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Mit den Neubürgern auf Tour

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Von: Volker Arndt

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Die Anwohner, die neu nach Mörfelden-Walldorf gezogen sind, konnten an einer Tour durch ihre neue Heimat teilnehmen. Sie sahen die Rathäuser, den Oberwaldberg und lernten auch einiges über die Geschichte der beiden Ortsteile.

Die Bürgerfluktuation in der Doppelstadt erscheint vielen, welche die Zahl hören, hoch: Rund 2000 An- und Abmeldungen verzeichnet das Einwohnermeldeamt jährlich. Damit die Menschen, die nach Mörfelden-Walldorf ziehen, die Stadt besser kennenlernen, bietet ihnen die Verwaltung jedes Jahr eine Rundfahrt an. Für einen großen Bus reichte die Menge an Zusagen, und bei anfänglich starkem Wolkenbruch schien zur zweiten Hälfte der Reise durch die Stadt sogar die Sonne. Einige Stadtverordnete, Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) und Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) begleiteten die Gesellschaft.

Der Stadtverordnetenvorsteher Werner Schmidt (SPD) machte als „Fremdenführer“ eine gute Figur. Neben der wechselhaften und unterschiedlichen Geschichte der beiden zusammengewachsenen Orte, wies er während der Fahrt auf alles hin, was für die Teilnehmer von Bedeutung sein könnte. Einkaufsmöglichkeiten, Gesundheitswesen, Schulen, Kirchen und Moschee, Gastronomie, Erholungsplätze und Friedhöfe, nichts wurde ausgelassen. Am Gedenkstein für die Partnerstadt Vitrolles ging es vorbei, die Straßen rauf und runter, bis alle nach fünf Stunde im Hof der Freiwilligen Feuerwehr Walldorf zusammensaßen – bei „Weck und Worscht“ sowie Kaltgetränken.

Heiliger Ort

Zwischendurch konnten sich die neuen Mörfelden-Walldorfer bei einer Führung am Kirchplatz der alten evangelischen Kirche in Mörfelden schlau machen. Martin Luther und Goethes Großmutter hätten das damals noch kleine Dorf gestreift, weil die Handelsstraße Frankfurt-Heidelberg durch den Ort gegangen sei und neben vielen gastronomischen Häusern auch die Möglichkeit, Pferde zu wechseln, Gründe gewesen seien, um dort zu verweilen. Uwe Harnisch, Vorsitzender des Kirchenvorstands, referierte über die Besonderheiten des Bauwerks, dessen Grundmauern bis auf das frühe Mittelalter zurückreichen. „Hier war demzufolge bereits in vorchristlicher Zeit ein heiliger Ort“, meinte Harnisch.

Die Mörfelder seien im 17. und 18. Jahrhundert als Jagdhelfer durch den Landgrafen von Hessen-Darmstadt eingesetzt worden, der ein solch großes Jagdglück gehabt habe, dass er ihnen daraufhin eine Decke für die Kirche gestiftet hätte. Und diese ist heute noch immer im Original zu sehen, aus Holz und bunt bemalt. „Wir können zwar keine antiken Tempel bieten, aber dafür eine der ältesten Kirchen im Kreis“, so Werner Schmidt. Als um 16 Uhr die Kirchenglocken zu läuten begannen, berichtete Kirchenvorsteher Günter Neumann von Funden menschlicher Knochen im Außenbezirk und dass das Hufeisen im Stadtwappen auf die Pferdewechselstation zurückzuführen sei.

Kubische Bauten

Historiker Klaus Müller hatte die schwere Aufgabe übernommen, die Aufarbeitung der NS-Zeit zu beleuchten. Anhand der Abbildungen an der neuen Stele auf dem Kirchplatz berichtete er über die Schicksale der politisch Verfolgten. „35 Namenstafeln spiegeln diese Schicksale beispielhaft wider“, sagte er und verwies auf die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, von denen sich in der Doppelstadt 54 finden ließen. „17 Personen, denen mit einem Stolperstein gedacht wird, wurden in Vernichtungslagern vergast“, so Müller.

Bei der Stadtrundfahrt hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich die kubischen Bauten des Architekten Richard Neutra anzuschauen, inklusive des Wohnhauses des Schriftstellers Peter Härtling. Die waldensische Historie war ebenso Gegenstand des Vortrags Werner Schmidts wie das Mörfelder Waldschwimmbad, das Bürgerhaus, die Stadthalle und die beiden Rathäuser. Im großen Sitzungssaal des Walldorfer Rathauses konnten sich die Neubürger über die Arbeit der Stadtverordneten informieren. Höhepunkt des Tages war die Besteigung des Oberwaldbergs. Bei schönstem Wetter hatten dort die Teilnehmer eine einmalige Aussicht auf ihre neue Heimat.

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