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Das denken die Bewohner von Mörfelden-Walldorf 40 Jahre nach der Fusion

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Von: Michael Forst

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Krisen-Ehe oder harmonische Partnerschaft? Auf Facebook und in einer Umfrage berichten Mörfelder und Walldorfer, wie sich ihr Verhältnis seit der Fusion vor 40 Jahren entwickelt hat.

Wuchs seit der Fusion von Mörfelden und Walldorf im Jahre 1977 wirklich zusammen, was zusammengehörte? Oder gleicht der Zusammenschluss bis heute eher einer Zwangsehe, in der immer noch Porzellan zerdeppert wird und Türen zugeknallt werden? Einblicke in das Seelenleben der Doppelstadt-Bürger bieten ein Streifzug durch die sozialen Netzwerke und eine Straßenumfrage auf dem Walldorfer Karree sowie dem Mörfelder Dalles.

„Früher hat’s geknirscht zwischen uns, das war nicht immer traute Harmonie“, erinnert sich Marie Luise Steinkopf mit der ganzen Erfahrung der 73 Jahre, die sie schon in Walldorf lebt. Um schnell hinzuzufügen: „Heute sind aber längst alle Streitigkeiten begraben. Nur mit meinen Freundinnen aus Mörfelden frotzel ich manchmal noch darüber.“

Auch die Walldorferin Maria Beer sieht das Verhältnis mittlerweile als „völlig entspannt. Allerdings war das nicht immer so: Als wir 1978 hierherzogen, traten unsere Kinder dem Handballverein bei. Und da war die Konkurrenz zum Gegner aus Mörfelden immer eine Riesensache.“ Ihr Mann Gerhard ergänzt: „Aber nur, bis dann die beiden Vereine SKV Mörfelden und TGS Walldorf zu einer Spielgemeinschaft verschmolzen.“

Hannelore Langer wohnt seit 21 Jahren in Walldorf und hat „das mit der Doppelstadt nie als Problem wahrgenommen: So sind wir doch stärker, größer und können unsere gemeinsamen Interessen besser vertreten.“

An die Anfangszeiten der Fusion kann sich Ursula Polak noch lebhaft erinnern: „Ich fand den ursprünglichen Namen ’Waldfelden’ ehrlich gesagt saublöde. Er hat sich zu Recht nicht durchgesetzt.“

Ein lebendes Beispiel gelungener, ganz privater Fusion, ist Heike Metzger ; „Ich bin in Mörfelden groß geworden und habe einen Walldorfer geheiratet. Mein Mann musste sich jahrelang Frotzeleien von meinen Eltern anhören. Von wegen, dass in Walldorf schon am frühen Abend die Bordsteine hochgeklappt werden und so. Aber er wusste sich immer zu wehren – und nahm’s natürlich mit Humor.“

Auf die Rivalität der Doppelort-Bewohner angesprochen, fühlt sich Vanessa Pauly an ihre Schulzeit erinnert: „Da ging es immer um die Frage, wer denn nun cooler ist,“ sagt sie und lacht: „Wir Walldorfer, also ’Waldenser’ sagten immer: ’Wir sind die Originale, Ihr Mörfelder seid nur Kopien’.“

Auch in den sozialen Netzwerken ist die Beziehung zwischen beiden Orten ein Thema. So wird die Berichterstattung über das Fusions-Jubiläum (Montagsausgabe) auf der Facebook-Seite „MoeWa“ rege kommentiert. Ein Teil der Community wie der Nutzer unter dem Namen Harry Panzer tut das Thema als „alten Hut“ ab: „Dieses Mörfelden gegen Walldorf und anders herum ist so unnötig. Heutzutage ist es doch voll egal wo man her kommt. MöWa ist unsere Heimat und warum soll man sich da aufregen über alte Rivalitäten, die heute gar keinen Sinn mehr machen.“

Für Nutzer Florian Shabby Schmidt geht die Liebe zum Heimatort hingegen richtig unter die Haut: „Für mich ist es eine Hassliebe. Ich bin Merfeller und habe mir das Merfeller Wappen tätowiert. Ich hasse Walldorf nicht, aber ich würde mich aus Prinzip weigern, dorthin zu ziehen und habe Spaß daran, mich mit Walldorfern zu ärgern. War schon in der Schule so.“

Stephanie Kallouz hat als im Jahre 1996 Zugezogene einen unverstellten Blick auf das Miteinander beider Ortsteile: Ihr fiel es nach eigenen Worten „ von Anfang an sehr schwer, das nachzuvollziehen. Ich fände es gut, wenn der Festplatz zwischen Mörfelden und Walldorf rund um die Bertha-von-Suttner-Schule wäre, dann könnte man zusammen feiern und es richtig krachen lassen. Denk ich jedesmal, wenn Kerb ist.“

Mit der launigen Mundart eines Alteingesessenen aus der Region kommentiert hingegen Alex Rotterdam die Beziehung: „Kinnergadde sach ich! Hie un her, Här! Am End ham mer uns doch alle Lieb, sei es uffm Giggelfest oder zur EM/WM uffm Dalles.“

Doch für manchen Bürger der Doppelstadt ist die Fusion nicht nur Futter für Frotzeleien, sondern ein handfestes politisches Ärgernis, wie ein Nutzerkommentar auf der Webseite der FNP zeigt: „Vor 40 Jahren machte man den Bürgern die Doppelstadt schmackhaft indem man ihnen enorme Einsparungen durch den Abbau von Doppelstrukturen versprach. Leider ist da bis heute kaum etwas geschehen“, beklagt ein Nutzer namens altmoerfelder : „Stattdessen tut unsere Stadt alles, um ein Zusammenwachsen zu erschweren. Jüngstes Beispiel ist die unterschiedliche Behandlung der beiden Stadtteile bei der geplanten Straßenbeitragssatzung.“

Dass man das östliche Industriegelände als eigenes Gebiet betrachte, sei zwar verständlich. „Aber warum die Bahnlinie Mörfelden zerschneiden soll, Walldorf jedoch nicht, bleibt ein Geheimnis unserer Stadtväter.“

Wie sehr die Gründung der Doppelstadt bis heute polarisiert, darauf deutet ebenfalls eine Online-Umfrage auf der Webseite dieser Zeitung ( ) hin, in der über das Verhältnis zwischen Mörfeldern und Walldorfern abgestimmt werden kann.

Bislang halten 35,64 Prozent der Teilnehmer die Beziehung für „sehr harmonisch“. Geringfügig mehr, nämlich 37,76 Prozent, finden hingegen: „Es passt einfach nicht!“. Und 26,60 Prozent sieht das Verhältnis als moderat an: Sie votieren für die Antwortmöglichkeit „Eher durchwachsen“.

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