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Gesprächsabend

Freie Wähler und Feuerwehr im Clinch

Ein zentraler oder weiter zwei dezentrale Feuerwehr-Standorte? Das war das kontrovers diskutierte Thema des offenen Gesprächsabends der Freien Wähler.

Großer Andrang herrschte beim Gesprächsabend der Freien Wähler (FW). Im voll besetzten Sitzungsraum im „Ciao“ in Walldorf saßen 80 bis 90 statt der sonst meist üblichen 30 Personen. Das Thema war die Standortfrage für die Feuerwehr Mörfelden-Walldorf.

FW und Feuerwehr diskutierten rund drei Stunden kontrovers, aber im Ton moderat. FW-Fraktionsvorsitzender Joachim Rommel betonte: „Wir treffen eine Entscheidung über die Sicherheit der Menschen in Mörfelden-Walldorf, und zwar für 50 Jahre.“ Rommel führte als Moderator ruhig und deeskalierend durch den Abend.

Zum hohen Interesse hatte ein Artikel der FW beigetragen, in der die Freien Wähler klar für einen zentralen Feuerwehr-Standort plädierten. „Wir müssen zukunftsorientiert entscheiden, das spricht für einen Neubau an einem zentralen Feuerwehr-Standort zwischen beiden Stadtteilen“, sagte der Erste Stadtrat Burkhard Ziegler. Die Wehrführungen der beiden Einsatzabteilungen aus Mörfelden und Walldorf sind aber klar für zwei dezentrale Standorte, jeweils einen pro Stadtteil, wie das bislang der Fall ist. Die deutliche Mehrheit der Wortbeiträge aus der Feuerwehr argumentierte beim FW-Gesprächsabend ebenfalls – oft vom Applaus der Kameraden begleitet – dafür.

„Eine Fusion kostet Personal“, sagte Peter Schulmeyer, der Wehrführer der Einsatzabteilung Mörfelden. Er nannte Beispiele für schlecht verlaufene Fusionen in anderen Kommunen, Ziegler verwies dagegen auf erfolgreiche Fälle.

Von der Feuerwehr Walldorf waren unter anderem der stellvertretende Wehrführer Rainer Hamela, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins Sebastian Gleser und Jugendbetreuer Christian Zwilling gekommen. Zwilling berichtete über die Jugendarbeit und sagte an die FW gerichtet: „Sie riskieren ehrenamtliches Engagement.“

Zahlreiche Feuerwehrleute argumentierten, dass mit einem zentralen Standort für den einzelnen Feuerwehrmann die Wahrscheinlichkeit sinkt, im Ernstfall eingesetzt zu werden. Deshalb werden Austritte befürchtet, die sich zwar nicht bei kleineren Einsätzen, aber bei einem Großeinsatz empfindlich bemerkbar machen würden, so der stellvertretende Stadtbrandinspektor Theo Herrmann. Herrmann, der sich beim FW-Gesprächsabend oft einbrachte, sagte auch, dass derzeit bei zwei dezentralen Standorten viele Feuerwehrleute in der Nähe der Gerätehäuser wohnen. Das erleichtere die Einhaltung der Hilfsfrist von zehn Minuten.

Für die FW sprach im Regelfall Ziegler. Er sagte, dass die FW gerne noch vor der Sommerpause im Stadtparlament entscheiden wolle: „Wir gehen die Themen an, die zu lange aufgeschoben wurden.“ Interessierte Bürger, wie zum Beispiel Enver Azirovic, der zum ersten Mal bei einem FW-Gesprächsabend war, hörten der Debatte gespannt zu. Azirovic: „Es war von beiden Seiten informativ. Aber meine Präferenz ist ein zentraler Standort mit viel Platz für einen Neubau.“

Ziegler argumentierte, dass sich hierbei die Baukosten um rund ein Drittel gegenüber zwei Neubauten reduzieren ließen und die Betriebskosten deutlich geringer seien. Zudem könne an den bisherigen Standorten neuer Wohnraum entstehen. Weiterhin könnten an einem zentralen Standort die hauptamtlichen Gerätewarte eng zusammenarbeiten.

Zieglers Kostenkalkulation wurde von der Feuerwehr in Frage gestellt. Außerdem sei höhere Sicherheit die Mehrkosten für zwei Standorte wert. Ziegler bestritt wiederum, dass zwei Standorte für mehr Sicherheit sorgen würden. Bei einem Einsatz könnte bei einem zentralen Standort schneller die vorgeschriebene Personalstärke für die Einsatzfahrzeuge zusammenkommen. Sollte längerfristig eine Berufsfeuerwehr nötig werden, so spräche das ebenso für einen zentralen Standort.

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