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Frischer Saft direkt aus der Kelter

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Von: Carmen Erlenbach

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Franz-Rudolf Urhahn (links) und Hans-Herbert Kirchhof  pressten mit vereinten Kräften den frischen Apfelsaft.
Franz-Rudolf Urhahn (links) und Hans-Herbert Kirchhof pressten mit vereinten Kräften den frischen Apfelsaft. © Carmen Erlenbach

Auf der Feier der Kooperationspartner für die Landschaftspflege zwischen Mörfelden und Walldorf wurden die Äpfel von Hand gepresst. Beschäftigte der AVM erhalten die Streuobstwiesen, auf denen die Früchte geerntet wurden.

Zum ersten gemeinsamen spätsommerlichen Kelterfest hatten der Ausbildungsverbund Metall (AVM) aus Rüsselsheim, der Ortsverband Mörfelden-Walldorf des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie das Amt für Umwelt, Nachhaltigkeit und Energie der Stadtverwaltung auf das Gelände an der Hüttenkirche eingeladen. Jedoch regnete es bei kühlen Temperaturen in Strömen, so dass sich der Zuspruch in Grenzen hielt.

„Wir nehmen das Kelterfest zum Anlass, mit unseren Kooperationspartnern gemeinsam das erfolgreiche, einjährige Bestehen des Projekts zur Landschaftspflege der Streuobstwiesen zwischen Mörfelden und Walldorf zu feiern,“ freute sich Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn (Grüne). Er lobte die Zusammenarbeit, die bestens funktioniere.

Zum langfristigen Erhalt des Areals wurde im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit der Stadt Mörfelden-Walldorf, dem BUND Mörfelden-Walldorf, der Unteren und der Oberen Naturschutzbehörde, dem Fachgebiet Landschaftspflege Darmstadt sowie der AVM gGmbH und mit verschiedenen Landwirten das Projekt Landschaftspflege entwickelt. Gefördert wird es unter anderem vom Kommunalen Jobcenter Kreis Groß-Gerau. Für das Projekt können Kunden des Jobcenters eine Grundqualifikation im Garten-Landschaftsbau durchlaufen.

Ziele dieser Landschaftspflege sind der Erhalt und die Pflege der benachbarten Streuobstwiesen sowie der sehr seltenen und trockenen Wiesengesellschaften. Weil diese Strukturen so rar geworden sind, ist das Gebiet zwischen Mörfelden und Walldorf gleich zweimal zum Schutzgebiet erklärt worden. Zum einen ist es ein Fauna-Flora-Habitat Gebiet (FFH-Gebiet), eine Schutzgebietsklasse der Europäischen Union für besondere Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Zum anderen wird dieses Areal als Landschaftsbestandteil nach nationalem Recht geschützt, damit die Obstbaumbestände und auch andere Bäume sowie Feldgehölze und Hecken erhalten werden.

Fortbildung im Gartenbau

Der AVM ist seit 2010 auf den benachbarten Streuobstwiesen tätig. „Bis 2014 war das eine reine Beschäftigungsmaßnahme“, so Projektleiter Egbert Friedrich. Ein-Euro-Jobber wurden in der Natur- und Landschaftspflege beschäftigt. Im ersten Jahr wurden Entbuschungen und Freischneidungen auf den Flächen vorgenommen. So wurden beispielsweise riesige Brombeerhecken, Rubinien und Traubenkirschen entfernt. Diese Arbeiten wurden im zweiten Jahr fortgesetzt. Im Sommer wurden außerdem Neu- und Jungpflanzungen gewässert. Zu diesen ausschließlichen Obstgehölzen zählen Apfel-, Kirsch, Zwetschgen- und Birnbäume sowie Speierlinge.

Diese Formen der Landschaftspflege wurden bis zum vorigen Jahr fortgesetzt, als der Pflegeverbund ins Leben gerufen wurde. Seither werden auf den Streuobstwiesen künftige „Helfer im Gartenbau“ fortgebildet. Seit dem Sommer vergangenen Jahres wurden laut Friedrich etwa 20 Personen eingesetzt, immer sieben bis neun in kleinen Gruppen. „Die Leute sind nicht kontinuierlich draußen“, so Friedrich. Bei diesen Qualifizierungen handele es sich um jeweils einen Kurs von acht Wochen mit Theorie und Praxis, an den sich ein vierwöchiges Betriebspraktikum anschließe. Das werde vornehmlich in gewerblichen Firmen, aber auch in kommunalen Betriebshöfen im Kreis Groß-Gerau absolviert.

Die Fortbildung ist laut Friedrich ausschließlich Langzeitarbeitslosen aus verschiedenen Arbeitsfeldern mit und ohne Vorkenntnisse gewidmet, die der AVM vom Jobcenter zugewiesen bekomme. In den ersten vier Jahren kooperierte der AVM ausschließlich mit dem BUND, seit vorigem Jahr sind auch die Stadt Mörfelden-Walldorf und die Untere Naturschutzbehörde mit im Boot.

Frisch gekeltert

Gemeinsam wurden beim Kelterfest Äpfel von den benachbarten Streuobstwiesen, die zunächst in einem großen Behälter ein Bad genossen hatten, in eine Schreddermaschine gefüllt, in der sie gehäckselt wurden. Dann wurde das zerkleinerte Fruchtfleisch in eine große Saftpresse gegeben, die manuell bedient wurde. Urhahn und Hans-Herbert Kirchhof, Fachbereichsleiter Arbeitsmarktintegration des AVM, bündelten ihre Kräfte und legten zusammen Hand an, bis der frische Saft in die bereitgestellten Gläser floss und von den Gästen genossen wurde. Auch Landrat Thomas Will, der am Nachmittag vorbeischaute, posierte für Erinnerungsfotos an der Kelter.

Auch der Schäfer Ben Klepp war mit einigen Schafen seiner Herde gekommen, die das Areal mittlerweile regelmäßig beweidet.

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