Im Corona-Haus in Mörfelden-Walldorf soll es häufig zu Verstößen gegen Corona-Auflagen kommen. (Symbolbild)
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Im Corona-Haus in Mörfelden-Walldorf soll es häufig zu Verstößen gegen Corona-Auflagen kommen. (Symbolbild)

Coronavirus

Sorge um Corona-Haus in Mörfelden-Walldorf: 19 Infektionen in Unterkunft für Arbeiter

  • vonUwe Grünheid
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Immer wieder soll es in Mörfelden-Walldorf Verstöße gegen Corona-Auflagen geben. Bisher gibt es keine Präventivmaßnahmen.

  • In Mörfelden-Walldorf machen sich Anwohner Sorgen
  • Die Bewohner einer Unterkunft sollen gegen Corona-Auflagen verstoßen
  • In dem Gebäude leben Menschen auf engstem Raum zusammen

Mörfelden-Walldorf - Klaus Kemmler ist entsetzt und verärgert über das, was sich seit geraumer Zeit tagtäglich quasi vor seine Haustür abspielt: In einem Anwesen in der Rüsselsheimer Straße in Mörfelden, bestehend aus Vorder- und Hinterhaus, sind polnische Bauarbeiter untergebracht, die sich an keinerlei der Verhaltensregeln in Corona-Zeiten halten: im Freien grillen, dabei Alkohol konsumieren und auch samstagmorgens ohne Mundschutz zum Wochenmarkt gehen. Dafür fehle ihm jedes Verständnis, so Kemmler. Seinen Informationen zufolge seien es 12 bis 18 Coronafälle, die im Hinterhaus gezählt worden seien.

Fast 20 Corona-Fälle in Unterkunft in Mörfelden-Walldorf

Genau weiß es des Kreisgesundheitsamts: Insgesamt habe es 19 betroffene Personen gegeben, von denen 10 bereits wieder genesen seien. Sieben weitere sollten gestern aus der Quarantäne entlassen werden und gelten somit auch als genesen, wenn sie beschwerdefrei sind, so das Kreisgesundheitsamt. In dem Haus befinden sich daher noch zwei Personen in Quarantäne, von denen eine Beschwerden habe.

Die Einhaltung der Quarantäne werde regelmäßig überprüft, indem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes das Gebäude besuchen. Auch die Polizei und das Ordnungsamt seien dort regelmäßig zu Kontrollen zugegen. Die betroffenen Personen werden zudem in ihrer Muttersprache über die einzuhaltenden Regeln informiert. Derzeit wohnen in dem Haus nur noch positiv getestete Menschen, um weitere Krankheitsfälle zu vermeiden.

Mörfelden-Walldorf: Mehrfach Verstöße gegen Corona-Auflagen gemeldet

Das Kreisgesundheitsamt sei mehrfach auf Verstöße gegen Quarantäneauflagen aufmerksam gemacht worden, räumt die Behörde ein, jedoch ließen sich diese bei unangekündigten Kontrollen niemals bestätigen. Die Überprüfung und Sicherstellung der Einhaltung von Abstands- und anderer Regeln zu Beschränkung von sozialen Kontakten in unter Quarantäne stehenden Objekten falle in die Zuständigkeit des Gesundheitsamtes und der örtlichen Ordnungsbehörde.

Bürgermeister Thomas Winkler (Grüne) bestätigte, dass diese Kontrollen tatsächlich häufig erfolgten: Sowohl Polizei als auch das Ordnungsamt fahren dort oft Streife und unterstützen somit die Kontrollen des Gesundheitsamts. Zudem habe das Unternehmen, für das die dort lebenden Menschen tätig sind, einen Sicherheitsdienst beauftragt, der auf die Einhaltung der Corona-Regeln achten solle. Berichte über Grillen im Freien und andere Exzesse könne er nicht bestätigen, so Winkler.

Stadt Mörfelden-Walldorf bei Corona-Fällen nicht direkt involviert

Die Infektionen in dem Gebäude in der Rüsselsheimer Straße seien ihm vor etwa 14 Tagen bekannt geworden. Allerdings sei die Stadt nicht direkt involviert und werde vom Gesundheitsamt stets erst im Nachhinein über diese Fälle informiert.

Der Bürgermeister weist zugleich darauf hin, dass es in Mörfelden-Walldorf derzeit etwa 20 bis 30 Gemeinschaftsunterkünfte für Bauarbeiter gebe. Die zumeist aus osteuropäischen Ländern stammenden Arbeitskräfte leben dort auf engem Raum miteinander. Derzeit sei das städtische Ordnungsamt damit beschäftigt, eine Liste dieser Unterkünfte zu erstellen, die dann an das Kreisgesundheitsamt weitergereicht werden soll. Denn: Die Behörde könne auch präventiv tätig werden. „Das wäre eine gute Sache“, sagte Winkler.

Bisher 101 Corona-Fälle in Mörfelden-Walldorf

Aktuell seien 101 Corona-Fälle in der Doppelstadt gezählt worden, doch die meisten der betroffenen Menschen seien inzwischen wieder genesen. Auch bei dem zweiten Hotspot in Mörfelden-Walldorf, neben dem Anwesen in der Rüsselsheimer Straße das Altenhilfezentrum Mörfelden, sei die Quarantäne bereits ausgelaufen. Diese beiden Hotspots hätten damals die Fallzahlen in der Doppelstadt von 60 auf 90 hochschnellen lassen, zu vermehrten Kontrollen geführt, aber auch Ängste der Anwohner genährt.

Corona ist starke finanzielle Belastung für Mörfelden-Walldorf

Auch wenn derzeit keine neuen Fälle bekannt seien, so Winkler, werde Corona die Stadt auch weiterhin stark belasten, vor allem finanziell. Allein der Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen im Monat März sei beträchtlich. Infolge von gekürzten Gewerbesteuervorauszahlungen liegen diese um vier Millionen Euro niedriger als erwartet. Auch die verfügte Haushaltssperre helfe da wenig. Die Lasten dieser Epidemie können die Kommunen nicht auffangen. Deshalb fordere er vom Land und dem Bund, bei der Bewältigung der Krise die Kommunen nicht zu vergessen.

Als vorbildlich beschreibt Winkler das Verhalten der Bürger in der Corona-Krise, sowohl beim Einkauf als auch in den öffentlichen Gebäuden. 

Von Uwe Grünheid

In einem anderen Fall ging der Streit um Corona-Auflagen in Mörfelden-Walldorf so weit, dass es zu Handgreiflichkeiten kam. Ein Supermarkt in Mörfelden-Walldorf musste sogar geschlossen werden, weil gegen Corona-Auflagen verstoßen wurde.

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