+
Auf dem städtischen Grundstück in der Siemensstraße/Raiffeisenstraße in Mörfelden sollen die Wohncontainer aufgestellt werden.

Wohnanlage

Stadt Mörfelden-Walldorf plant eine Unterkunft für Obdachlose

Die Anzahl der Obdachlosen im Rhein-Main-Gebiet nimmt zu, das gilt auch für Mörfelden-Walldorf. Derzeit plant die Stadt deshalb eine neue Obdachlosenunterkunft im Gewerbegebiet Mörfelden Süd.

Mörfelden-Walldorf - Noch vor wenigen Jahren musste die Stadt Mörfelden-Walldorf weniger als 40 von Obdachlosigkeit betroffene Menschen in Einrichtungen der Kommune unterbringen. Doch ist die Zahl seither deutlich angestiegen. Laut dem Ersten Stadtrat Burkhard Ziegler (Freie Wähler) sind es in der Doppelstadt inzwischen mehr als 130 Personen. Darüber hinaus habe sich auch die Altersstruktur erheblich verändert, so seien immer mehr Kinder betroffen. Diese haben meistens zusammen mit ihren Eltern ihre bisherige Wohnung verloren. Es sei enorm schwer, eine neue zu finden, sofern negative Schufa-Einträge vorliegen würden.

Mietpreisdruck

Die im Rhein-Main-Gebiet zunehmende Obdachlosigkeit sei Teil eines größeren Problems: Der allgemeinen Wohnungsnot im näheren und erweiterten Ballungsraum von Frankfurt. Der anhaltende Zuzug ins wirtschaftlich prosperierende Rhein-Main-Gebiet erhöhe stetig den Mietpreisdruck. Auch viele Normalverdiener hätten daher inzwischen Schwierigkeiten, noch eine bezahlbare Wohnung zu finden. Zunehmende Obdachlosigkeit sei eine besonders negative Folge dieser Entwicklung.

Gegen die allgemeine Wohnungsnot versucht die Stadt Mörfelden-Walldorf auf mehreren Wegen gegenzusteuern. So entstehen derzeit im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus insgesamt 39 Wohnungen in der Straße „Am Schlichter“ sowie am Festplatz in Mörfelden. Zudem unterstützt die Stadt die kreisweite Initiative „Wir brauchen dein Vitamin B“, mit deren Hilfe Menschen eine Wohnung finden sollen, die auf dem normalen Wohnungsmarkt kaum oder gar keine Chance haben. Zudem wurde in der Stadtverwaltung mit einer „Kriseninterventionskraft“ eine neue Stelle geschaffen. Diese soll dazu beitragen, Obdachlosen zu helfen und Menschen mit Problemen präventiv zu unterstützen, um in solchen Fällen den Verlust der Wohnung zu vermeiden.

Zwar kann Mörfelden-Walldorf derzeit alle von Obdachlosigkeit Betroffenen in Unterkünften unterbringen. Doch stellte die Schließung des Hotels Albatros im Dezember 2018 die Stadt vor eine Herausforderung. So waren 40 dort untergebrachte anerkannte Flüchtlinge kurzfristig in städtischen Unterkünften als Obdachlose zu versorgen. Im Rahmen der Familienzusammenführung müssen zudem Plätze für Angehörige der anerkannten Flüchtlinge bereitgestellt werden. Aus diesen verschiedenen Gründen seien daher derzeit alle städtischen Obdachlosenunterkünfte maximal belegt.

Keine Entlastung

Über den Wohnungsmarkt finde im Regelfall keine Entlastung der angespannten Lage statt. Daher steige in den Unterkünften auch die Verweildauer. Deshalb müssen laut einer aktuellen Vorlage des Magistrats, die den Stadtverordneten vorliegt, dringend neue Kapazitäten geschaffen werden. Der Magistrat bittet aus diesem Grund die Stadtverordnetenversammlung um folgenden Beschluss: „Zur Unterbringung von Obdachlosen sowie von anerkannten geflüchteten Familien und Personen errichtet die Stadt Mörfelden-Walldorf auf dem städtischen Grundstück Siemensstraße/Raiffeisenstraße eine Wohnanlage in Systembauweise.“ Die Unterkunft könnte mit bis zu 32 Personen belegt werden. Das hängt davon ab, wie viele Familien oder Einzelpersonen dort untergebracht werden.

Laut Vorlage beteiligt sich das Jobcenter des Kreises an den Unterbringungskosten. So wird von einer durchschnittlichen Kostenübernahme in Höhe von rund 84 000 Euro pro Jahr ausgegangen. Die Gesamtkosten zur Herrichtung und Erschließung des Grundstücks, zur Lieferung, der Montage und dem Innenausbau der Container sowie der Herstellung der Außenanlagen würden sich auf insgesamt rund 824 000 Euro belaufen. Die Drucksache wird ab der kommenden Woche in den parlamentarischen Gremien beraten. Abschließend soll am 19. Februar die Stadtverordnetenversammlung einen Grundsatzbeschluss für den Kauf der Wohncontainer fassen.

von Alexander Koch

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare