+
Ob alte Reifen oder eine Waschmaschine – der Wald muss derzeit für allerlei illegal entsorgten Müll herhalten.

Forstamt muss Entsorgung zahlen

Wie der Wald in Mörfelden-Walldorf zur Müllhalde verkommt

  • schließen

Nicht nur die Wälder, auch Parkplätze werden für die Entsorgung allerlei Mülls missbraucht. Klaus Velbecker, Leiter des Forstamts Groß-Gerau, ruft Zeugen dazu auf, sich beim Forstamt oder der Polizei zu melden.

Mörfelden-Walldorf - Verbote werden ignoriert. Alte Autoreifen, Sofagarnituren, Fässer mit Altöl. Die illegale Müllentsorgung nicht nur, aber speziell in den Wäldern um die Doppelstadt hat massiv zugenommen. „So schlimm wie im vergangenen halben Jahr war es noch nie“, beklagt Klaus Velbecker, Leiter des zuständigen Forstamts Groß-Gerau.

Für die ordnungsgemäße Entsorgung des ganzen illegal abgekippten Mülls im Forst habe das Amt alleine in den vergangenen sechs Monaten rund 50 000 Euro aufwenden müssen. Wer diese Kosten trägt? „Hessen-Forst – und somit der Steuerzahler.“ Warum deswegen bisher niemand auf die Barrikaden gehe und beispielsweise nicht mal demonstriert werde, ist Velbecker ein Rätsel.

Die Situation der strafbaren Entsorgung von Müll im Wald sei unerträglich geworden. Ob alte Kühlschränke, Computer oder Bildschirme, ausgediente Fernseher oder anderer Unrat, der im Haushalt anfalle, für alles müsse das Gebüsch im Wald herhalten. Darunter auch blaue Säcke mit Haushaltsmüll und Fitnessgeräte.

13 Tonnen Bauschutt einfach im Wald entsorgt

Der schlimmste Fall ereignete sich laut Velbecker unmittelbar vor Weihnachten in dem Waldstück zwischen Mörfelden und Gräfenhausen. Dort hatte ein Laster mehr als 13 Tonnen Bauschutt entsorgt, darunter stark belastete und asbesthaltige Eternitplatten, derentwegen teure Fachfirmen beauftragt werden mussten. „Deren Entsorgung ging richtig ins Geld“ und „Das war ein übles Weihnachtspräsent für das Forstamt“, so Velbecker.

Zu den 50 000 Euro, die das Forstamt im vergangenen halben Jahr für die ordnungsgemäße Entsorgung von Unrat im Wald aufgebracht habe, kommen laut Velbecker noch die Kosten von Kommunen für deren eigene Wälder. Denn dafür müssen sie selbst in die Tasche langen.

Velbecker beklagt nicht nur den momentanen Zustand in den Wäldern. „Auch jeder Parkplatz wird zur Entsorgung allerlei Mülls missbraucht.“ Er weist darauf hin, dass das Abladen jeglichen Mülls in Wäldern und auf deren Parkplätzen strafbar sei. Das wisse jeder, dieses Gesetz kenne jeder. „Dafür braucht man keine separaten Schilder aufzustellen.“

Lesen Sie auch: Mörfelden-Walldorf: Im Gundwald gibt es zu viele Wildschweine - Tiere werden nach strikten Vorgaben geschossen

Wie das Forstamt Groß-Gerau der Lage Herr werden will? „Wenn ich das wüsste, wäre ich der gefragteste Mann in der ganzen Bundesrepublik“, sagt Velbecker lachend. Er appelliert wiederholt, keinen Unrat im Wald mehr zu entsorgen, sondern ihn zu Müllsammelstellen zu bringen – und Zeugen ruft er dazu auf, sich dringend beim Forstamt, Umweltämtern der zuständigen Stadtverwaltungen, beim Ordnungsamt oder der Polizei zu melden. „Es wäre gut, auch Fotos mit dem Handy aufzunehmen, die dann via E-Mail an eine der zuständigen Stellen gesandt werden können.“

Velbecker weist darauf hin, dass das Forstamt eng mit der Polizei und dem Ordnungsamt kooperiere. Fingerabdrücke von entsorgtem Müll zu nehmen, das sei schwierig – ebenso, wie beispielsweise anhand einer beim Müll gefundenen Adresse den wahren Täter auszumachen. Bei Verhandlungen kämen Ausreden auf den Tisch wie „Ich hatte meinen Müll ordnungsgemäß entsorgt, den hat einer mitgenommen.“

Forstamt isr für Hinweise dankbar

Mitarbeiter des Forstamts seien darauf angewiesen, Täter auf frischer Tat und vor Ort zu ertappen – und auf dringend erforderliche Hinweise von Zeugen. „Wir sind für jede Hilfe und jeden Hinweis dankbar.“ Velbecker hofft, so auf die Spur manches Täters zu gelangen und in seiner gerechten Strafe zuführen zu können.

Velbecker weist darauf hin, dass neben den Fachfirmen auch häufig die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs der Doppelstadt helfen würden, den illegal abgeladenen Müll bei den richtigen Stellen zu entsorgen. Das erfolge jedoch auch nicht kostenfrei.

Der Forstamtsleiter hofft, dass sich die Menge illegal entsorgten Mülls in den Wäldern demnächst stark reduziert – oder es gar keinen mehr gibt, damit sich Mitarbeiter des Forstamts nicht ständig darum kümmern müssten. Denn sie haben eigentlich andere Aufgaben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare