Ist der Einzelhandel gefährdet?

Grüne: Hohe Dichte an Märkten könnten Nahversorgung schaden

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Die Nahversorgungssituation Mörfelden-Walldorfs wurde im Stadtparlament diskutiert. Anlass war die Entscheidung zur Änderung des Bebauungsplans für die Modernisierung eines Einkaufsmarkts.

Aus einer vermeintlich kleinen Bebauungsplanänderung entwickelte sich im Mörfelden-Walldorfer Stadtparlament eine echte Grundsatzdebatte. Die Stadtverordneten sollten eigentlich nur darüber befinden, ob aus dem Bauvorhaben, den Lidl-Markt in der Gerauer Straße im Gewerbegebiet Mörfelden-Süd zu modernisieren (wir berichteten), ein Flurstück ausgegliedert werden kann, das der Betreiber des Markts für seine Umbaupläne nicht benötigt. Doch daraus entstand eine teils hitzige Debatte über die Nahversorgungssituation in der Doppelstadt.

Die Grünen hatten in Person von Bernhard Kinkel kurzfristig

Gesprächsbedarf

zu diesem Tagesordnungspunkt angemeldet. „Wenn Lidl anfängt, sich dort breiter aufzustellen, sehen wir die Gefahr, dass andere Märkte nachziehen. Wir befürchten dort eine hohe Konzentration, die eine erhebliche Konkurrenz zum örtlichen Einzelhandel darstellt“, erklärte er. In der Beschlussvorlage heiße es zwar, eine grundlegende Erweiterung des Warensortiments sei nicht vorgesehen. „Aber wenn der Betreiber seine Verkaufsfläche erweitert, wird er vermutlich auch sein Angebot vergrößern“, so Kinkel. In der Vorlage werde ferner zwar viel über die Parkplatzgestaltung und die Zahl der Stellplätze gesagt, aber kaum etwas über die Anzahl und die Gestaltung der vorgesehenen Fahrradständer. „Der Markt ist für die meisten Bürger aufgrund seiner Lage nicht fußläufig zu erreichen, was eigentlich wünschenswert wäre“, merkte Kinkel an. Gemäß des regionalen Flächennutzungsplans seien außerdem Supermärkte mit einer Fläche von mehr als 1200 Quadratmetern dort nicht zulässig. Darüber werde einfach hinweggegangen.

Steffen Ueberschär (SPD) hielt dem entgegen, dass die Konzentration von Supermärkten in diesem Gebiet bereits bestehe: „Lidl, Penny, Aldi und Tegut sind ja schon da.“ Zentral in den Innenstädten gelegene Märkte seien zwar wünschenswert, aber hierfür seien keine geeigneten Flächen vorhanden. „Mit der Beschlussvorlage verändert sich auf dem Gelände außerdem wenig. Der Markt und der Parkplatz tauschen nur den Standort“, verdeutlichte Ueberschär.

Gerd Schulmeyer, Fraktionsvorsitzender der DKP/Linke Liste, hatte die Gefahr ausgemacht, dass die Discounter versuchen, in dem Gebiet zusätzliche Flächen zu erwerben. „Das ist ein Widerspruch zur Belebung der Innenstädte, ein weiterer Staubsauger, der die Kunden nach draußen zieht und für mehr Verkehr von außerhalb sorgt“, kritisierte er. Sein Parteikollege Dietmar Treber ergänzte: „Innerorts stirbt Laden um Laden. Wir sollten uns mehr um die Nahversorgung in den Innenstädten kümmern und weniger um die großen Märkte.“

CDU-Fraktionschef Jan Körner sah in dem Bauvorhaben hingegen eine Bereicherung. „Es ist doch gut, wenn ein Markt modernisiert wird. Das trägt zur Stadtteilentwicklung bei.“ Es gehe lediglich darum, ein Flurstück aus dem Bebauungsplan herauszunehmen, eine Grundsatzdiskussion sei deshalb nicht angebracht. „Wir werden eine Belebung der Innenstädte nicht erreichen, indem wir den Bebauungsplan verhindern“, mahnte Körner. Carola Freitag (FDP) meinte ebenfalls: „Es ist doch positiv, wenn die Gänge breiter werden, die Regale künftig besser erreichbar sind, die Waren großzügiger angeboten und außerdem noch Toiletten eingerichtet werden.“

Alexander Best, Fraktionschef der SPD, sagte, der Discounter erhalte die Möglichkeit, sich auf der bestehenden Fläche zu verändern und zu modernisieren. Daran sei nichts Verwerfliches. Das gelte auch für etwaige Pläne anderer Märkte, die nun einmal nicht in die Kernstädte ziehen wollten. „Wenn wir den Märkten an den Stadträndern Steine in den Weg legen, ziehen sie vielleicht ganz weg“, bemerkte Best. Auch Eva Schmitz (Freie Wähler) verwies auf die Gefahr einer Abwanderung. Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) vertrat die Meinung, die Verbraucher entschieden darüber, wo sich die Märkte niederlassen. „Und die wollen ein möglichst großes Angebot, bequem mit dem Auto einkaufen und nicht mehr im kleinen Tante-Emma-Laden“, so der Rathauschef.

Die Änderung des Bebauungsplans zur Umgestaltung des Lidl-Markts wurde schließlich mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern, FDP und CDU sowie gegen das Votum von Grünen und DKP/Linke Liste beschlossen.

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