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Giovanna Müller (li.) und Christine Meder haben den Streik initiiert.

Kita-Streik

Jetzt demonstrieren die Eltern

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Mit Protestplakaten standen Eltern und Kinder vor dem Rathaus. Stadtrat und Stadtkitabeirat meldeten sich zu Wort.

„Ich will in meine Kita“, steht auf einem Plakat, das ein kleiner Junge trägt. „Der Streik wird auf den Rücken der Eltern ausgetragen“, ist auf einem anderen Transparent zu lesen, welches eine Mutter hochhält. Und ein Vater fordert: „Keine Leistung ohne Gegenleistung“.

Dieses Bild bot sich am gestrigen Morgen vor dem Rathaus in Walldorf, dem Sitz des Sozialdezernenten und Ersten Stadtrates Franz-Rudolf (Grüne) Urhahn. Dieser erwartete schon die angekündigten Demonstranten. Eltern mit ihren Kindern wollten ihren Unmut Luft machen über den nun schon drei Wochen andauernden Streik des Personals in den kommunalen Kindertagesstätten. „Wir wollen rein in das Rathaus und nicht wie Abgewiesene hier vor der Tür stehen und diskutieren“, forderte Giovanna Müller, die zusammen mit Christine Meder diese Spontanaktion organisiert hatte. Beide haben zwei Kinder und wissen aus eigener Erfahrung um die Problematik des Kita-Streiks.

„Ich bin eigentlich keine Rudelführerin, aber diese Situation kann so nicht länger bleiben, nicht nur meine Möglichkeiten, die Kinder irgendwie zu betreuen, sind erschöpft“, betont Meder. Wie viele der betroffenen Eltern arbeitet sie in einem kleinen Betrieb, und das Verständnis des Arbeitgebers hat die Grenze erreicht. Und Müller, die als Medizinisch-technische Assistentin arbeitet, sagt: „Ich kann das nachvollziehen, denn auch bei mir geht mein Fehlen zulasten der Kolleginnen und dann auf den ganzen Ablauf in der Praxis“, betont auch Müller, die als arbeitet.

Bekanntlich streiken die Erzieherinnen in den öffentlichen Kindertagesstätten für mehr Gehalt, sie wollen von der Gehaltsgruppe S 6 in die Gehaltsgruppe S 8 umgruppiert werden. Nun zahlt die Stadt schon nach S 8, dennoch streiken hier die Erzieherinnen. „Ich kann das überhaupt nicht verstehen, warum die hier streiken“, so eine erboste Mutter. Eine weitere Forderung der Eltern, neben dem sofortigen Stopp des Streiks ist eine Rückerstattung der Kitagebühren für den Zeitraum der Streikdauer. „Damit könnten wir unsere Zusatzkosten für die Kinderbetreuung wenigstens teilweise begleichen“, erklärt Müller.

Urhahn musste den protestierenden Eltern mitteilen, dass beide Forderungen nicht in seiner Macht liegen. „Der Streik wird von der Gewerkschaft betrieben und eine Rückerstattung wäre nur über eine Satzungsänderung der Gebührenordnung möglich“, so Urhahn. Auch für die Forderung der Eltern, die Stadt möge endlich etwas tun und sich bei den höheren Gremien für eine Beendigung des Streiks einsetzen, sah Urhahn nur geringe Chancen. „Uns bleibt nur die Möglichkeit, die Auswirkungen des Streiks soweit als möglich abzufedern, indem wir Notfallbetreuung organisieren – und hier haben wir alles, was möglich ist, getan“, betonte der Sozialdezernent. Er verwies darauf, dass alle Gesuche von Eltern nach einer Notfallbetreuung „abgearbeitet“ wurden und am Montag eine weitere Kita dafür geöffnet werde.

Auch der Stadtkitabeirat meldet sich zu Wort. Sophie Schmauß, die erste Vorsitzende des Stadtkitabeirates Mörfelden-Walldorf, fordert die Gewerkschaft auf, unverzüglich und mit Abschlusswillen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Weiter möchte Schmauß wissen, wieso in Mörfelden-Walldorf gestreikt wird, da die Erzieherinnen seit 2012 ohnehin schon nach S 8 bezahlt werden. Urhahn indes rechnet noch mit zwei weiteren Streikwochen.

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