Alexandra Pfeiffer bei ihrem Besuch im Kinderheim in Haiti mit Jemima. fotos: privat
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Alexandra Pfeiffer bei ihrem Besuch im Kinderheim in Haiti mit Jemima. fotos: privat

Mörfelden-Walldorf

Corona trennt Adoptiv-Tochter von Eltern aus Hessen – Privatjet soll sie heimholen 

Haiti hat wegen Corona die Grenzen dicht gemacht. Ein Ehepaar aus Mörfelden-Walldorf (Hessen) muss bangen: Adoptivkind Jemima ist noch dort. 

  • Familie Pfeiffer aus Mörfelden-Walldorf (Hessen) macht eine schwere Zeit durch
  • Adoptiv-Tochter Jemima sitzt wegen Corona auf Haiti fest – die Grenzen sind dicht
  • Bald könnte es mit der Wiedervereinigung klappen – doch das ist kostspielig

Mörfelden-Walldorf – Die Corona-Pandemie trifft viele Menschen hart. Für die Familie Pfeiffer aus Walldorf (Hessen) bedeutet sie eine sehr schmerzhafte Geduldsprobe. So hatten Alexandra und Martin Pfeiffer bereits vor sechs Jahren einen Antrag gestellt, ein Kind aus einem armen Land zu adoptieren, um diesem eine neue Familie und eine gute Lebensperspektive zu geben. Unter Vermittlung der Hilfsorganisation "Help a child" aus Koblenz wurde den Pfeiffers die Adoption von Jemima aus Haiti ermöglicht.

Hessen: Adoptiveltern aus Mörfelden-Walldorf mussten lange kämpfen – dann kam auch noch Corona

"Nach den vielen Jahren hatten wir mit gar keiner Zusage mehr gerechnet", erzählt Alexandra Pfeiffer, die als Koordinatorin für die Berufs- und Studienberatung an der Bertha-von-Suttner-Schule arbeitet. Die Idee für die Adoption hatten vor Jahren Celina und Niclas, die inzwischen volljährigen Kinder der Pfeiffers. Durch die vielen bürokratischen Hürden müssen Adoptiveltern aus Hessen stets viel Geduld aufbringen, bevor sie endlich - wenn überhaupt - eine Zusage erhalten.

Im Januar 2020 lernte das Ehepaar Pfeiffer in einem Kinderheim in Haiti die damals dreieinhalbjährige Jemima kennen. "Als ich sie gesehen habe, war es klar: das ist unsere Tochter", so Alexandra Pfeiffer. Jemima lebt in einem Kinderheim nahe der haitianischen Hauptstadt Porte-au-Prince seit sie zehn Monate alt ist. Ihre noch sehr junge leibliche Mutter, eine arme Händlerin, konnte ihr zweites Kind nicht ernähren. Haiti ist ein von großer wirtschaftlicher Not und von vielen politischen Unruhen geprägtes Land.

Jemima freut sich auf ihre neue Familie in Deutschland.

Paar aus Hessen will Kind aus Haiti zu sich holen – Corona erschwert Adoption 

Das Kennenlernen im Januar war für die Pfeiffers und für Jemima ein unvergessliches Erlebnis. Die Adoptiveltern hielten sich eine Woche lang in Haiti auf und besuchten Jemima drei bis vier Stunden pro Tag im Heim, das sich überwiegend aus Spenden aus Europa finanziert. Es gibt 45 Plätze für Kinder in zehn kleineren Häusern, derzeit sind 36 von ihnen belegt. Die Pfeiffers haben den Kindern des Heims eine große Freude gemacht. So sind die Kleinen von einem Planschbecken und die älteren Kinder von einem Fernseher begeistert - beides hat das Ehepaar gespendet.

Nach langem Warten war es jetzt eigentlich so weit: Jemima sollte endlich nach Hessen ausreisen, denn die Adoption ist inzwischen rechtskräftig. "Nach einer langen Berg- und Talfahrt der Gefühle waren wir überglücklich", sagt Alexandra Pfeiffer. Doch dann sorgte die Corona-Krise für einen Rückschlag für Jemima und ihre Adoptiveltern, denn Haiti machte seine Grenzen dicht. "Es gibt kein Gesundheitssystem, aber Coronafälle", erläutert Alexandra Pfeiffer. Derzeit kommt kaum jemand ins Land hinein oder heraus, es gibt keine Linienflüge mehr. Mit der Unterstützung von "Help a child", der Deutschen Botschaft und dem Auswärtigen Amt versuchen die betroffenen Eltern aus Deutschland zu erreichen, dass ihre Adoptivkinder ausreisen können.

Adoptiveltern aus Hessen durch Corona von Tochter getrennt: „Wir kämpfen“ 

Am 9. Mai konnte ein gecharterter Privatjet abheben. Dieser brachte Hilfslieferungen für Kinderheime nach Haiti und nahm auf dem Rückweg zehn Kinder nach Deutschland mit, die endlich ihre Eltern in die Arme schließen konnten. Die Pfeiffers wünschen sich das so sehr auch für Jemima. "Wir kämpfen an allen Ecken und Enden", so Alexandra Pfeiffer. Bürgermeister Thomas Winkler (Grüne) hat die Mutter kürzlich empfangen und sich von ihrem Engagement beeindruckt gezeigt.

Alexandra Pfeiffer hofft, dass am 20. Juni ein weiterer Privatjet - dessen Chartern kostet die Eltern rund 120 000 Euro - mit Jemima und weiteren betroffenen Kindern in Haiti abhebt und auf dem Flughafen Köln/Bonn landet. Berührt ist das Ehepaar aus Hessen vom Rückhalt von Freunden, Kollegen und Fremden, die durch emotionalen Beistand und diverse Kleinspenden den betroffenen Eltern und den Adoptivkindern helfen wollen. Besonders großzügig waren die Emag AG und die Stiftung "Hoffnung für Kinder" der Volksbank Darmstadt-Südhessen eG, die jeweils 1000 Euro gespendet haben. "Wir würden uns so freuen, Jemima bald in die Arme zu schließen", betont Alexandra Pfeiffer. (Von Alexander Koch)

Nach den Corona-Lockerungen in Hessen folgt jetzt wieder ein Verbot angesichts des Coronavirus. In Hessen wurde ein Corona-Beherbergungsverbot für folgende Risikogebiete und -regionen getroffen.

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