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Margrit Reimann, Leiterin der Arbeitsgruppe Sprache, hatte in ihrem Vortrag viele Informationen und einige Anekdoten zu bieten. Foto: Niess

Netzwerk Asyl

„Flüchtlinge brauchen Privatsphäre“

Das Netzwerk Asyl der Doppelstadt leistet wertvolle Arbeit. Ein wichtiges Angebot sind die Deutschkurse, die ehrenamtlich organisiert werden müssen.

Von Karlheinz Niess

Bereits zum zweiten Mal traf sich das Netzwerk Asyl der Doppelstadt im Walldorfer Rathaus. Nach 120 Teilnehmern beim ersten Treffen kamen nun nur noch 60. Heimo Boschert, Leiter des Sozial- und Wohnungsamtes, sah dies aber immer noch als sehr gutes Ergebnis an. Er führte die Verringerung auch auf viele erkrankte ehrenamtliche Helfer zurück.

„Die Arbeit ist von vielen Improvisationen geprägt“, berichtete Boschert. So seien die Asylbewerber zu Beginn in die Kleiderkammer gekommen und hätten sich Kleidung aussuchen können. „Einen Tag später hatten wir einen riesigen Wäscheberg im Foyer des Hotels Albatros“, sagte der Amtsleiter. Was zuerst aussah wie Undankbarkeit stellte sich schnell als einfaches Problem heraus. In den Kleiderkammern der Doppelstadt gab es keine Möglichkeit, die Kleidung anzuprobieren. Die Sachen passten einfach nicht.

„Für die Flüchtlinge ist Privatsphäre sehr wichtig“, erklärte Boschert. Immer wieder passiere es, dass Menschen, die helfen wollen, in das Hotel kämen und direkt auf die Zimmer der Asylbewerber gehen wollten. „Das geht nicht“, machte er deutlich. Nicht zuletzt nach dem, was sie durchgemacht hätten, sei es wichtig, die Privatsphäre zu beachten.

Ein weiteres Problem zeichnet sich für die nahe Zukunft bereits ab. „Zurzeit haben wir mehr als 200 Menschen, die eine Sozialwohnung suchen“, sagte Boschert. Wenn die Asylanträge genehmigt würden, kämen noch weitere hinzu. Ein Problem, dass gerade im Rhein-Main-Gebiet nicht nur Mörfelden-Walldorf hat.

Auch die Leiter der Arbeitsgruppen gaben einen Zwischenbericht ab. Eines der wichtigsten Angebote dürften dabei die Deutschkurse sein, die unter der Leitung von Margrit Reimann geplant werden. Da diese vonseiten des Bundes nicht vorgesehen sind, müssen sie ehrenamtlich organisiert werden. „Wir bieten derzeit 13 Kurse pro Woche an“, sagte Reimann. Das bedeute für die Teilnehmer drei Stunden Unterricht in der Woche. 70 Asylbewerber besuchen die Kurse. „Viele würden gerne an jedem Kurs teilnehmen“, beschrieb Reimann die große Motivation der Flüchtlinge. Das gehe aber schon aufgrund des begrenzten Raumangebotes nicht.

Die Zusammensetzung der Lerngruppen sei eine weitere große Herausforderung, ergänzte die Leiterin der Arbeitsgruppe. „Von Analphabeten bis hin zu hervorragend ausgebildeten Akademikern ist alles dabei“, sagte Reimann. „Unser Ziel ist die Kommunikationsfähigkeit“, ergänzte sie. Aus Ermangelung an Lernmaterialien müssten sie sich mit Werbebroschüren behelfen. Als dank der Diakonie Lehrbücher eintrafen, sei die Freude bei den Asylbewerbern sehr groß gewesen.

Außer auf ehrenamtliche Helfer ist das Netzwerk Asyl auch auf Spenden angewiesen. Ansprechpartnerin ist hierfür die städtische Integrationsbeauftragte Manuela Grabsch. Sie ist unter (0 61 05) 93 87 73 erreichbar.

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