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Mirko Drotschmann

Fake News & Hate Speech

Journalist hält Vortrag über die negativen Seiten der sozialen Medien

Das Internet bietet vielfältige Chancen. Neben vielen positiven Aspekten sind die Verbreitung von "Fake News" und "Hatespeech" leider negative Kehrseiten, über die "MrWissen2Go" im JuKuZ Mörfelden aufklärte.

Die Jugendförderung der Stadt Mörfelden-Walldorf bietet regelmäßig bei freiem Eintritt Fachveranstaltungen für Themen mit gesellschaftlicher Relevanz an. So war es auch am Freitagabend im Jugend- und Kulturzentrum (JuKuZ) Mörfelden. Mit dem Journalisten Mirko Drotschmann konnte ein Experte für das Thema des Abends gewonnen werden: „Fake News“ und „Hatespeech“ im Bereich „Social Media“.

Drotschmann konnte sehr anschaulich aus der Praxis erzählen. Der Journalist ist unter anderem für verschiedene Formate der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten tätig. Besser bekannt ist er vielen aber unter seinem Namen als YouTuber: „MrWissen2Go“. „Ich habe auf YouTube mal mit einem Video über Ludwig XIV. angefangen“, so der geschichtsbegeisterte Drotschmann. Doch Zuschauer ermunterten ihn, sich auch mit der politischen und gesellschaftlichen Aktualität zu befassen. Bei allem Interesse an Geschichte wäre es ohne diesen Schritt wohl undenkbar, dass heute rund 820 000 Menschen den YouTube-Kanal von „MrWissen2Go“ abonniert haben.

Positive Reaktionen

Drotschmanns Ziel ist es, Wissen – besonders aus Politik und Geschichte – anschaulich, prägnant und gleichzeitig sachgerecht zu vermitteln. Sein kontinuierlicher Erfolg spricht klar dafür, dass ihm diese Verbindung gelingt: „Etwa 95 Prozent der User-Reaktionen sind positiv.“

Im Mittelpunkt der Veranstaltung im JuKuZ standen allerdings die anderen 5 Prozent. Manche User schrecken nicht mal vor Drohungen gegen die Familie des YouTubers zurück und scheinen im Schutz der Anonymität des Internet keinerlei Schamgrenzen mehr zu kennen. „MrWissen2Go“ betonte: „Das ist die Ausnahme, nicht die Regel.“ Trotzdem sei das für viele YouTuber schwer zu verkraften. Er habe weitgehend gelernt, damit umzugehen. Straftatbestände wie Volksverhetzung – beispielsweise kann es gerade nach Videos zum Thema Flucht heftig werden – würden von ihm konsequent gelöscht. Dazu sei er als Betreiber eines YouTube-Kanals rechtlich verpflichtet.

Beleidigungen gegen seine Person oder unsachliche Kommentare lasse er jedoch im Regelfall stehen. Er reagiert aber regelmäßig darauf, ebenso seine treuen Abonnenten: „Fake News darf man nämlich nie unwidersprochen stehen lassen.“ In den meisten Fällen sei es ausreichend, die Verbreiter falscher Nachrichten nach ihren Quellen zu fragen. Darauf erfolge meistens keine Antwort mehr.

Stimmungsmache

Darüber hinaus erläuterte Drotschmann, wie viele Videos und Beiträge in den sozialen Medien, auch auf YouTube, in einen falschen Kontext gestellt würden und so Stimmung gegen Personen oder Menschengruppen gemacht werde. Hierbei empfahl „MrWissen2Go“ seinem Publikum die „Bilder-Rückwärtssuche“ über Google. Hierzu zeigte er konkrete Beispiele.

Bereits während seines Vortrags stellte sich Drotschmann den Fragen des Publikums, eine lebendige Diskussion entstand. Bei allem Spaß an YouTube: Drotschmann machte deutlich, dass nur ein Bruchteil der YouTuber dies beruflich machen könne: „Das ist ähnlich wie bei Fußballern.“ „MrWissen2Go“ erläuterte auch, wie viel Arbeit in seinen Videos steckt. Vor allem Vorbereitung, Recherche – zwei voneinander unabhängige Quellen sucht der Journalist stets als Beleg – und die Reaktion auf unsachliche User-Kommentare würden viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ähnlich wie bei YouTube insgesamt sei sein Publikum überwiegend männlich, etwa 60 Prozent. Die meisten Abonnenten seien zwischen 18 und 34 Jahren alt, doch steige der Anteil der Über-35-Jährigen an. Meistens mittwochs um 14.30 Uhr lädt „MrWissen2Go“ seine Videos hoch: „In 70 Prozent der Fälle greife ich Zuschauerwünsche auf.“ Über die Hälfte seiner Zuschauer bleibe bis zum Ende am Video dran – bei YouTube ein überdurchschnittlicher Wert.

Alexander Koch

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