Hadiya Korash strahlt: Sie hält ihre neue Geige in der Hand, die 1889 von Friedrich August Meisel gebaut wurde.
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Hadiya Korash strahlt: Sie hält ihre neue Geige in der Hand, die 1889 von Friedrich August Meisel gebaut wurde.

Junge Geigerin bekommt alte Violine

Ein Geschenk der besonderen Art

  • VonUwe Grünheid
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Mehr als 125 Jahre ist die Geige alt, die die Journalistin Carmen Erlenbach der Schülerin Hadiya Korash vermachte. Die 16-Jährige spielt Violine bereits seit dem zarten Alter von sieben.

Es ist keine Stradivari, aber dennoch ein Instrument aus Meisterhand, das die Künstlerin und Journalisten Carmen Erlenbach der 16-jährigen Hadiya Korash schenkte. Die Violine wurde 1889 von Friedrich August Meisel aus Klingenthal hergestellt, dessen Instrumente im Internet für vierstellige Beträge angeboten werden.

Wie kam es zu dieser Schenkung? Drei Jahre sei es her, erinnert sich Carmen Erlenbach, dass sie Hadiya bei einem Konzert der Musikschule Mörfelden-Walldorf kennengelernt habe. Spontan habe sie die Bertha-von-Suttner-Schülerin gefragt, ob sie nicht einmal bei einer ihrer Ausstellungseröffnungen spielen wolle, und ebenso spontan habe Hadiya zugestimmt und inzwischen mehrfach zu derartigen Gelegenheiten ihre Violine erklingen lassen.

Aus diesen Begegnungen erwuchs in Carmen Erlenbach, die selbst seit ihrer Jugend, von 1968 bis Anfang der 1990er Jahre Geige gespielt hatte, die Idee, Hadiya dieses Instrument zu überlassen. „Ich dachte, bevor sie verrottet und irgendjemand sie wegschmeißt, soll die Violine in junge, frische Hände kommen“, sagte sie.

Schöner, offener Klang

Es ist schon ein etwas weihevoller Moment, als Hadiya den Geigenkasten öffnet, das Instrument aus dem schützenden Leinentuch wickelt und es mit liebevollem Blick begutachtet. Ein kurzes Zupfen an den Saiten sagt ihr: „Die muss erst einmal gestimmt werden.“ Sogleich setzt sie dieses Vorhaben in die Tat um. Dabei blickt sie entschuldigend auf: „Mein Geigenlehrer kritisiert immer, dass ich fürs Stimmen etwas länger brauche.“ Dann die ersten Striche auf dem Instrument. Hadiya lauscht den Tönen. „Sie hat einen schönen, offenen Klang.“

Zur Geige kam Hadiya vor neun Jahren. Eigentlich wollte sie damals Klavierspielen lernen, berichtete sie, während ihre ältere Schwester Nafisa sich für die Geige entschieden hatte. Doch als das für Nafisa bestimmte Instrument kam, war es viel zu klein für sie. „Also musste ich ran.“ Das erste Stück, das sie auf dem Saiteninstrument zustande brachte, war „Alle meine Entchen“. Heute spielt sie weitaus anspruchsvollere Stücke. Gerade hat sie „Der Frühling“ von Antonio Vivaldi einstudiert, und will sich als nächstes „Rigadon“ von François Francoeur Kreisler vornehmen. Ihr Lieblingsstück ist „Zigeunerweisen“ von Pablo de Sarasate. „Das kann ich aber noch nicht spielen“, räumt sie ein.

Täglich eine Stunde üben

Tonleitern zu üben, empfindet Hadiya eher als nervig. „Wichtig für mich sind die Stücke.“ Normalerweise greift sie täglich etwa für eine Stunde zur Violine. Allerdings hat sie momentan nicht ganz so viel Zeit für ihr Instrument. In der Schule stehen etliche Arbeiten an. Für die Meisel-Geige werde sie zunächst neue Saiten besorgen und sich dann darauf einspielen. Natürlich hat sie vor, sie dann auch bei ihren Auftritten, bei denen übrigens Mutter Mehrinsa stets dabei ist, zu spielen. Ihr Berufswunsch ist es allerdings nicht, Violinistin zu werden. „Vielleicht kann ich nebenher, als Mini-Job, Geigenunterricht geben“, sagt sie. Ihr Ziel dagegen ist es, Psychologie zu studieren, um dann als Psychiaterin zu arbeiten.

Wie Carmen Erlenbach in den Besitz dieser Geige gelangte, ist eine kleine Geschichte für sich. Als sie gerade mal elf Jahre alt war, ist in ihrer Straße ein Musiklehrer gestorben, erinnert sie sich. Ihr Vater habe gewusst, dass der mal eine Violine besessen hatte. Also fragte er nach dem Instrument, das dort allerdings einen wenig komfortablen Platz auf dem Dachboden erhalten und sich dementsprechend in keinem besonders guten Zustand befunden hatte. Dennoch habe der Vater das Instrument für 100 Mark gekauft und es einem Geigenbauer in Suhl, einem entfernten Verwandten, überlassen, der es restauriert hat. „Ein Jahr habe ich sehnsüchtig darauf gewartet“, sagte Carmen Erlenbach, die darauf hofft, „ihre“ Violine bald bei einem Konzert der Musikschule zu hören.

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