30 Sprayer

Graffiti-Künstler verschönern den Bahnhof in Mörfelden

Statt grauer Einfalt oder Schmierereien ist die Fahrradunterführung am Bahnhof Mörfelden nun mit originellen Kunstwerken in vielen Farben geschmückt. Die echten Hingucker entstanden beim „Graffiti-Hip-Hop-Jam“.

Ein Beispiel für die Aufwertung eines bislang faden und teilweise auch beschmierten Platzes ist seit Samstag in der Fahrradunterführung am Bahnhof Mörfelden zu bestaunen: Mehr als 30 Graffiti-Künstler aus dem Frankfurter und dem gesamten süddeutschen Raum verschönerten bei der vierten Auflage des „Graffiti-Hip-Hop-Jam“ innerhalb nur eines Tages die Unterführung mit originellen Kunstwerken in bunter Vielfalt.

Den gestochen scharfen Bildern ist sofort anzusehen, wie viele Profis aus der Graffiti-Kunstszene am Werk waren. Diese waren übrigens unentgeltlich tätig. Neben den Profis bekamen auch einige junge Nachwuchskünstler eine Chance. Hierzu zählte Timothy Haltmayer aus Mörfelden-Walldorf, der über die „Graffiti AG“ im Jugendzentrum Walldorf, die als Keimzelle der inzwischen großen Kunstaktion bezeichnet werden kann, zur Graffiti-Kunst gekommen ist.

„Es sind Bilder entstanden, die Bestand haben und das Stadtbild urbaner und schöner machen. Der Bahnhof und seine Umgebung sind deutlich aufgewertet und belebt worden“, freut sich Philipp Gempe von der Jugendförderung Mörfelden-Walldorf, die zum vierten Mal den „Graffiti-Hip-Hop-Jam“ organisierte. Gempe hat die „Graffiti AG“ ins Leben gerufen und ist neben dem Graffiti-Künstler Simon Jung Initiator für den „Graffiti-Hip-Hop-Jam“. Während sich der städtische Mitarbeiter Gempe um die Genehmigung und den Rückhalt der Stadt für die Aktion kümmert, ist Jung für die künstlerische Seite verantwortlich.

„Der Jam bietet uns die Chance, unsere künstlerischen Ideen zu verwirklichen“, so Jung. „Für die Stadt ist er eine kostengünstige Gelegenheit, mit vielfältiger und abwechslungsreicher Kunst zentrale Plätze deutlich aufzuwerten.“ Der Lehrer an der Bertha-von-Suttner-Schule wirkte am Samstag selbst als Graffiti-Künstler mit. Er gehört dem Künstlerkollektiv „Bad Breath“ an, einem wichtigen Stützpfeiler für den „Graffiti-Hip-Hop-Jam“. Im Rahmen der Kunstaktion arbeitete Jung mit anderen Künstlern, beispielsweise Matthias Johannsen und Kai Lippok, am Eingang zur Fahrradunterführung an einem gemeinsamen Bild.

Dass am Samstag über 30 Künstler in Mörfelden mit- und zusammenwirkten, das ist vor allem Jungs Verdienst, der in der Graffiti-Kunstszene über ein breites Netzwerk verfügt. Das Zusammenwirken an gemeinsamen Bildern ist in der Graffiti-Kunstszene nämlich insgesamt mehr die Ausnahme als die Regel. Da an der ersten Auflage 2015 lediglich zwölf Künstler teilnahmen, zeigt dies, dass der „Graffiti-Hip-Hop-Jam“ inzwischen deutlich gewachsen ist und sich einen Namen gemacht hat. Bisher hieß die Veranstaltung „Walldorf Jam“ und fand auch immer in Walldorf statt. Die diesjährige Premiere in Mörfelden trug daher mit einem kleinen Augenzwinkern das Motto: „Walldorf Jam goes Mörfelden“.

Die Kunstaktion dient nicht nur der Verschönerung der Stadt an einem zentralen Platz, sondern auch der Unterstützung von Jugendlichen: „Wir organisieren den Graffiti-Hip-Hop-Jam auch, um diese Jugendkultur zu fördern und den Jugendlichen zu zeigen, dass es Flächen gibt, die legal besprüht werden können“, so Gempe. „Wenn man freie Flächen bietet, hat man auch mit weniger Schmierereien zu rechnen.“

Die Atmosphäre am Samstag kann als ausgesprochen locker, friedlich und freundlich bezeichnet werden. Hierzu trugen neben den zahlreichen freiwilligen Helfern, die für Getränke und Essen sorgten, im Besonderen mehrere DJs und Musiker bei, die auf einer Bühne vor der Unterführung auftraten und Künstler und Publikum unterhielten. Einer von ihnen war der begeisterte Hip-Hopper Rico Montero aus Groß-Gerau: „Hip-Hop und Graffiti gehören zusammen, sie haben gemeinsame Säulen. Sie sind wunderbare Möglichkeiten, sich und sein Lebensgefühl mitzuteilen und künstlerisch auszudrücken.“ Montero ist bei der „Heartbeat Edutainment gUG“ in der Jugendarbeit engagiert und arbeitet eng mit Gempe zusammen.

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