Der Ex-Cheftrainer der SKG-Boxer Heiko Mai und seine Nachfolgerin Thanyaporn Rungviwatanunt. Foto: privat
+
Der Ex-Cheftrainer der SKG-Boxer Heiko Mai und seine Nachfolgerin Thanyaporn Rungviwatanunt.

Porträt

Eine Frau, die auch mal austeilen kann

Thanyaporn Rungviwatanunt leitet die Boxabteilung der SKG

Auf den ersten Blick ist nicht unbedingt offensichtlich, dass es sich bei Thanyaporn Rungviwatanunt um die Abteilungsleiterin und Cheftrainerin einer Boxabteilung in Personalunion handelt. Obwohl sie mit 1,71 Meter gar nicht mal so klein und zierlich ist, bedient die Walldorferin optisch nicht das Klischee der männerdominierten Welt dieses Kampfsportes. Wie so vieles einmal mehr ein Vorurteil, wie Dinge angeblich zu sein haben.

Vor zwei Jahren hatte Rungviwatanunt gleich zwei Posten bei der SKG übernommen. Zum einen wurde sie Cheftrainerin der Abteilung und folgte ihrem langjährigen Trainer und Mentor Heiko Mai. Außerdem übernahm sie das Amt des bisherigen Abteilungsleiters Hagen Winkelmann. Der langjährige Walldorfer Leistungssportler Mai musste aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten an den Nagel hängen. Für ihn war sicher, dass seine Schülerin in seine Fußstapfen passen kann. "Die Thany hat eine hundertprozentige Einstellung zu diesem Sport. Natürlich muss sie da hineinwachsen, aber was ich so vom Vorstand höre, macht sie das prima. Sie hatte von Anfang an viel Leidenschaft und Ehrgeiz für den Boxsport", sagt Mai.

Anfangs wurde sie gemobbt

Mit acht Jahren ist die heute 23-Jährige aus Thailand nach Deutschland gekommen. Dort hat sie in der Schule gleich unschöne Erfahrungen im neuen und noch fremden Land gemacht. "Ich wurde wegen meines Aussehens gemobbt", erinnert sie sich. Ihre Mutter empfahl ihr, den Kampfsport Aikido bei der TGS Walldorf zu lernen, um Selbstbewusstsein zu tanken.

Dann nahm sie eine Freundin einmal spontan mit zum Boxen der SKG. Dort trainierte Mai mit seiner Abteilung, und sie spürte sofort: Genau das will ich auch! Der Boxtrainer nahm sie unter seine Fittiche und erkannte gleich ihr Kampfsporttalent. Bei ihm erlernte Rungviwatanunt nicht nur klassisches Boxen, sondern auch Thai- und Kickboxen. Selbst aktiv boxt sie allerdings aus Zeitgründen seit mehr als zwei Jahren nach dem Abitur an der Bertha nicht mehr.

Neben ihrer Funktion als Abteilungsleiterin trainiert sie dank C-Lizenz bis zu 15 Boxer in den Gruppenkursen. Und hier musste sie sich zunächst viel Respekt verschaffen: "Zu Beginn wurde ich schon von manchen Schülern schief angeschaut. Ich trainiere ja auch Jugendliche und Männer, die älter sind als ich. Und eine Frau als Abteilungsleiterin und dann noch asiatisch - das ist natürlich schon unüblich", sagt sie und lacht. Sie sei jemand, der es erst im Guten versuche, stark auf das Miteinander und wertschätzende Kommunikation setze. "Allerdings glauben dann leider manche, dass sie das ausnutzen können. Aber die merken dann ganz schnell, dass ich auch Autorität zeigen kann. Ich musste deshalb schon welche aus dem Team schmeißen", sagt die Medizintechnik-Studentin.

Auch ihr Ex-Trainer Mai weiß, dass seine Nachfolgerin sich im wahrsten Sinne durchboxen muss: "Ich glaube nicht mal, dass das was damit zu tun hat, dass sie eine Frau ist, sondern eher, dass sie meine Schülerin war und jetzt plötzlich in meiner Position ist. Aber sie packt das, und ich ziehe meinen Hut, dass sie das gemacht hat", sagt er und verweist darauf, wie schwierig es ist, Menschen für eine derartige ehrenamtliche Arbeit zu bewegen. "Zumal sie als Vollzeitstudentin ja auch wenig Zeit hat", sagt er.

Beginn einer großen Leidenschaft

Thanyaporn Rungviwatanunt ist froh, dass sie den Sport für sich entdeckt hat und auch, dass sie mit ihrem Engagement mit dazu beiträgt, dass die Abteilung weiter bestehen bleiben kann. "Mit meinen Kolleginnen und Co-Trainern klappt das alles wunderbar. Wir sprechen uns prima ab. Und mir ist es auch immer wichtig, dass ich deren Meinung zu bestimmten Themen höre", sagt sie.

Für sie sei damals der Weg in den Kampfsport der Beginn einer großen Leidenschaft gewesen, die sie nicht mehr missen will. Und auch andere junge Mädchen ermuntert sie, sich dem Boxsport anzuschließen. "Es stärkt sehr das Selbstbewusstsein. Man entwickelt schnell viel mehr Selbstvertrauen und weiß auch, was man durchhalten kann", sagt sie. Sehr wichtig ist der Walldorferin allerdings Folgendes: "Auf keinen Fall sollten Mädchen und Frauen denken, dass sie es mit Kampfsporttraining oder einem Selbstverteidigungskurs auf der Straße mit mehreren Männern aufnehmen könnten." Dies könne ein verheerender Trugschluss sein. "Im Gegensatz zum Ring gelten draußen keine Regeln. Da ist das beste Mittel immer noch: wegrennen", mahnt sie. Allerdings sei es zweifelsfrei so, dass Frauen, die Kampfsport betreiben, eine völlig andere Aura umgibt und sie dementsprechend weniger als potenzielles Opfer ausgesucht würden. OLIVER HAAS

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare