Ehrenamtliches Engagement

Gerhard Sauer und Sylvia Scholl-Wrecz sind jetzt ehrenamtliche Hospizbegleiter

Sterbenden Menschen zur Seite stehen, das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Diese Zeitung hat zwei Hospizbegleiter nach ihrem ehrenamtlichen Engagement befragt.

Der Tod ist gesellschaftlich weitgehend ein Tabu. Kaum jemand beschäftigt sich gerne mit der eigenen Endlichkeit. Doch gibt es Menschen, die sich ehrenamtlich als Hospizbegleiter engagieren und so ständig mit dem Tod konfrontiert werden. „Wir sind mit dem Herzen für die Menschen da“, sagt Sylvia Scholl-Wrecz über ihre Aufgabe.

Sie ist eine von sieben Teilnehmern, die kürzlich eine intensive Ausbildung zur Hospizbegleiterin bei Cornelia Sengling, Koordinatorin des 2002 gegründeten Hospizvereins Mörfelden-Walldorf, in einem halbjährigen Seminar abgeschlossen haben. Sengling sagte während einer von Anja Böttger-Balek musikalisch begleiteten Feier zum Abschluss des Seminars im evangelischen Gemeindezentrum in Walldorf: „In jedem Teilnehmer bewegte sich einiges. Es wurde viel erzählt, zugehört, geweint und gelacht.“ Neben Sylvia Scholl-Wrecz erhielten Fatima Mondlana, Eva Worf, Erika Steinbach, Christine Groeneveld sowie Imke und Gerhard Sauer ihr Zertifikat.

Gerhard Sauer aus Walldorf absolvierte zusammen mit seiner Ehefrau Imke das Seminar: „Ich möchte anderen Menschen etwas zurückgeben“, sagt der Hospizbegleiter, der laut eigener Aussage im Leben viel Glück hatte. Sauer hält es für wichtig, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen und sie nicht zu verdrängen, zumal er selbst eine schwere Krankheit überstanden hat. Beim Sterben seiner Mutter vor einem Vierteljahrhundert sei er mit der damaligen Situation überfordert gewesen. Sauer sagt, er habe sich hilflos gefühlt. Hieraus habe er stets lernen wollen, und jetzt habe er auch beruflich die Zeit dazu. „Ich habe damals leider eine Chance verpasst, mich zu verabschieden.“

Hier ist wichtig zu wissen, dass die Hospizbegleiter nicht nur den sterbenden Menschen helfen, sondern auch deren

Angehörige unterstützen

. Genau dieser Beistand hätte wohl auch Sauer in seiner persönlich schwierigen Situation vor vielen Jahren Rückhalt geben können. Das von ihm, seiner Ehefrau Imke und fünf Kolleginnen absolvierte Seminar mit 80 Stunden Theorie und 20 Stunden Praktikum in einer stationären Pflegeeinrichtung – Sauer war im Hospiz Bensheim –, sei eine sehr gute Vorbereitung auf die Arbeit als Hospizbegleiter. „Es waren sehr intensive Tage.“ Die gemeinsame Ausbildung habe die Gruppe eng miteinander verbunden. „Das Seminar war für mich auch persönlich eine Bereicherung“, berichtet Sauer.

Seine Kollegin Sylvia Scholl-Wrecz aus Walldorf hält ebenfalls eine Entlastung für die psychisch und oftmals auch zeitlich hochbelasteten Familienmitglieder des sterbenden Menschen für enorm wichtig. „Viele Angehörige können durch unsere Arbeit einfach auch mal ausruhen.“ Zudem könne darüber hinaus weitere Hilfestellung und Unterstützung gegeben werden, mit dem schwer zu ertragenden Verlust eines geliebten Menschen umzugehen und von ihm bewusst Abschied zu nehmen.

Scholl-Wrecz hatte, ähnlich wie Sauer, auch ein persönliches Erlebnis, das sie geprägt hat. Beim Sterben ihrer Schwiegermutter habe sie sich etwas überfordert gefühlt und daraus lernen wollen. Instinktiv machte sie jedoch bereits damals etwas richtig: „Meine Schwiegermutter hat gespürt, dass sie nicht allein ist.“ Das ist generell eine der zentralen Aufgaben der Hospizbegleiter.

Beim Sterbeprozess gebe es mehrere Phasen. Angehörige und Hospizbegleiter sollten hierbei die Grundregel befolgen, dass sich möglichst alles nach den Bedürfnissen des sterbenden Menschen richtet. Auch Demenzkranke könnten sehr wohl Glück erfahren, und sei es nur für relativ kurze Momente: „Das Hier und Jetzt ist wichtig.“ Scholl-Wrecz ist sich bewusst, dass es Menschen gibt, die ihre ehrenamtliche Arbeit lieber nicht übernehmen wollen. Sie sagt jedoch, dass sie vor einigen Jahren selbst noch nicht dazu in der Lage gewesen wäre. Nun ist sie jedoch dazu bereit: „Wir können den Menschen etwas geben.“

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