1. Startseite
  2. Region
  3. Kreis Groß-Gerau
  4. Mörfelden-Walldorf

Er malt sich seine eigene Welt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bereits als Kind begeisterte Hans-Dieter Gaul die Kunstlehrer. Jetzt, da er im Rentenalter angekommen ist, ist er wieder intensiv in die Malerei eingestiegen. Anregungen für diese „wunderbare Beschäftigung“ findet er in Urlaubsmotiven, aber er lässt sich auch von Bildern in Zeitschriften und dem Internet inspirieren. Nun sind seine Arbeiten auch in Ausstellungen zu bewundern.

Seine Markenzeichen sind Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Was er macht, das macht er sehr gut. Das weiß er. Dennoch sind ihm Arroganz und Überheblichkeit stets fremd geblieben. Hans-Dieter Gaul ist willensstark, fürsorglich und zuverlässig. Diese Charaktereigenschaften des Künstlers kommen auch in seinen Werken zum Ausdruck.

Rasch brüht der 69-Jährige einen Kaffee. Auf Fragen reagiert der technische Angestellte und jetzige Rentner prompt. Bedenkzeit benötigt er nicht. Hinter einer Brille mit dunklem Gestell lässt gelegentlich der Schalk seine grau-blauen Augen aufblitzen. Der Vater zweier erwachsener Töchter zog vor zweieinhalb Jahren von Walldorf nach Mörfelden. Er kam in Erfurt zur Welt, kam als Kind vor dem Bau der Mauer nach Berlin, später unter anderem nach Wetzlar, Braunfels und Frankfurt. Als Bauleiter war er stets auf Achse.

Nach dem Umzug nach Mörfelden sah eine Nachbarin Gauls Bilder – und animierte ihn, sich als Gastaussteller der Hobbykünstlervereinigung um eine Präsentationsmöglichkeit im Advent vergangenen Jahres zu bemühen. So kam es. Dort zeigte er einige seiner Gemälde erstmals im Bürgerhaus. Gerne nimmt er auch dieses Jahr wieder teil, ohne sich jedoch dem Verein anschließen zu wollen. „Ich war ein Leben lang Arbeitnehmer und musste das tun, was andere sagten. Das will ich jetzt nicht mehr. Ich liebe meine Unabhängigkeit.“ So kommt es, dass sich Gaul auch künftig mehr auf Einzel- denn auf Gruppenausstellungen besinnt.

In Kunst eine Eins

Doch was steckt hinter dem Künstler und seiner Geschichte? Bereits als Kind begeisterten er und seine Schwester die Kunstlehrer in der Schule. Einer meinte: „Die haben ja gar keine Angst vor Farben.“ Kunst war neben allem Gestalterischen und handwerklichen Aufgaben stets sein Lieblingsfach. „Ich hatte immer eine Eins.“

In Gauls Familie gab es einige namhafte Berliner Künstler. Das Talent zum Malen und Zeichnen jedoch sei ein Erbstück seines Vaters. Malen sei eine wunderbare Beschäftigung. Den Autodidakten reizt es zu gestalten. „Ich male meine eigene Welt.“

Dass er mit dem Eintritt ins Rentnerdasein 2013 noch intensiver als einst in die Malerei einstieg, „um nicht in ein Loch zu fallen“, hat er einem ehemaligen Kollegen zu verdanken, der in Frankreich Kunst studiert hatte. Unterstützt wurde Gaul dabei von seiner Schwester, der anerkannten Brenzlauer Künstlerin Gabriele Kohpeiß. „Sie hat mich gepuscht“, lacht Gaul übers ganze Gesicht. Sie sieht ihren Bruder von allen bisherigen Künstlern in der Familie als den Landschaftsmaler schlechthin.

In dieser Anfangszeit widmete sich der Rentner mit Acrylfarben einem aufwendigen und diffizilen abstrakt-naiven Stil mit beinahe kindlichen Motiven. Dabei kehrt ein Punktmuster immer wieder, das an die Bemalung von handgetöpferter Keramik erinnert.

Rauputz und Sand

Gaul zeichnet auch und widmet sich auch der Aquarellmalerei. Das jedoch nur im Urlaub, wenn er auf Papier Entwürfe für seine späteren Arbeiten anfertigt. Er lässt sich von Urlaubsmotiven, aber auch selbst aufgenommenen Naturaufnahmen, von Bildern in Zeitschriften sowie im Internet zu seinen Bildern anregen. Früher malte Gaul auch in Öl, doch das war ihm wegen langer Trocknungszeiten auf Dauer zu umständlich.

Neben herrlichen Motiven wie Wäldern zur Sommerzeit sowie vereisten und verschneiten Landschaften im Winter hat Gaul begonnen, sich auch mit der Porträtmalerei zu beschäftigen. Fachliteratur hat er sich bereits angeschafft, um sich das dafür erforderliche Wissen selbst anzueignen.

Mal verarbeitet der einstige Maurer Rauputz oder auch Sand als Hingucker in seinen Werken – wie bei einem in warmen Erdtönen gehaltenen Tanzpaar. Mal sind es farbenfrohe Trilogien als Erinnerung an einen Urlaub in Spanien, mal ähnlich einem Aquarell angelegte Erinnerungen an Griechenland. Als Untergrund dienen nicht nur Leinwände, sondern auch Holzplatten.

Für dieses Jahr plant Gaul eine Open-Air-Ausstellung mit etwa 25 Arbeiten in seinem Garten. Vorher absolviert er jedoch in der Stadtbücherei in Offenbach in der Herrnstraße 59-84 eine Einzelausstellung. Sie dauert vom 4. bis 25. April.

Neben der Malerei im eigenen Atelier mit zwei Zimmern zählen Kochen, der Garten und das Lesen zu Gauls Hobbys. Sobald es draußen wärmer wird, zeigt er sich auch wieder auf seiner Terrasse oder unter einer Laube beim Malen.

(mapa)

Auch interessant

Kommentare