Terminal 3

Flughafenausbau: Kreis-Spitze lobt Aktivisten im Protest-Camp

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Am Flughafen wird ein drittes Terminal gebaut. Ein Stück Wald wird dafür wohl weichen müssen. Die Kreis-Spitze kritisiert jetzt die Gemeinde, die es an Fraport verkauft – und lobt die Aktivisten im Protest-Camp.

Zweimal hatten sie schon abgelehnt. Ende vergangenen Jahres stimmten die Treburer Gemeindevertreter dann für den Verkauf eines Stücks ihres Oberwalds unweit des Frankfurter Flughafens an dessen Betreiber Fraport. Dieser benötigt die Fläche, um dort einen Autobahnanschluss für das Terminal 3 zu bauen, das zurzeit entsteht.

Trebur, das ist die alte Heimat des Ersten Kreisbeigeordneten und nun Nauheimers Walter Astheimer (Grüne). Von 2001 bis 2008 war er ehrenamtlicher Erster Beigeordneter. Der Gemeindevertretung gehörte er rund zwei Jahrzehnte an. Die Entscheidung der ehemaligen Kollegen, das Waldstück zu verkaufen, hat Astheimer bei der Jahres-Pressekonferenz des Kreises im Dornberger Schloss deutlich kritisiert. „Nicht zu verkaufen, wäre ein schönes Signal gegen den Flughafen gewesen“, sagte Astheimer.

Landrat Thomas Will (SPD) vermisste bei den Treburern „ein Stück kreativen Widerstand“, wie es ihn in einem ähnlich gelagerten Fall einmal in seiner Heimat Bischofsheim gegeben habe. Damals habe die Gemeinde dort viele kleine Waldstücke an ihre Bürger verkauft, um so das Wald-Aufkaufen zu erschweren.

Auf die Kritik angesprochen, verteidigte Treburs Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) den Beschluss der Gemeindevertreter. „Ich stehe dahinter“, betonte er. Den Wald zu verkaufen, sei eine vernünftige Entscheidung. Die betreffende Fläche mache mit ihren viereinhalb Hektar nicht einmal ein Prozent des gesamten Waldbesitzes der Gemeinde aus. Hätte die Gemeinde sich geweigert zu verkaufen, wäre sie ohnehin enteignet worden, fügte Sittmann hinzu. Für Fraport hat der Rathauschef sogar Lob übrig: „Sie haben das Doppelte des üblichen Quadratmeter-Preises bezahlt, obwohl sie überhaupt nicht mehr mit uns hätten verhandeln müssen.“

Auch wies Sittmann darauf hin, dass die Gemeindevertreter sich geweigert hätten, Flughafenbetreiber Fraport auch die nötigen Ausgleichsflächen abzutreten. Es sei nur so viel Wald verkauft worden, wie unbedingt nötig. Von der Kreis-Spitze gab es Lob für die Umweltaktivisten, die seit Anfang des Jahres auf den Bäumen im Oberwald campieren, um sie vor der Rodung zu schützen.

„Das findet meine persönliche, hohe Anerkennung, Hut ab“, äußerte sich Erster Beigeordneter Astheimer. Es freue ihn, dass es noch Menschen gebe, die beim Thema Flughafenausbau den „Finger in die Wunde legen“.

Zu den Aktivisten gehörte für einige Zeit auch der Sohn des Landrats. „Er hat ein paar Nächte im Protest-Camp verbracht“, verriet Will. Was seine Kritik am Flughafen angeht, legte der SPD-Politiker Wert darauf, dass er nicht gegen den Flughafen an sich sei, sondern lediglich gegen das „ungezügelte“ Wachstum, das es dort momentan gebe.

Die Waldbesetzer freuen sich über den Zuspruch. Dass er etwas an dem Schicksal der Bäume ändert, glauben sie aber nicht. „Trotzdem tut das gut“, sagte ein Sprecher. Man hoffe, dass mit dem milder werdenden Wetter sich nun mehr Menschen dem Protest im Wald anschließen.

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