Zweiter Bauabschnitt: Am Neubau der Wilhelm-Arnoul-Schule wird im laufenden Schulalltag weiter gearbeitet. Links im Bild das "gelbe" Gebäude, das im dritten Abschnitt abgerissen wird. FOTO: Dirk Beutel
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Zweiter Bauabschnitt: Am Neubau der Wilhelm-Arnoul-Schule wird im laufenden Schulalltag weiter gearbeitet. Links im Bild das "gelbe" Gebäude, das im dritten Abschnitt abgerissen wird.

"BER Mörfelden-Walldorf"

Eine ganze Schulzeit auf der Baustelle

Sanierung und Ausbau laufen schon seit einigen Jahren, manche Grundschüler werden den Neubau wohl nicht mehr erleben. Immerhin, der erster Abschnitt an der Wilhelm-Arnoul-Schule ist (fast) fertig

"Arnoul Schule soll kräftig wachsen", titelt eine Zeitung bereits vor mehr als fünf Jahren, im Frühjahr 2016. Oder auch: "Notlösungen sollen ein Ende haben", im Sommer 2018. Die eigentlichen Planungen und Vorbereitungen für eine Sanierung beziehungsweise den Ausbau der Wilhelm-Arnoul-Schule, sie laufen gar noch länger, nämlich bereits seit 2014. Manch einer witzelt da hinter vorgehaltener Hand schon mal vom "BER Mörfelden-Walldorfs",

Schulleiterin Christiane Deibert weist zumindest darauf hin, dass es Kinder geben wird, welche die Grundschule an der Waldstraße überwiegend nur als Baustelle erlebt haben - und von dem vollendeten Neubau nichts mehr mitbekommen werden, weil sie dann schon Fünftklässler sind. Immerhin: Der erste Bauabschnitt ist nun weitgehend abgeschlossen, wie der Kreis Groß-Gerau als verantwortlicher Schulträger mitteilt.

Hatten dessen Verantwortliche an der Arnoul-Schule zunächst eine Sanierung im Bestand geplant - anfänglich stand eine Investitionssumme von rund 4,5 Millionen Euro im Raum -, war doch schnell deutlich geworden, dass dies nicht ausreichen würde. Und so kamen 2018 Pläne für einen Neubau auf. Im Frühjahr 2019 wollte man loslegen, der Neubau im Passivhausstandard sollte nach den Sommerferien 2020 fertiggestellt sein. Geschätzte Kosten: elf Millionen Euro.

Verzögerung durch viele Faktoren

Tatsächlich hat der erste Bauabschnitt mit dem Abriss des im Schulumfeld "blauen" Gebäudes genannten Altbaus im Frühjahr 2019 begonnen - und damit die "Containerschule" gestartet, so Deibert: Container auf dem Schulhof, weitere folgten später zwischen Stadt- und Turnhalle. Und der linke Teil des "roten" Gebäudes wurde umgebaut, während die Verwaltung noch im rechten saß und arbeitete. Nach Außen sichtbar war allerdings nach dem Abriss des ersten Gebäudes rund anderthalb Jahre lang nichts passiert.

"Die Verzögerung entstand durch die Schwierigkeiten des zweistufigen Vergabeverfahrens, starke Auslastung der infrage kommenden Firmen und dann durch die Corona-Pandemie", hatten die beim Kreis Groß-Gerau zuständige Fachbereichsleiterin, Gabi Walter-Reichelt, und der planende Architekt, Andreas Sedler, Ende 2020 berichtet. Schließlich fand sich ein interessierter Generalunternehmer, ergänzt Schulleiterin Deibert. "Das hat dann leider aufgrund der Gegebenheiten ewig gedauert, bis die anfangen konnten."

Unterdessen hatte sich beim "roten" Gebäude abgezeichnet, dass nun doch auch die Verwaltung vorübergehend ausziehen müsse: Die Container zwischen Stadt- und Turnhalle wurden folglich noch um eine Ebene aufgestockt. Dieses Kapitel ist nun beendet: "In den Herbstferien sind wir wieder zurückgezogen", berichtet Deibert. Wir, das sind in dem Fall eine Vorklasse, der Vorlaufkurs, das Sekretariat, der Schulsozialarbeitsraum, die Pädagogen-Lounge sowie Besprechungs-, Hausmeister- und Kopierraum. Die Containeranlage hinter der Stadthalle ist wieder abgebaut, jene an der Ludwigstraße aber wird weiterhin benötigt - für acht Klassen, Betreuung und Intensivklasse.

"Ich würde sagen, zu 80 Prozent ist der erste Bauabschnitt abgeschlossen", sagt die Schulleiterin. In der Lehrer-Lounge allerdings fehle noch die Küche, die Heizung ist noch nicht installiert - für vorübergehende Alternativen ist gesorgt -, und aufgrund der aktuellen Ressourcenknappheit fehle zum Teil auch noch das Holz für Türen und Einbauschränke. "Das meiste ist aber schon da."

Für die Fertigstellung des Neubaus hatte der Kreis zuletzt Sommer 2022 als Ziel ausgegeben. Dann soll alles fertig sein - mit Ausnahme der Schulhofneugestaltung. Die wird beginnen, wenn das dritte Schulgebäude, das "gelbe", abgerissen ist, erklärt Deibert. Auch die Stadt habe signalisiert, sich an den Kosten für das Außengelände zu beteiligen, dient doch der Schulhof nachmittags auch als öffentlicher Spielplatz.

Alles im laufenden Betrieb

Auf vieles hatten die Grundschüler hier seit Baubeginn 2019 verzichten müssen: Das große Spielschiff etwa und das Klettergerüst mussten weg, Wippe, Wackelbrücke, Röhrenhügel und Steine konnten bleiben. Stellenweise aber war gar der ganze Schulhof gesperrt, etwa, als neue Leitungen verlegt werden mussten. Immerhin: Zwei Wochen nach den Sommerferien ist zumindest ein Klettergerüst auf das großzügige Außengelände zurückgekommen, "ein Highlight", so Deibert.

Der zweite Bauabschnitt, der Neubau, laufe ebenfalls neben dem Schulalltag. "Die Lärmbelästigung ist nicht so groß, vielmehr der Dreck: Staub, Sand, Steinchen. Wir haben daher auch zusätzliche Reinigung genehmigt bekommen." Die Kinder selbst gingen recht kreativ mit der Dauerbaustelle um: "Die spielen dann eben auch mal mit Sand, bauen Hügel und Kuhlen, nehmen das gar nicht so sehr als Einschränkung wahr. Das ständige Masketragen", sagt die Schulleiterin mit Blick auf die Coronabestimmungen, "ist für sie viel schlimmer." Freude bereite dem Kollegium schon jetzt die warme, freundliche, helle Atmosphäre im roten, aber auch dem Neubau, wo viel mit Holz und Glas gearbeitet wurde beziehungsweise wird. "Und es gibt jetzt schon eine tolle Akustik in dem Neubau."

Was die Gesamtkosten für Um- und Neubau anbelangt, so hatte der Kreis zuletzt eine Summe von rund 18 Millionen Euro kommuniziert. Ob diese indes ausreichen wird, darf mittlerweile bezweifelt werden. In nichtöffentlicher Sitzung hat sich der Haupt- und Finanzausschuss bereits darüber beraten. Ein offizieller Beschluss fällt erst in der Kreistagssitzung am 22. November.

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