Motiv weiter unklar

Getöteter Familienvater: Keine Verbindung zum Rockermilieu

Der Unbekannte, der im August einen 43-jährigen Familienvater auf offener Straße erschossen hat, ist noch nicht gefasst. Die Sonderkommission ermittelt in alle Richtungen. Auch das Motiv ist bislang unklar.

Ein Mordfall in Mörfelden-Walldorf beschäftigt seit August nicht nur die Polizei, sondern auch die Menschen in der Doppelstadt. Am 18. August erschoss ein Unbekannter einen Familienvater. In dem Moment, als der 43-Jährige seine zweijährige Tochter in seinem BMW anschnallen wollte, trafen ihn die tödlichen Schüsse. Tochter und Ehefrau mussten mitansehen, wie er noch auf dem Gehweg zusammenbrach und starb.

Doch trotz schnell eingerichteter Sonderkommission (Soko) der Polizei gibt es noch keine heiße Spur. Dies bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Darmstadt, Barbara Homm. „Oft sind bei Tötungsdelikten die Partner oder Ex-Partner beteiligt“, weiß die Staatsanwältin, die schon häufig mit solchen Fällen zu tun hatte. Daher sei es durchaus vorstellbar, dass bei solch einem Mordfall vielleicht der Partner einer Geliebten den „Nebenbuhler“ aus dem Weg räumen will. „Aber wir haben dafür bisher keine Hinweise“, stellte Homm klar.

Von der Soko werde in alle Richtungen ermittelt, berichtete die Staatsanwältin. So sei es üblich, dass das gesamte Umfeld eines Opfers genau überprüft werde – also Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen. Das ist in diesem Fall wohl größtenteils schon geschehen. Auch hier wurden die Ermittlungsbehörden bislang noch nicht fündig. „Es gibt keinerlei Hinweise auf eine Beziehung zum Rockermilieu“, wies Homm die Spekulationen eines Boulevardblattes zurück. Derzeit geht es laut Homm immer noch um die Suche nach einem Motiv. Dazu werden die Finanzen des Opfers untersucht, Computer durch die IT-Forensik ausgewertet, Tatortspuren ausgewertet, Videos auch aus der Umgebung wie zum Beispiel Tankstellen gesichtet – kurz, es wird alles untersucht, was Hinweise geben könnte.

„Diese Ermittlungen können sehr langwierig werden“, erklärte Homm. Doch auch sie ist überrascht und etwas frustriert von der geringen Ausbeute nach mehr als zwei Monaten. „Es ist total unbefriedigend, wenn es nicht vorangeht“, sagte sie. Immerhin sei klar, dass es ein gezielter Mord gewesen sei. Die Videoaufzeichnungen der Tat hätten dies eindeutig belegt. Das ist eine der wenigen etwas besseren Nachrichten, die der Fall bisher zu bieten hat.

Die Mörfelden-Walldorfer müssten sich auch keine Sorgen machen, dass ein schießwütiger Mann wahllos auf die Bewohner der Doppelstadt schießt. Das Gesicht des Täters war auf den Aufnahmen nicht zu sehen. Er wird als glattrasierter, eher dunkelhäutiger Mann mit längerem, schwarzen Haar beschrieben. Er soll dunkle Augen haben, zwischen 20 und 30 Jahre alt und etwa 1,70 Meter groß sein. Zur Tatzeit trug er eine Baseballkappe.

„Zeugenaussagen wären sehr hilfreich“, machte die Staatsanwältin klar. Oft sei es so, dass Menschen etwas gesehen hätten, aber annehmen, dies sei schon bekannt. „Wir können jeden Hinweis brauchen“, fügte Homm hinzu. Eine weitere Möglichkeit wäre auch noch die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Die seit mittlerweile 50 Jahren regelmäßig ausgestrahlte Sendereihe hat schon bei der Aufklärung vieler Fälle geholfen.

„Das ist derzeit nicht geplant“, erklärte Homm. Zudem hänge das auch vom Sender, dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF), ab. Dort falle letztlich die Entscheidung, welche Fälle in die Sendung kommen.

Wer irgendetwas gesehen hat, was im Zusammenhang mit der Tat stehen könnte, soll sich bei der Kriminalpolizei in Rüsselsheim unter der Telefonnummer (0 61 42) 69 62 30 melden. Dies könnte vor allem im Bereich Bamberger Straße, Sudetenstraße der Fall sein. Die Tat geschah am 18. August gegen 9 Uhr. Aber auch Beobachtungen zu einem früheren Zeitpunkt oder an anderen Orten können den Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung des Falles helfen. Vielleicht hat der Unbekannte den Tatort vorher ausgespäht oder fiel nach der Tat andernorts auf.

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