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Manfred Knacker von Rot-Weiß Walldorf äußert sich zum Neustart der Fußball-Bundesliga. foto: koch

Interview

Vorsitzender von Rot-Weiß Walldorf nimmt Stellung zum  Start der Fußball-Bundesliga

Vereinsvertreter befürchtet, dass das Ansehen des Fußballs in Deutschland Schaden nehmen könnte

Herr Knacker, wie sehen Sie den Neustart der Fußball-Bundesliga?

Unter sportlichen und gesellschaftlichen Aspekten sehe ich den Neustart kritisch. Der frühe Neustart ist unsolidarisch gegenüber anderen Kontakt-Sportarten sowie den Fußball-Vereinen in Amateurligen - wie unserem Verein - die ihren Spielbetrieb noch nicht wieder aufnehmen können. Es ist erklärbar, dass Sportarten ohne Kontakt wieder stattfinden können. Dass jedoch die eine Kontakt-Sportart gespielt werden kann und die andere nicht, das ist rein sportlich nicht erklärbar. Das gilt natürlich erst recht, wenn in einer Sportart nach Ligen differenziert wird. Es gibt auch in unserem Verein viele Mitglieder, die bei aller Fußballbegeisterung sich die Bundesliga-Spiele im Gegensatz zu sonst daher nicht ansehen wollen. Gesellschaftlich tut sich der Fußball mit dem Neustart keinen Gefallen. Es wirkt so, als wenn er ein Privileg erhält. Das könnte auch Vereine in Amateurligen belasten, obwohl diese noch gar nicht spielen dürfen. Es ist aber leider zu befürchten, dass das Ansehen des Fußballsports in Deutschland allgemein Schaden nehmen könnte, denn die Außenwirkung ist schlecht. Für uns ist es als Verein schwer, insbesondere den Kindern und Jugendlichen zu erklären, warum bei uns noch keine Spiele stattfinden dürfen, aber in der Fußball-Bundesliga. Fußball ohne Zuschauer und ohne Jubel ist für mich zudem eine nur schwer erträgliche Vorstellung. Gemeinsame Freude ist ein wichtiger Bestandteil des Fußballs. Allerdings müssen neben den Kritikpunkten auch zwei andere Faktoren berücksichtigt werden. Natürlich ist es für die erste und die zweite Bundesliga wirtschaftlich sehr wichtig, wieder mit dem Spielbetrieb starten zu können. Zudem hat gerade die Fußball-Bundesliga hohen Unterhaltungswert. Millionen von Fußball-Fans werden sich - gerade in den tristen und für viele psychisch belastenden Corona-Zeiten - umso mehr auf den Neustart freuen.

Spielt Solidarität im Fußball eine Rolle?

Ja. Sicher ist die Bundesliga ein knallhartes Geschäft. Aber in den Amateurligen und im Jugendbereich gibt es sehr wohl viel sportliche Solidarität. Sie ist bei Rot-Weiß ein Grundwert, der auch unseren Kindern und Jugendlichen vermittelt wird. Solidarisch mit ihrer Gesellschaft waren übrigens auch die oberen Ligen in Frankreich und den Niederlanden. Diese haben ihre Saison beendet.

Wie beurteilen Sie das Sicherheitskonzept für die Bundesliga?

Hier wurde sicher sehr gewissenhaft gearbeitet. Trotzdem bleibe ich skeptisch, siehe der Fall Dynamo Dresden. Wenn Mannschaften in Quarantäne gehen müssen, sorgt das zudem für Wettbewerbsverzerrung. Diese Teams und ihre Gegner werden benachteiligt. Zudem wird den einzelnen Gesundheitsämtern und ihren Mitarbeitern sehr viel Verantwortung aufgeladen, was ich nicht gut finde. Dann stellt sich für mich die Frage, was denn für den Spielbetrieb passiert, wenn je nach Gesundheitsamt nach gleicher Sachlage in unterschiedlichen Bundesländern und Landkreisen anders entschieden wird.

Wie geht Ihr Verein mit der Corona-Krise um?

Inzwischen darf ab dem 18. Mai wieder ab der D-Jugend trainiert werden. Die Umstände werden ungewöhnlich sein. Es darf keine Spiele geben, nicht mal Trainingsspiele. Zweikämpfe sind unmöglich. Wir werden Passtraining sowie Ball-, Lauf- und Koordinierungsübungen durchführen. Ligaspiele können bei uns noch nicht stattfinden. Hierüber dürfte heute in Hessen eine Entscheidung fallen, ab wann dies realistisch sein könnte.

Auf Hygiene, besonders Hände waschen und Desinfektion, wird bei uns großen Wert gelegt. Duschen müssen die Spieler sicherheitshalber zu Hause. Unsere Umkleidekabinen sind daher geschlossen. Daher müssen sich die Spieler im Auto umziehen. Sie kommen bereits in Sportkleidung auf den Fußballplatz. Wir haben Anfang des Jahres eine neue Stehplatztribüne zwischen beiden Kunstrasenplätzen fertig gebaut. Den Boden unter der Tribüne haben wir jetzt neu gepflastert, die Arbeiten wurden beendet. Hier haben die Spieler sehr viel Platz, um im Freien und gleichzeitig im Trockenen mal ein Hemd wechseln oder etwas trinken zu können. Hier können zudem Mannschaftsbesprechungen mit viel Sicherheitsabstand durchgeführt werden. Unsere Fußballschule im Sommer soll möglichst stattfinden. Die Essensausgabe, Taktikbesprechungen und vieles mehr würde dann ebenfalls unter der Stehplatztribüne stattfinden. Das Interview führte Alexander Koch

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