DKP-Mitglied Rudi Hechler fand bei der Trauerfeier starke Worte für Leo Spahn, der mit 66 Jahren gestorben ist.
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DKP-Mitglied Rudi Hechler fand bei der Trauerfeier starke Worte für Leo Spahn, der mit 66 Jahren gestorben ist.

Kampf für das Gute beendet

  • VonCarmen Erlenbach
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Leo Spahn wurde nur 66 Jahre alt. In einer Gedenkfeier wurde er nun offiziell von seinen politischen Weggefährten verabschiedet.

Mit Leo Spahn hat die DKP/Linke Liste einen engagierten Mitstreiter und guten Freund verloren. Zunächst benötige es eine ganze Zeit, um zu begreifen, dass jemand für immer weg sei. „Leo war bei allem, was er tat, ein Realist. Ein Steinbock eben“, so seine Witwe Alla Schmidt-Spahn bei der Trauerfeier für ihren Mann am Samstag im Bürgerhaus in Mörfelden. Rund 100 Gäste waren gekommen, um Leo Spahn, der am 3. August starb, zu gedenken.

„Als er arbeitslos war, hat er sich viele Gedanken gemacht“, so die Witwe. Manchmal habe er unrealistische Maßstäbe angelegt, aber viele Sachen organisiert und geplant. Er sei voller Ideen gewesen und wollte sie stets realisieren, bis vier Wochen vor seinem Tod im Haus Weingarten in Kelsterbach.

Rudi Hechler von der DKP Mörfelden-Walldorf hielt an der Urne die Trauerrede. Im Februar sei mit der Planung der Veranstaltung „Das Lied der Moorsoldaten“ am 14. Oktober um 20 Uhr im Bürgerhaus Mörfelden begonnen worden. Spahn habe damals geschrieben „Ich hoffe, wir leben dann noch.“ Hechler warf die Frage auf, ob Spahn vielleicht schon etwas geahnt habe.

Weg des Suchens

Wenn der Tod in eine Familie greife, herrsche zunächst Erschrecken und Schmerz – aber auch Nachdenklichkeit, so Hechler. Es sei spürbar, dass der Tod eine Erlösung sein könne. Darin liege Trost für Angehörige und Freunde. Gewiss sei Leo Spahns schwere Krankheit bekannt gewesen, doch die Nachricht von seinem Tod habe alle tief erschreckt, so Hechler weiter.

Leo Spahn wurde im Januar 1949 geboren und von seinem Vater Johann Spahn politisch geprägt. Der Vater hatte als KPD-Kommunalpolitiker die Nachkriegsgeschichte von Kelsterbach politisch mitgestaltet. Der politische Lebensweg von Leo Spahn sei ein Weg des Suchens gewesen.

Er trat 1968 in die SPD ein, Willy Brandt habe ihn stark beeindruckt. Zehn Jahre später verließ er die SPD nach dem Nato-Doppelbeschluss. Über die Grünen sei er zur Links-Partei gekommen. Er habe mit anderen die Protestbewegung gegen den Bau der Startbahn 18 West ins Leben gerufen. Ihm ging es wie vielen anderen. „Der ständige Flughafen-Ausbau lässt uns nicht mehr los. Wir kennen Niederlagen und wir kennen Erfolge. Die Nachtruhe von 23 bis 5 Uhr früh ist ein Erfolg des politischen Drucks, den die Flughafen-Ausbaugegner entwickelt haben. Aber wir sagen auch: das reicht nicht und wir bleiben bei unseren Forderungen.“

„Gewaltig aber gewaltfrei“

Die Breite und Vielfalt der Bewegung habe Leo Spahn laut Hechler geprägt – und die Hoffnung, dass da mehr sei – Selbstbestimmung und mehr Demokratie, Mitmenschlichkeit und Umweltbewusstsein. „Leo war erst 66 Jahre alt, aber seine Erinnerungen an Details des großen Kampfes konnte er stets abrufen.“

In der heißen Phase der Auseinandersetzungen zu Beginn der 1980er Jahre war Spahn eine Integrationsfigur der Bürgerinitiative gegen die Flughafenerweiterung. Mit seinem entschiedenen Eintreten für das Motto „gewaltig aber gewaltfrei“ habe er wesentlich dazu beigetragen, dass aus der Antistartbahnbewegung eine bis dahin in Deutschland nicht gekannte Bürgerbewegung geworden sei, lobt Hechler das Engagement des Verstorbenen. Spahn sei stets Wegbegleiter des Protests gegen die Flughafenerweiterung gewesen – erst recht nach der Entwicklung des neuen Bündnisses der Bürgerinitiativen Ende der 1990er Jahre.

Leo Spahn war aktiv im Verein 1. FC Viktoria in Kelsterbach und wichtiges Mitglieder der Wählerinitiative Kelsterbach. Selbst als er älter wurde, habe er mit einer Gehhilfe Demonstrationen für den Wald und für ein Nachtflugverbot begleitet. Sein Engagement für die „Linke Runde“ sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen. „Er hatte Erfahrung, Wissen, Lebensweisheit.“ Spahn habe sich stets für eine gute Welt eingesetzt.

Die letzten Monate vor seinem Tod waren von schwerer Krankheit geprägt. Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) und Peter Ortler, Kreisvorsitzender der Linken, würdigten ihn als aktiven Kommunalpolitiker, der sich auch für die „FairTrade Stadt“ eingesetzt habe.

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