+
Revierleiter Jürgen Treichel hält den Bruch für die erfolgreichen Jäger bereit.

Jäger unterwegs

Mörfelden-Walldorf: Im Gundwald gibt es zu viele Wildschweine - Tiere werden nach strikten Vorgaben geschossen

  • schließen

Für Tierschützer ist eine Wildschweinjagd sicher kein schöner Anblick. Doch der Wildbestand muss zahlenmäßig unter Kontrolle gehalten werden. Das war nun im Gundwald der Fall.

Sie ließen die Sau raus – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jäger befreiten den Gundwald zwischen dem Ortsteil Walldorf und dem Frankfurter Flughafen von sechs Wildschweinen. „Es sind zu viele“, verdeutlichte Klaus Velbecker, Leiter des Forstamts Groß-Gerau. Im Normalfall würden die Schwarzkittel früher gejagt. Weil sich die Jäger mit der Regulierung des Wildschweinbestands in jüngster Zeit aber auf andere Gebiete wie den Mönchbruch und rund um Groß-Gerau konzentriert hätten, „sind wir im Gundwald ein wenig in Verzug“. Für seine Bearbeitung sei noch keine Zeit gewesen.

Es war noch gar nicht richtig hell, als sich die Jäger am Gundhof früh morgens zur Bewegungsjagd formierten. Sie ist eine Form der Treibjagd. Jäger nehmen auf Hochsitzen im Wald Platz, während Treiber das Wild aufscheuchen und vor die Flinten treiben. Normalerweise wird eine solche Bewegungsjagd laut Velbecker wegen der durch sie erfolgenden Beunruhigung des Wildes nur einmal jährlich ausgeführt.

Schlaue Allesfresser

Nun waren 16 Jäger auf der relativ kleinen Fläche von etwa 200 Hektar im Gundwald unterwegs – darunter nicht nur sieben Jäger vom Forstamt, die das Areal normalerweise bejagen, sondern auch acht männliche Gäste aus der Region und eine Jägerin aus Frankfurt. Bejagt wurden primär die borstigen und schlauen Allesfresser, aber auch Rehe. Grund war die für das Vorjahr für sie noch nicht erreichte Abschussquote. Erlegt wurde jedoch keines.

Schilder warnen davor, den Wald während der Jagd zu betreten.

Wildschweine können nach Angaben von Klaus Velbecker jetzt noch gejagt werden, „weil sie noch keine Jungen haben“. Sie seien gerade im Begriff, ihren Nachwuchs zu gebären. Somit werde die Jagd verantwortungsbewusst ausgeführt, Jungtiere würden nicht von ihren Müttern getrennt. Bei jeder Jagd stehe der Tierschutz im Fokus. Sie führte entlang der Okrifteler Straße im Westen, der A 5 im Osten, dem Flughafen im Norden und Walldorf im Süden.

Nach dem Ende der Jagd um die Mittagszeit wurde keine Strecke gelegt. „Das machen wir schon lange aus wildbrethygienischen Gründen nicht mehr.“ Gleich nach der Jagd kamen die erlegten Tiere in die Wildkammer zur Revierförsterei in Hassloch. Dort kann das Frischfleisch dann auch gekauft werden, „allerdings nur ganze Tiere“. Das Zerlegen wie in einer Metzgerei sei aus Zeit- und Kostengründen nicht machbar.

Warum jedoch müssen die Wild-scheine eigentlich bejagt werden? Nicht selten überqueren sie verkehrsreiche Straßen wie die Okrifteler. Im vergangenen Jahr sei es deshalb dort zu zwei Wildunfällen gekommen. „Sie durchwühlen auf der Suche nach Würmern auch die Bankette“, so Velbecker. Eine Population baue sich auf, die für zahlreiche Schäden an der Ortsgrenze zu Walldorf führe. Hundehalter hätten im Wald schon manche Sau entdeckt, die in ihrer Deckung unter Brombeergestrüpp gelauert habe. Abends kämen die Wildschweine bis an die Bebauung. Das bringe Risiken mit. „Es wird momentan sehr ungemütlich.“

Vom Leiter freigegeben

Für die Jagd gelten Regeln. Ge-schossen werden darf nur auf das, was vom Jagdleiter freigegeben wurde – unter dem Aspekt der Sicherheit für eventuelle Waldbesucher, aber auch für die acht Treiber. Darüber hinaus musste gewährleistet sein, dass bereits der erste Schuss aus dem Kugelgewehr saß, der Tod sofort eintrat und kein Tier leiden musste. Bejagt wurden junge Wildschweine, keine Muttertiere. „Die sind tabu.“ Dabei wurde darauf geachtet, dass aufgescheuchte Tiere während ihrer Flucht nicht in den Straßenverkehr liefen.

Das Wetter spielte mit. Es hatte nicht frisch geregnet, was die Arbeit der Treiber erleichterte, aber auch, dass die Wildschweine eher bereit waren, ihre Deckung zu verlassen. Velbecker überreichte erfolgreichen Jägern abschließend den Bruch. Jagdkönig wurde Wolfgang Hedderich, der gleich zwei Säue geschossen hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare