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War der Junge der neuen Beziehung im Weg?

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Von: Walter Scheele

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Der Prozess um den toten Zweijährigen aus Mörfelden wirft weiter viele Fragen auf. Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten wollen nichts von Gewalt gegen den Jungen gewusst haben.

Es war totenstill im Zuhörerraum des Schwurgerichts in Darmstadt. Rettungsassistenten berichteten gestern, wie sie einen bewusstlosen zweijährigen Jungen in der Wohnung seiner Mutter (damals 19) gefunden hatten. Ebenfalls anwesend: ihr damals 31-jähriger Liebhaber. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge muss er sich seit Freitag vor Gericht verantworten (wir berichteten).

Noch zweieinhalb Jahre später von ihren Gefühlen beim Eintreffen am Ort des furchtbaren Geschehens in Mörfelden überwältigt, berichtete die Besatzung des Rettungswagens, wie sie das leblose Kind im Wohnzimmer der jungen Frau vorfand. Tief bewusstlos, das Herz stand bereits still, der kleine Körper übersäht von alten und neuen blauen Flecken, Gesicht und Kopf dick geschwollen.

So lag der Bub zwei Tage nach seinem Geburtstag vor den Kummer gewohnten Helfern. Sie begannen sofort mit der Wiederbelebung, schafften den kleinen Körper mit Höchstgeschwindigkeit in die Uni-Klinik in Frankfurt. Dort wurde schreckliche Gewissheit, was die Sanitäter befürchtet hatten: keine Überlebenschance.

Deutliche Bissspuren

Das Leben des als fröhlich geschilderten Jungen war zu Ende, bevor es richtig begonnen hatte. Von der Familie des Vaters, mit dem die 19-Jährige bei der Geburt nicht mehr liiert war, hatte keiner etwas vom Martyrium des Kindes bemerkt, sagten sie unisono am Freitag und gestern aus. Die Mutter der jungen Frau hatte schon am Freitag eine schlimme Befürchtung wiederholt, die sie auch bei der Rüsselsheimer Kripo zu Protokoll gegeben hatte: „Vielleicht war der Kleine der neuen Beziehung seiner Mutter im Weg.“

Die Ermittlungen gegen die Mutter, schon bei der Einlieferung des Kindes in die Uni-Klinik war der Verdacht gegen sie aufgekommen, verliefen im Sand. Weder belastete sie ihren damaligen Liebhaber, noch der sie. Falls es Verteidiger Ulrich Endres gelingt, die Anklage gegen seinen Mandanten ins Wackeln zu bringen, bleibt der Tod des Zweijährigen ungesühnt. Zwar wies der kleine Körper außer den blauen Flecken auch deutliche Bissspuren auf, doch wollte sich niemand aus dem Umfeld des Angeklagten dazu äußern. Die Mutter des Zweijährigen räumte allerdings Liebesspiele mit dem damals 31-Jährigen ein, bei denen es auch Bisse und Schläge gegeben habe. Doch am Kind habe man sich nicht vergriffen.

Nie darüber geredet

Auch ihre Cousine will von blauen Flecken am Körper des Jungen nichts bemerkt haben. Obwohl der kleine Bub mit ihren Kindern gespielt und sie ihn gelegentlich gewindelt habe, sei von ihr kein Hinweis auf Gewalt festgestellt worden. Der Kleine sei nur ein wenig tollpatschig gewesen und öfter mal gegen eine Tür gelaufen, meinte sie. Vom Vorsitzenden Richter Volker Wagner mehrfach auf ihre Wahrheitspflicht hingewiesen, behauptete sie nachdrücklich, ihre Cousine habe den Zweijährigen nie angeschrien. Dazu habe sie viel zu viel Angst um ihn gehabt. Obwohl sie nach dem schrecklichen Tod ihres Sohnes zwei Wochen bei ihr gelebt habe, hätten sie nie über den Tod des Kindes geredet.

Fortsetzung heute

Heute, Dienstag, sollen die Ärzte der Uni-Klinik als Sachverständige vor Gericht gehört werden.

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