Mit Pipelines wird das Wasser aus der Badestelle Walldorfer See abgepumpt, um den Waldbrand zu löschen. Foto: Feuerwehr
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Mit Pipelines wird das Wasser aus der Badestelle Walldorfer See abgepumpt, um den Waldbrand zu löschen.

Waldbrand

Mörfelden-Walldorf: Feuerwehr pumpt Löschwasser aus dem See ab

  • vonUwe Grünheid
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Wegen Waldbränden ist die Feuerwehr im Dauereinsatz. Täglich löschen bis zu 120 Brandbekämpfer nördlich von Walldorf.

  • In Mörfelden-Walldorf brennt seit Tagen ein Waldstück.
  • Die Löscharbeiten sind wegen gelagerter Munition gefährlich.
  • Der Wald muss kontrolliert abbrennen.

Mörfelden-Walldorf - „Es ist einer der größten Einsätze unserer Geschichte und er bringt die ehrenamtlichen Feuerwehrleute an ihre Grenzen“, sagt Bürgermeister Thomas Winkler (Grüne) mit Blick auf den am Sonntag ausgebrochenen Waldbrand zwischen Walldorf und dem Flughafen Frankfurt. Er lässt sich täglich an Ort und Stelle über die Situation informieren, zumal sich die Lage immer wieder verändert. Zu Beginn des Feuers waren bis zu 300 Feuerwehrleute im Einsatz, aktuell sind es täglich bis zu 120.

Mörfelden hat zum Glück einen hohen Grundwasserstand

Wegen des Waldbrandes nördlich von Walldorf wurde viel Wasser verbraucht, so dass die drei großen Wasserspeicher der Doppelstadt inzwischen ziemlich leer sind, berichtet Erster Stadtrat Burkhard Ziegler (Freie Wähler). Verschärft wurde die Situation auch noch von zwei größeren Wasserrohrbrüchen, bei der eine größere Menge des kostbaren Nasses im Erdreich versickerte. Allerdings sollte das für Mörfelden-Walldorf zu keinem Trinkwassernotstand führen, wie er bereits für drei Taunuskommunen, Grävenwiesbach, Schmitten und Weilrod, ausgerufen wurde. Dort wurde sogar das Bewässern der Gärten und das Waschen von Autos untersagt. In Mörfelden-Walldorf seien auch die zurückliegenden Hitzejahre gut überstanden worden, nicht zuletzt, weil Mörfelden einen recht hohen Grundwasserstand habe, so Ziegler.

Das Notfallreservoir für Löscharbeiten ging bereits zur Neige

Doch Wasser ist auch aus dem Grunde knapp, weil das anfänglich vom Frankfurter Flughafen bereitgestellte Wasser reduziert werden musste. Pro Minute kamen anfänglich 12 000 Liter über Leitungen in den Wald, was dazu führte, dass das Notfallreservoir des Flughafens zur Neige ging. Seit Dienstagabend wird das Löschwasser daher zum Großteil aus der Badestelle Walldorfer See mit Schläuchen über etwa 3,5 Kilometer zum Einsatzort in den Wald gepumpt. Damit gehen Verkehrsbehinderungen einher, da die Leitung von der Badestelle über die Autobahn- sowie Bahnbrücken und die Aschaffenburger Straße geführt wird.

Allerdings lief das auch nicht ganz störungsfrei ab, denn gestern Vormittag wollte ein Autofahrer trotz eines Durchfahrtsverbots mit seinem Gefährt die Schläuche überqueren. Dabei platzte einer der Schläuche, eine riesige Wasserfontaine stieg auf. Stadtrat Steffen Seinsche (FDP), ehrenamtlicher Dezernent des Bürger- und Ordnungsamts, berichtete frisch von der Einsatzstelle kommend, noch in der knallgelben Warnweste von diesem Ereignis und weist darauf hin, dass diese Schläuche von Autofahrern nicht überfahren werden dürfen. Zur Überquerung wurden viele Vorrichtungen über die Pipeline-Schläuche angebracht. „Über diese Brücken kann man fahren, denn diese halten die Last eines Autos oder Lasters aus“, erklärt Seinsche.

Wald bei Mörfelden-Walldorf muss kontrolliert abbrennen

Das Wasser aus der Badestelle Walldorfer See werde für den Waldbrand benötigt. Da dieses Gelände vom Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt gesperrt wurde - während des Brandes ging am Sonntag eine Bombe hoch - soll der Wald kontrolliert abbrennen. Dazu wurde von der Stadt eine Beregnungsanlage angeschafft, Kosten zwischen 10 000 und 20 000 Euro, die rund um den Brandherd gelegt wurde, um ein Übergreifen des Feuers auf andere Waldteile zu verhindern. Damit werden die Einsatzkräfte der Feuerwehr erheblich entlastet.

Theo Herrmann, Pressesprecher der Mörfelder Wehr, berichtet, dass über diese stabile Leitung rund 7000 Liter pro Minute vom Badesee zum Einsatzort gepumpt werden. Die Gefahr, dass dadurch der Badesee leergepumpt wird, sieht er nicht. „Es wird noch genug Wasser übrigbleiben“, betont er. Erster Stadtrat Ziegler weist darauf hin, dass der Badesee einen Zugang zum Grundwasser habe und daher wieder volllaufen werde.

Keine großen Weltkriegsbomben

Neben den Kosten für die Beregnungsanlage kommen allerdings weitere Kosten hinzu, etwa für den Ersatz von verbrannten Schläuchen und versengtem Schuhwerk, aber auch für den Verschleiß der Einsatzfahrzeuge.

Zu der von den Grünen erhobenen Forderung, das gesamte Waldgebiet um Mörfelden-Walldorf auf Munition und Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zu durchsuchen, sagt Ziegler, dass es dafür noch zu früh sei, zumal es dort keine großen Weltkriegsbomben gebe, sondern höchstens kleinere Flakgranaten.

Theo Herrmann hofft, dass der Einsatz der Feuerwehren am Donnerstag gegen 23 Uhr abgeschlossen sein könnte. Notfalls sei jedoch eine Verlängerung möglich. Von Uwe Grünheid

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