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Das Thema "AfD" erwies sich als äußerst publikumswirksam: Rund 100 Besucher, darunter zahlreiche Schüler, sind ins Museum in Mörfelden gekommen.

Politik

Diskussionsveranstaltung: "Gegen die AfD nicht klein beigeben"

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Der AfD sei es gelungen, seit drei Jahren das Thema Flüchtlinge in den Fokus des öffentlichen Interesses zu stellen und inszeniere damit eine Art Klassenkampf, erläuterte Professor Claus Leggewie im Museum Mörfelden. Dort hatten sich rund 100 Bürger eingefunden, um der Frage nachzugehen: "Warum wählen so viele Leute die AfD?".

Der Sozialwissenschaftler Professor Claus Leggewie hat die Alternative für Deutschland (AfD) zum Objekt seiner Forschungen gemacht, und freimütig gibt er zu: „Als Bürger bin ich gegen die AfD.“ Beides wurde während der Veranstaltung der Margit-Horváth-Stiftung „Warum wählen so viele Leute die AfD?“ im Museum Mörfelden überdeutlich. Der Professor nahm kein Blatt vor den Mund, um Motive und Beweggründe dieser Partei zu benennen, auch um damit seine Abneigung gegenüber der AfD zu unterstreichen. Dabei ging er auch ausführlich auf Fragen von Schülern der Mörfelden-Walldorfer Bertha-von-Suttner-, der Dreieicher Ricarda-Huch- und der Langener Dreieichschule ein.

Im Zwiegespräch mit Ulrike Holler, die als Moderatorin fungierte, wies Leggewie zunächst darauf hin, dass die AfD als rechtspopulistische Bewegung der in Europa hinter hinke. In anderen Ländern, etwa Frankreich, Österreich oder Dänemark sei dieser Populismus bereits Jahre zuvor aktiv geworden, der eigentlich auf eine Populismusbewegung basiert, die seit dem 19. Jahrhundert auf einer harten Anti-Establishment-Haltung beruht und „die da oben“ als korrupte Elite begreift.

Die AfD selbst sei aus dem Widerstand gegen den Euro erstarkt, und verstärkt von der Krise Griechenlands, die nach Ansicht der AfD überwiegend zulasten Deutschlands gehe, lehnen die Populisten alles ab, was mit dem Begriff Brüssel zusammenhänge. Neben Brüssel als Sitz der europäischen Verwaltung richte sich der Widerstand der AfD gegen die Politik aus Berlin und vor allem gegen die Person Angela Merkel. Hintergrund dieser Haltung sei die AfD-Illusion für ein „zurück in die 1950er Jahre“. 

Furcht der weißen Männer

Neben Seitenhieben auf einige AfD-Politiker, etwa Björn Höcke oder Bernd Lucke, kam Leggewie auch auf Frauke Petry zu sprechen, die erklärt hatte, dass sie nichts gegen den Begriff „völkisch“ habe. Gemeint sei damit eine Bevölkerung ohne Menschen mit Migrationshintergrund, also eine ethnisch homogene Bevölkerung. In diesem Sinne begreife auch der AfD-Vordenker Höcke den aktuell vom Bundestag anerkannten Migrationspakt als Auftakt für einen „Umvolkungsprozess“, der eine „Invasion von Migranten“ nach sich ziehe.

Der AfD sei es gelungen, seit drei Jahren das Thema Flüchtlinge in den Fokus des öffentlichen Interesses zu stellen, erläuterte Leggewie. Daraus inszeniere sie eine Art Klassenkampf, wohlwissend, dass 60 bis 70 Prozent der Menschen in Deutschland ein Problem mit Ausländern haben. Dahinter verberge sich die Furcht der AfD, „die weißen Männer verlieren ihre Vorherrschaft“. Primitive Abwehrreaktionen dagegen seien nicht ratsam, denn dann werde diese Partei wirklich gefährlich. 

Mit der Thematik vertraut

Anschließend widmete sich der Professor den Fragen von Schülern, die sich als überaus gut vertraut mit der Thematik zeigten. Dabei ging es um Gefahren für die Demokratie, die von der AfD ausgehen, um historische Vergleiche mit der Weimarer Republik und der NSDAP im Dritten Reich, wo Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, bereits von der Lügenpresse sprach.

Weitere Themen waren die Politikverdrossenheit, das Klientel der AfD und die Europawahl. An dieser Stelle warnte Leggewie davor, die Europawahl auf die leichte Schulter zu nehmen, denn wenn die Bürger nicht wählen gehen, könnte es zu einem Durchmarsch der populistischen Parteien kommen.

Ein weiterer Punkt war das Internet, das von der AfD zur Selbstdarstellung genutzt werde. Das Problem dabei sei, dass Fehlinformationen der AfD nur schwer korrigiert werden können. Auch die aggressivere Sprache auf der politischen Ebene gehe auf die sozialen Medien zurück. Früher habe es in den Redaktionen der Zeitungen sozusagen „Türwächter“ gegeben, die auf ein sprachliches Niveau achteten. Im Internet hingegen habe die Sprache des „Stammtisches“ Einzug gehalten, die es immer gab, jetzt aber auch öffentlich erlaubt zu sein scheint.

Auf für die Frage, wie der AfD zu begegnen sei, hatte Leggewie Antworten parat. Ein Beispiel war für ihn die Aussage der AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die erklärt habe, sie hätte nichts gegen einen Schießbefehl gegen Migranten. Statt eines empörten Aufschreis hätte er ihr ein Gewehr in die Hand gedrückt und gesagt: „Dort kommt eine Mutter mit zwei Kindern, wen erschießen sie zuerst?“ Sein Fazit: „Was machen wir gegen die AfD? – Nicht klein beigeben.“

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