Wahrzeichen

Mörfelder Wasserturm ist ein Anziehungspunkt

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133 Treppenstufen hinauf und die Besucher hatten einen herrlichen Ausblick über die Stadt. Beim Tag des offenen Wasserturms gab es aber auch kunstvolle Ansichten.

Es ist ein Schmuckstück und ein Wahrzeichen zugleich: Mörfeldens Wasserturm. 1929 eingeweiht, sicherte der 300 000 Liter fassende Tank das Trinkwasser für die Gemeinde. Schon in den 50er Jahren reichte die Kapazität nicht mehr aus, in den 60er Jahren wurde die Wasserspeicherung in der Frankfurter Straße aufgegeben.

„Wir haben sehr detaillierte Aufzeichnungen von dem Turm und seiner Geschichte für die Jahre vor 1945. Es gibt Zeichnungen und Berichte. Leider wird es danach sehr dünn“, erklärt Alfred Arndt bedauernd, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte des markanten Turms aufzuarbeiten. Am Sonntag gab der Verein Projekt Wasserturm den Bürgern die Gelegenheit, den sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Turm zu besichtigen.

133 Treppenstufen führt der nach oben. Es ist eng, es ist dunkel und ziemlich steil. Das Training kann an diesem Tag nach diesem Aufstieg auf jeden Fall ausfallen. Aber der Ausblick lohnt sich und ist phänomenal. Die mehr als 200 Leute, die wegen der Statik nur in Etappen die Treppen nach oben gelassen werden, können durch die großen Fenster im obersten der fünf Geschosse nicht nur ihre Stadt aus 35 Metern Höhe wunderbar sehen, der Blick kann bis Frankfurt schweifen und die Starts am Flughafen sind zu beobachten. Die Sicht reicht am Sonntag bis in den Taunus – so klar ist der Himmel.

Alfred Arndt leitet eine Führung nach oben, erzählt schöne Details seiner Recherche. Der Turm diente der Wehrmacht in den Kriegsjahren dem Luftschutz über Frankfurt durch die Nähe zum Flughafen, es gab einst ein Jugendzentrum im Turm und 1968 eröffnete der Mörfelder Klaus-Peter-Lechner eine Discothek. Danach lag das Bauwerk viele Jahre brach, es gab Ideen ihn abzureißen, die Bevölkerung verhinderte dies und die Feuerwehr trocknete ihre Schläuche darin.

Jetzt soll der Turm wieder stärker in den Fokus der Stadt kommen und mit kulturellem Leben gefüllt werden. Der Verein träumt von Lesungen, Ausstellungen oder Musikveranstaltungen inmitten der runden Wände. Die Mitglieder sammeln Spenden für Bauarbeiten, die die Statik der einzelnen Geschosse verbessern muss, um so das Gebäude noch zugänglicher zu machen.

Die Künstlerin Ulrike Gähtgens-Maier hat eine Open-Air-Galerie organisiert. Neben ihren Porträts der Frauengesichter, die sie zugunsten des Integrationsbüros der Stadt verkauft, sind Heike Holstein, mit Acrylbildern, Brigitte Kosch mit Fotografien, Heidemarie und Bernhard Stingl mit Quilts und Inge Beller mit Schmuck vertreten. Im ersten Obergeschoss empfängt der Künstler Jürgen Enkelmann die Gäste mit einer Ausstellung, die am Sonntag mit einer Finissage endete.

„Der Wasserturm ist ein schönes Projekt und eine Ausstellung unter freiem Himmel bei solch einem Wetter immer schön“, freute sich Heike Holstein. Ihr großes Thema sind Hände, aber die Besucher können ihr bei einer besonderen Auftragsarbeit über die Schulter schauen: Eine herrliche, rote Katze, die die erste elektrische Schreibmaschine aus dem Jahr 1944 der Firma IBM mit ihren Pfoten bedient. Dahinter die heutige, so typische IBM Schranktür der Großrechner. „Das Bild male ich für einen IBM-Kollegen, der Katzenliebhaber ist“, berichtet die Künstlerin lächelnd.

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