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Familienbetrieb in siebter Generation

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Von: Leo Postl

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Hotel ?Zum Löwen?: Die fünfte Generation mit Günter Steckenreiter (von rechts), die sechste Generation mit Jörg Steckenreiter und seiner Frau Nathalie sowie mit Tochter Jessica ist die siebte Generation perfekt.
Hotel ?Zum Löwen?: Die fünfte Generation mit Günter Steckenreiter (von rechts), die sechste Generation mit Jörg Steckenreiter und seiner Frau Nathalie sowie mit Tochter Jessica ist die siebte Generation perfekt. © Leo f. Postl

Das Hotel „Zum Löwen“ wird in der siebten Generation von Familie Steckenreiter geführt. Zum 175-jährigen Bestehen machten sie sich selbst ein Geschenk.

Es ist kurz vor Mittag und ziemlich ruhig im Hotel „Zum Löwen“ in der Langstraße 68 in Mörfelden-Walldorf. Doch die Ruhe täuscht. In den Zimmern wird überall gereinigt, in der Küche klappert das Geschirr und der Chef, Jörg Steckenreiter, sitzt vor dem Computer und bearbeitet E-Mails. Seine Frau Nathalie hilft mit, dass das Frühstücksgeschirr gespült und ordentlich aufgeräumt wird, Tochter Jessica eilt durch die Flure und schaut überall nach dem Rechten. Und auch Günter Steckenreiter, der 79-jährige Senior des Hauses, findet immer etwas, wo er sich nützlich machen kann. So hat jeder seine Aufgabe im Familienbetrieb Hotel „Zum Löwen“ – und es funktioniert recht gut. Seit nunmehr 175 Jahren ist das Hotel „Haus zum Löwen“ im Familienbesitz und es soll auch weiterhin so bleiben.

Zu diesem besonderen Jubiläum kam gestern die Geschäftsführerin des DEHOGA-Landesverbandes Hessen, Christine Friedrich aus Heppenheim, sowie der Vorsitzende des Kreisverbandes Groß-Gerau des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Marco Häkes, um eine Urkunde zu überreichen.

Arbeitsintensives Geschäft

„Also zu so einem beeindruckenden Jubiläum konnte ich noch nicht gratulieren. Das gibt es heute nur noch ganz selten, dass ein Hotelbetrieb so lange von einer Familie geführt wird“, zeigte sich Häkes beeindruckt. Auch für die DEHOGA-Geschäftsführerin Südhessen war dies ein besonderes Jubiläum. „Jeder weiß, welch hartes und arbeitsintensives Geschäft es ist ein Hotel zu betreiben, da kann man nicht nur gratulieren, sondern man muss auch eine besondere Anerkennung aussprechen“, betonte Christine Friedrich.

Für Jörg und seine Frau Nathalie sowie Tochter Jessica ist das alles selbstverständlich, was sie leisten (müssen) um den Hotelbetrieb am Laufen zu halten. „Wie viel Arbeit und Aufwand wirklich dahinter steckt, können nur jene nachvollziehen, die so etwas aus eigener Erfahrung kennen – aber wir alle machen das gerne – für uns aber auch für unsere Gäste“, betonte der Chef des Hauses. Im Geschäftsbetrieb eines Hotels müssen viele Rädchen ineinander greifen, um erfolgreich zu sein. Genau dies funktioniert im Hotel Zum Löwen bestens. „Man darf nur nicht auf die Uhr gucken und muss immer auf Überraschungen gefeit sein“, meint Jörg Steckenreiter und berichtet von einem Anruf eines fernöstlichen Hotelgastes, der wissen wollte, wie viel Uhr es jetzt hier in Deutschland ist. „Es war so kurz nach 3 Uhr“, meinte der Hausherr schmunzelnd.

Nette Menschen

Oft wird freilich auch die Geduld strapaziert oder man hat ein dickes Fell. „Das Internet ist ein Segen, aber auch ein Fluch zugleich“ betonte Jörg Streckenreiter. So berichtet er von einem Gast, der sich beschwerte, dass er vor zehn Minuten eine Reservierung angefordert und bislang noch keine Antwort erhalten hätte. „Und das in einem halben Jahr voraus“, so der Hotelier. Auch die Sache mit den Bewertungen sieht der Hotelier ambivalent. „Ein junger Gast aus Amerika hatte ein Doppelzimmer als Einzelbelegung gebucht, am Frühstückstisch saßen aber zwei – als wir ihn dann höflich auf seinen möglichen Fehler angesprochen haben, hat er im Internet eine ziemlich negative Bemerkung hinterlassen“, erklärte Jörg Streckenreiter.

Trotz solcher unbeliebter Begleiterscheinungen können sich alle keinen besseren Job als Hotelier vorstellen. „Man trifft so viel nette Menschen und wenn, wie bei uns, manche über viele Jahre kommen und zufrieden sind, dann ist das auch für uns ein gutes Gefühl“, betonte Nathalie Steckenreiter. „Ich weiß, dass es manchmal ein Knochenjob ist und ich um 6 Uhr auf der Matte stehen muss, aber das ist genau das, was ich wollte“, betont die 26-jährige Hotelfachfrau.

Zum 175-jährigen Jubiläum des Familienbetriebes Hotel „Zum Löwen“ hat sich die Familie Streckenreiter selbst ein schönes Geschenk gemacht: einen neuen Löwen vor dem Haus, der alte war von einem Hotelgast angefahren worden. Der ist aus massivem Granit und wiegt locker eine Tonne. Mehr als eine symbolische Investition für die Zukunft.

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