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Unglück

In Mörfelden-Walldorf prallen Schafe mit Güterzug zusammen

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Mit seinen wolligen Gesellen ist Schäfer Ben Klepp seit vielen Jahren ein gern gesehener Sommergast auf den Wiesen rund um die Bertha-von-Suttner-Schule – und ein anerkannter Landschaftspfleger. Nun hat ihn und seine Herde ein tragischer Schicksalsschlag heimgesucht, der für Fragen und Fassungslosigkeit sorgt.

Bei einem tragischen Zusammenprall mit einem Güterzug sind elf Schafe aus der Herde von Landschaftspfleger Ben Klepp ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich bereits am Samstag, wie Michaela Emmert von der Bundespolizei auf Anfrage dieser Zeitung berichtete.

Ihren Schilderungen zufolge hatten die Tiere zwischen 6.30 und 7 Uhr morgens aus noch ungeklärter Ursache ihren Weidezaun, ein hüfthohes, unter Strom stehendes Knotengitter, überwunden. „Entweder durchbrachen die Tier aus eigener Kraft den Zaun – oder jemand hat ihn zerstört,“ so Michaela Emmert. Offenbar in Panik laufen die Tiere umher, eine Gruppe rottet sich auf den nahen, parallel zur Stadt Mörfelden verlaufenden Bahngleisen, in Höhe der Brücke unweit der Turmstraße zusammen.

Der Fahrer eines herannahenden Güterzugs sieht die Schafe zwar noch, leitet ein Bremsmanöver ein und gibt das Notsignal. Doch das Drama kann er nicht verhindern – zu lange ist der Bremsweg des schweren Zugs. Der erfasst die Tiere in Höhe der Brücke in der Nähe der Turmstraße. Zehn sind auf der Stelle tot, ein weiteres erlöst ein Beamter der alarmierten Polizei mit einem Schuss aus seiner Dienstpistole von seinen Qualen.

Häufig übernachtet Ben Klepp in seinem Wagen hinter der Bertha-von-Suttner-Schule in der Nähe seiner Herde – in dieser Nacht aber ist er bei seiner anderen Herde auf der Schwanheimer Düne in Frankfurt. So wird er von den Beamten an den Unfallort gerufen, um die anderen, versprengten Schafe wieder einzufangen. Wie den Tieren der Ausbruch gelingen konnte, sei nun nach Auskunft von Michaela Emmert Gegenstand der Ermittlungen.

Dass sich an diesem Morgen in Folge des Unfalls über 1000 Minuten Verspätungen laut Bundespolizei im Bahnverkehr ergeben und dass der Tod der Tiere nach Angaben der Polizei in Darmstadt einen Sachschaden von 6000 Euro bedeutet, mutet angesichts des emotionalen Verlustes wie eine banale Randnotiz an.

Das bestätigt Katharina Diergarten vom Umweltamt der Stadt Mörfelden-Walldorf. Sie kennt den Schäfer gut und weiß: „Der Ben lebt für seine Schafe. Das ist wirklich schlimm für ihn.“ Entsprechend sicher ist sie, dass den engagierten Landschaftspfleger an dem Unglück keine Schuld trifft: „Wir vermuten ein Fremdverschulden. Es könnten Jugendliche gewesen sein, die den Zaun umgekippt haben. Oder es sind Hunde in die Koppel eingedrungen und haben die Tiere in Panik versetzt.“ Doch dies seien natürlich nur Spekulationen, betont sie.

Dafür lässt Katharina Diergarten keinen Zweifel an der Zuverlässigkeit des Schäfers: „Er ist niemand, der seinen Zaun vernachlässigen oder Reparaturen aufschieben würde“, sagt sie. „Ihm liegen seine Schafe am Herzen.“ Vor etwa einem Monat war Ben Klepp zunächst mit 86 weiblichen Tieren auf die Wiesen zwischen den Stadtteilen Mörfelden und Walldorf gekommen. Anfang Juli stießen zu der Gruppe noch 300 Jungböcke und vier Esel dazu. Wie viele Schafe am Samstagmorgen ausgebrochen waren und wie viele in der Umzäunung geblieben waren, konnte nicht beziffert werden.

Seit fünf Jahren werden die Tiere für die Landschaftspflege eingesetzt. Ben Klepp ist mit seinen Herden auf den Wiesen rund um die Bertha-von-Suttner-Schule unterwegs und kümmert sich mit dem BUND-Ortsverband um den Sandtrockenrasen in der Rödergewann. Das ist ein geschützter Landschaftstyp mit Silbergrasfluren und Streuobstwiesen. Klepp ist ein begehrter Gast auf Vortragsabenden und hat auch zahlreiche Schüler für Schafe und Landschaftspflege sensibilisiert.

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