Enttäuschung über den Ausgang des Bürgerentscheids war ihr schon anzumerken, sie blieb aber dennoch sehr gefasst. „Wir werden diese Entscheidung demokratisch akzeptieren müssen“, hieß es nahezu gleichlautend von Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) und Erstem Stadtrat Burkhard Ziegler (FW). Beide waren der Ansicht, mit der Zwei-Standorte-Entscheidung des Stadtparlaments die beste Lösung für Mörfelden-Walldorf gefunden zu haben, doch nun werde es darum gehen, das beste aus dem Ergebnis des Bürgerentscheids zu machen.

„Beide Seiten müssen zusammenfinden, in enger Zusammenarbeit mit der Feuerwehr.“ Was konkret allerdings nach diesem Bürgerentscheid mit den beiden Feuerwehren der Doppelstadt geschehen soll, blieb offen. Sicher ist nur, auch hinsichtlich der Feuerwehren bleibt die Stadt ihrem Ruf, dass es in ihr alles doppelt gebe, treu.

Bei diesem Bürgerentscheid ging es in erster Linie um die Sicherheit der Bürger, die viele, darunter auch etliche Feuerwehrmänner, bei nur einem Standort nicht mehr gewährleistet sahen. Der neue Standort bedeute für die Blauröcke im Einsatzfall zum Teil erheblich längere Anfahrten, und auch die Fahrten zu den Einsatzorten seien nicht immer in den vorgeschriebenen Zeiten zu schaffen. Zudem würde sich der neue Standort negativ auf die Mitgliederzahlen der Feuerwehren auswirken, so dass über kurz oder lang die Einstellung hauptamtlicher Feuerwehrleute unausweichlich sei.

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