Bernhard Brehl hatte sich vorgenommen, auch nach seinem Ruhestand aktiv zu bleiben - nicht nur im Garten, sondern auch im Kreistag in Groß-Gerau. Nun ist er im Alter von 78 Jahren gestorben. archivfoto: erlenbach
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Bernhard Brehl hatte sich vorgenommen, auch nach seinem Ruhestand aktiv zu bleiben - nicht nur im Garten, sondern auch im Kreistag in Groß-Gerau. Nun ist er im Alter von 78 Jahren gestorben. archivfoto: erlenbach

Trauer

Mörfelden-Walldorf: Bernhard Brehl ist im Alter von 78 Jahren gestorben

Ehemaliger Bürgermeister hat über Jahrzehnte die Stadt geprägt

"Bürgermeister ist mein Leben." Diese Worte von Bernhard Brehl (SPD), der am Montag im Alter von 78 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben ist, sind seinem langjährigen politischen Weggefährten Heinz-Peter Becker (SPD) unvergesslich. In einem Gespräch mit dieser Zeitung erinnerte er sich an Bernhard Brehl zurück, mit dem er über viele Jahrzehnte gemeinsam in der Kommunalpolitik aktiv war. Heinz-Peter Becker trat schließlich 2007 auch die Nachfolge Bernhard Brehls als Bürgermeister an, der rund 30 Jahre lang die Geschicke von Mörfelden-Walldorf maßgeblich geprägt hat. In der langen Amtszeit Brehls gab es so viele wichtige Ereignisse und Projekte, dass diese wohl dicke Bücher füllen könnten.

Dass Bernhard Brehl mal über Jahrzehnte die Stadt Mörfelden-Walldorf als Bürgermeister prägen würde, das war ihm keineswegs in die Wiege gelegt worden. Er wurde 1941 in Fulda geboren und wuchs in der Rhön auf. Nach der Realschule in Fulda absolvierte er dort erfolgreich eine Verwaltungslehre. Brehl ging nach Frankfurt, wo er über viele Jahre in der Stadtverwaltung arbeitete und bis zum Magistratsoberrat aufstieg. Zudem hatte er sich weitergebildet und in Mainz 1971 ein Verwaltungsdiplom erlangt.

Nachdem der spätere Bürgermeister zunächst von Fulda nach Frankfurt gependelt war, sah er sich schließlich nach einem Wohnort nahe der Mainmetropole um. Zudem hatte er in Südhessen seine spätere Ehefrau Ursula kennengelernt. Das Paar zog aus familiären Gründen nach Mörfelden, wo bereits die Schwiegereltern wohnten.

Der politisch stets hochinteressierte Brehl war 1966 der SPD beigetreten. Er wollte sich gerne an seinem Wohnort politisch engagieren - der Beginn einer beeindruckenden kommunalpolitischen Karriere. Er wurde von 1972 bis 1976 Stadtverordneter in Mörfelden. Hierbei führte er die SPD-Fraktion als Vorsitzender an. Nach dem Tod von Bürgermeister Kurt Bachmann (SPD) 1975 wurde Bernhard Brehl 1976 zum neuen Bürgermeister von Mörfelden gewählt. Die Stadt befand sich im Prozess der Gebietsreform und stand kurz vor der Fusion mit Walldorf, die schließlich 1977 vollzogen wurde. In der neuen Doppelstadt wurde Bernhard Brehl neuer Bürgermeister, Walldorfs Bürgermeister Wilhelm Jourdan (SPD) wurde Erster Stadtrat.

Große Beliebtheit erarbeitet

Zunächst galt es, Spannungen zwischen Mörfelden und Walldorf abzubauen. In Walldorf hatte Brehl zunächst keinen leichten Stand, aber im Verlauf seiner langen Amtszeit sollte er sich auch hier eine große Beliebtheit erarbeiten. "Viele Bürger sagten Bernhard zu ihm", erinnert sich Heinz-Peter Becker zurück. Bernhard Brehl sei volksnah gewesen, aber er habe den Menschen nicht nach dem Mund geredet. Zudem sei er sehr hilfsbereit gewesen, wenn Menschen in Not waren.

Das Bürgermeisteramt füllte er mit vollem Elan und viel Herzblut aus, seine Ehefrau Ursula und seine Töchter Heike und Judith sahen ihn eher selten. Zudem war Brehl in kommunalen Spitzenverbänden und auch im Kreistag aktiv. Als Großvater hatte er für seine Enkelin Sarah-Lena mehr Zeit, die er sich gerne nahm.

Das schwierige Zusammenwachsen von Mörfelden und Walldorf wurde bald von einem anderen Thema überlagert - der Startbahn West. Diese wollten die Bewohner beider Stadtteile gemeinsam verhindern. Ihr Bürgermeister kämpfte entschlossen für die Interessen Mörfelden-Walldorfs und damit gegen den Bau der Startbahn - letzten Endes vergeblich. Neben diesem vergeblichen Kampf konnte sich Bernhard Brehl in seinem politischen Leben aber meistens durchsetzen. Vor Ort förderte er mit Erfolg kontinuierlich den sozialen Wohnungsbau und von den 1990er-Jahren an auch - vor vielen Bürgermeistern anderer Kommunen - erneuerbare Energien. Das Gewerbegebiet Mörfelden-Ost wurde erweitert, viele Gewerbeansiedlungen folgten. Das Waldschwimmbad konnte erneuert und um viele Attraktionen bereichert werden. Die Kinderbetreuung wurde massiv ausgebaut. Das geschaffene Altenhilfezentrum (AHZ) hatte auch für andere Kommunen Vorbildcharakter.

"Sehr am Herzen lagen ihm die Städtepartnerschaften und die Erinnerungsarbeit", so Heinz-Peter Becker. Für seinen langjährigen Einsatz für die Margit-Horváth-Stiftung erhielt Bernhard Brehl 2012 auch das Bundesverdienstkreuz. Zur Annahme musste ihn Arno Lustiger überreden. Brehl erhielt außerdem zahlreiche andere Auszeichnungen. Zum Beispiel wurde er 2008 zum Ehrenbürgermeister der Doppelstadt ernannt. "In den vielen Jahren seiner Amtszeit als Bürgermeister hat Bernhard Brehl sehr viel erreicht und dabei stets neue Akzente gesetzt", würdigt ihn sein Nachfolger Heinz-Peter Becker.

Der Termin der Trauerfeier ist noch nicht bekannt. Von Alexander Koch

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