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Die Akteure des Theater Noster, Katharina Potrafke, Simone Hesse-Pietrzak, Gudrun Kreisl, Stefan Pietrzak und Joel Charbonneau, hatten unter dem Titel „Au Tannenbaum“ viele Themen aufzuarbeiten.

Kultur in Walldorf

Muntere Einstimmung auf das Fest in der evangelischen Kirche

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Ein heiter-besinnliches Programm bescherte die Laienschauspielgruppe Theater Noster den Besuchern am Sonntagabend in der evangelischen Kirche Walldorf. Dabei ging es sowohl um die Sinnlosigkeit des Krieges als auch um die Existenz des Weihnachtsmannes, die mit einem verwirrenden Zahlenspiel belegt wurde – oder auch nicht?

Wenn der Altarraum in der Kirche zur Bühne wird, dann ist es ganz offensichtlich Vorweihnachtszeit. Doch ein Krippenspiel gab es in der evangelischen Kirche in Walldorf am Sonntag nicht zu sehen, sondern vielmehr eine ebenso besinnliche wie muntere Einstimmung auf das Weihnachtsfest, für welche die Laienschauspielgruppe Theater Noster und Friederich Haller sorgten.

Los ging es mit der szenischen Darstellung eines Krieges zwischen „Nordiland“ und „Südiland“, in dem es um die Besitzrechte an einem etwa zwei Quadratmeter großen Felsbrocken im Meer ging. Hautnah erlebten die Zuschauer im Kirchenschiff das Kriegsgeschehen mit, das mittels zuckender Scheinwerferstrahlen und zerplatzender Plastikluftpolster, Gewehrschüssen gleich, realitätsnah rübergebracht wurde.

Feinsinnige Gespräche

Inmitten dieses der Karikatur eines Krieges ähnelnden Szenarios zwei Soldaten, Edmont und Edmund, die in zwei Bunkern, nur 50 Meter voneinander entfernt und kurz vor dem Heiligen Abend, verzweifelt die Stellung halten. In dem effektvollen Bomben- und Kugelregen kommen sich die beiden in feinsinnigen Bunkergesprächen näher, schließen ihren Privatfrieden und werden beste Freunde. Das ganze endet ein Jahr später mit einer gemeinsamen harmonischen Feier zweier Familien unterm Weihnachtsbaum und einem Zitat von John F. Kennedy: „Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.“

In weiteren kürzeren Sequenzen wurden die Schrecken der Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer in Kontrast zu dem Weihnachtslied „Es kommt ein Schiff gefahren“ gesetzt, der Konsumgesellschaft ein Spiegel vorgehalten, nämlich wenn jemand angesichts des Kaufhaus-Slogans „Preise, die sich jeder leisten kann“ ausrastet, oder wenn es in dem Gedicht „Vom Büblein auf dem Eis“ von Friedrich Wilhelm Güll heißt: „Der Vater hat’s geklopfet.“ Das führte unweigerlich zu der Diskussion, inwieweit das heute noch sinnreich sei, denn längst werden keine Kinder mehr „geklopfet“. Oder?

Wiedersehen mit Loriot

Ein Wiedersehen – oder besser Wiederhören – gab es mit Loriot, dem Meister der Darstellung absurder Situationen im normalen Alltagswahnsinn. Da ist Opa Hoppenstedt, der ein Weihnachtsgeschenk für seinen Enkel Dickie kaufen will. Er trifft auf eine verständnisvolle Verkäuferin, die ihm ein Spiel verkauft: „Wir bauen uns ein Atomkraftwerk“. Und wenn beim Aufbau etwas falsch gemacht wird, „macht es Puff, und die kleinen Kühe fallen um. Das gibt dann immer ein großes Hallo“.

Oder das wunderbar makabre Adventsgedicht aus der Feder von Loriot, in dem die Ehefrau am Nikolausabend den Gatten erschießt, weidgerecht zerlegt, die Teile liebevoll verpackt und notleidenden Menschen zukommen lässt. Das Ganze, in adventlicher Lieblichkeit zuckersüß vorgetragen, verfehlte seine Wirkung auf die Zuhörerschar nicht.

Überaus köstlich auch die wissenschaftliche Diskussion über die Existenz des Weihnachtsmannes, die in einem verwirrenden Zahlenspiel endete, mit dem Ergebnis, dass der Weihnachtsmann für jeden Haushalt mit mindestens einem braven Kind eine tausendstel Sekunde Zeit hat, vorausgesetzt, er erreicht eine Geschwindigkeit von 1040 Kilometern pro Sekunde. Außerdem würden 216 000 Rentiere benötigt, um die Last der Geschenke von 378 000 Tonnen zu transportieren. Das hatte als Fazit das fröhliche Weihnachtslied zur Folge: „Morgen Kinder wird’s nichts geben“.

Es gebe noch viel zu berichten, etwa vom Weihnachtsmann als Profikiller, vom nadelnden Weihnachtsbaum oder einem Brief der achtjährigen Virginia aus dem Jahr 1897 an den Chefredakteur einer Zeitung, in dem das Mädchen Antwort auf die Frage erbittet, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt, macht die Laienschauspielgruppe neugierig. Das Ensemble von Theater Noster, Katharina Potrafke, Simone Hesse-Pietrzak, Gudrun Kreisl, Stefan Pietrzak und Joel Charbonneau, verstärkt von Friederich Haller, der für die musikalische Begleitung sorgte, bescherte den Besuchern in der evangelischen Kirche in Walldorf ein besinnlich-heiteres Programm.

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