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Diese Bäume sind in Mörfelden-Walldorf bald verschwunden

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Fünf große Linden am Kulturhaus gehören seit mehr als 100 Jahren zum Stadtkern von Mörfelden. Doch die alten Bäume werden nun aus Sicherheitsgründen gefällt.

Bäume erfüllen viele Funktionen, die der Natur insgesamt, aber auch dem Menschen im Besonderen sehr zugute kommen. Das gilt gerade für Bäume im Stadtgebiet innerhalb eines Ballungsraums. Sie fangen Staub auf, filtern Kohlendioxid, produzieren Sauerstoff und spenden Schatten. Sie senken die Temperatur ihrer Umgebung. Eine Stadt ohne Bäume heizt sich gerade im Sommer buchstäblich auf, weil die „grüne Lunge“ fehlt. Ferner mindern Bäume die Windgeschwindigkeit und den Lärm. Darüber hinaus dienen sie Vögeln als Nistplatz. Tiere und Menschen ziehen also aus Bäumen einen sehr großen Nutzen. Neben zahlreichen ökologischen Aspekten kommt noch ein städtebauliches Argument hinzu: Bäume verbessern erheblich den Aufenthaltscharakter eines Platzes.

Das gilt im Besonderen für die fünf großen Linden im Zentrum von Mörfelden. Die Bäume stehen dort seit mehr als 100 Jahren und haben eine beachtliche Höhe von bis zu 20 Metern erreicht. Doch in wenigen Tagen wird vielen Einwohnern ein gewohntes Stadtbild wohl schmerzlich fehlen, denn die Linden werden aus Sicherheitsgründen gefällt. „Die Bäume sind leider irreversibel geschädigt. Es wäre ein unverantwortliches Risiko für Fußgänger, hier nicht zu handeln“, sagt Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD). Der Rathauschef folgt bei seinem aktuellen Entschluss dem Rat seiner Fachleute im Bauhof, insbesondere von dessen Leiter Bruno Raab, der sich als ausgebildeter Gärtnermeister im Thema entsprechend gut auskennt.

Raab traf keine alleinige Einschätzung, sondern bestätigte das vorherige Urteil der Firma Zorn Sachverständigenbüro Gartenbau aus Usingen. Diese nimmt zweimal jährlich in der Doppelstadt als externer Gutachter eine Baumkontrolle vor. Hierauf basiert ein elektronisch geführtes „Baumbuch“ der Stadt, in dem der Zustand der rund 7000 Bäume in Mörfelden-Walldorf verzeichnet ist. Bei einer Kontrolle fielen den Gutachtern aus Usingen die beträchtlichen Schäden an den fünf Linden auf.

Keine Stabilität mehr

Die Firma kam zu dem Schluss, dass die Bäume „irreversibel geschädigt“ seien und gefällt werden müssten. So wiesen die Linden beispielsweise diverse Faulstellen im Baumstamm auf und hätten insgesamt keine Stabilität mehr. Ihr allgemeiner Zustand sei bedenklich. Dieses Gutachten wurde von Bruno Raab und einem weiteren Fachmann vom städtischen Bauhof mit Hilfe eines Hubsteigers genau überprüft und in der Sache geteilt. Darauf basierend traf Becker als zuständiger Dezernent seine Entscheidung, die auch für ihn „schmerzlich“ sei.

Sollten die Bäume aber bleiben und ein Unfall passieren, so würde Becker hierfür die politische und juristische Verantwortung tragen. Erschwerend kommt hinzu, dass die fünf Linden an einer zentralen Stelle Mörfeldens stehen: Direkt am Kulturhaus und bei der Rampe zu selbigem, bei einer hochfrequentierten Bank und einem vielgenutzten Parkplatz am Dalles. Hier herrscht reger Publikumsverkehr durch Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer.

Noch in dieser Woche

Die Bäume sehen oberflächlich betrachtet immer noch gut und majestätisch aus. Sofern man sich ihnen allerdings nähert und sie sich genauer ansieht, sind erhebliche Schäden auch für den Laien nicht mehr zu übersehen. Aber wohl nur Fachleute können entscheiden, ob diese Schäden tatsächlich „irreversibel“ sind. Durch Pflegemaßnahmen seien die Bäume nicht mehr zu retten. „Leider ist es auch nicht möglich, nur einzelne Bäume zu fällen. Sie sind viel zu sehr miteinander verwurzelt, und es gibt überall Schäden an den Bäumen. Wir haben geprüft, ob wir nicht wenigstens einige der fünf Bäume retten können“, betont der Bürgermeister.

Das Fällen soll aus Sicherheitsgründen noch in dieser Woche beginnen, möglichst schon am heutigen Mittwoch. Die Parkplätze an den Bäumen sind während der Arbeiten gesperrt. Die Bäume werden nach dem Abschneiden der Äste nach und nach von oben nach unten abgetragen. Erst anschließend wird das umfangreiche Wurzelwerk entfernt. Für den Herbst sind Nachpflanzungen geplant. Hier stehen aber noch keine Details über die Baumart und die Anzahl der Gehölze fest. Die Nachpflanzungen können aber den Verlust der über mehr als 100 Jahre gewachsenen Linden nicht einfach ersetzen.

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