Die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Generationenhilfe sind vielfältig. Dazu gehört auch die Betreuung des offenen Bücherschranks am Rathaus Mörfelden, den Sabine Beimes hier präsentiert. Foto: Alexander Koch
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Die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Generationenhilfe sind vielfältig. Dazu gehört auch die Betreuung des offenen Bücherschranks am Rathaus Mörfelden, den Sabine Beimes hier präsentiert.

Corona

Per Fahrdienst zum Impfen

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Generationenhilfe verbucht in der Krise mehr Eintritte

Die Generationenhilfe besteht aus einem Team engagierter Bürger aller Altersgruppen, die sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen. "Hierbei geht es um eine generationenübergreifende Unterstützung", erläutert Sabine Beimes, Kassiererin des gemeinnützigen Vereins. Auch für diesen stellt die Corona-Pandemie eine ausgesprochen harte Zeit dar: "Der Kontakt untereinander fehlt den Mitgliedern sehr", sagt sie. Treffen und Veranstaltungen in Präsenz sind seit Langem schon nicht mehr möglich.

Immerhin hat es bislang noch keine Corona-bedingten Austritte gegeben. Im Gegenteil: Der Verein verzeichnet sogar erfreulich viele Eintritte, da er nach wie vor aktiv ist. "Besonders wichtig ist derzeit die Aufgabe, Menschen zu ihrem Impftermin zu fahren, die nicht mobil sind", sagt Beimes. Das hat einige der Impfpatienten bewogen, der Generationenhilfe beizutreten und deren Einsatz zu unterstützen.

Aktuell gehören 216 Mitglieder dem Verein an. Hiervon sind etwa 30 Aktive, die sich ehrenamtlich für andere Menschen engagieren. "Wir helfen auf vielen verschiedenen Wegen", so Beimes. Hervorzuheben sind dabei Begleitungen und Fahrdienste zum Einkaufen, zu Behörden oder zum Arzt, beziehungsweise aktuell zu Impfterminen.

Unterstützung für wichtige Akteure

Auch bieten die Ehrenamtler zeitlich begrenzte Hilfen im Haushalt oder im Garten für ältere oder kranke Menschen an. Gerade älteren Menschen sind zudem diverse Besuchsdienste der Generationenhilfe wichtig. "Oft tut schon ein gemeinsamer Spaziergang oder Fahrradausflug gut", betont Beimes.

Doch auch kleine handwerkliche Tätigkeiten werden schon mal verrichtet. "Bei der Generationenhilfe bringt jeder seine Talente und Fähigkeiten ein." Besonders gut kommt das generationenübergreifende Lernen an. Hierzu gehören die Betreuung bei Hausaufgaben, Nachhilfe sowie Vorlesen und Zuhören. Zudem bietet die Generationenhilfe technische Hilfestellung beim Umgang mit Computer, Handy und Fernseher an. Und sie unterstützt auch andere wichtige gesellschaftliche Akteure und Institutionen mit Sach- oder Geldspenden - vom Deutschen Roten Kreuz über das Altenhilfezentrum und Essen für alle bis hin zur Speisekammer.

Für die Generationenhilfe ist der Treffpunkt Waldenserhof in Walldorf ein beliebter Veranstaltungs- und Begegnungsort geworden. Dort organisiert sie regelmäßig ein geselliges Beisammensein sowie darüber hinaus auch immer wieder interessante Vorträge zu aktuellen Themen - jedenfalls galt dies alles vor der Pandemie. Nicht nur viele passive Mitglieder, sondern auch zahlreiche Aktive der Generationenhilfe gehören älteren Altersgruppen an. Daher war und ist die Furcht vor einer Corona-Ansteckung bei vielen Mitgliedern verständlicherweise groß. Auch von den Aktiven setzen deshalb aktuell rund zwei Drittel sicherheitshalber aus, etwa ein Drittel bietet weiter seine Dienste an, darunter auch Beimes.

Hoffen auf persönliche Treffen

"Ganz wichtig ist im Moment, zumindest telefonisch Kontakt zu den Mitgliedern zu halten", sagt sie. Auch, wenn dies persönliche Treffen und Berührungen wie etwa Umarmungen natürlich niemals ersetzen könne. Gleiches gelte für Videokonferenzen. Zudem hätten viele ältere Mitglieder hierfür nicht die technische Ausstattung.

Gesellschaftlich hat Sabine Beimes unterschiedliche Beobachtungen während der Pandemie gemacht: Die Hilfsbereitschaft gegenüber älteren Menschen sei gerade im ersten Lockdown sehr groß gewesen. Einkaufshilfen wurden daher bei der Generationenhilfe viel weniger nachgefragt als vermutet. "Das haben überwiegend die Nachbarn oder Angehörige erledigt."

Im zweiten Lockdown gehen zudem viel mehr ältere Menschen wieder selbst einkaufen. Eine aktuelle Entwicklung sieht Beimes jedoch mit Sorge: Die Stimmung in der Gesellschaft werde zunehmend unruhiger und aggressiver, je länger der Lockdown andauere. Andere Menschen reagierten hingegen mit depressiven Stimmungen. Beimes und weitere Helfer der Generationenhilfe versuchen daher, mit dem Telefon der Vereinsamung entgegenzuwirken. Zudem ist jeweils montags von 10 bis 12 Uhr das Büro der Generationenhilfe am Rathaus in Mörfelden besetzt. Direkt neben dem Büro befindet sich der offene Bücherschrank, den die Generationenhilfe aktuell betreut. "Derzeit werden mehr ausgelesene Bücher abgegeben, wir mussten sie teilweise im Büro lagern. In der Pandemie wird mehr gelesen", hat Beimes beobachtet.

Hoffnung gibt den Ehrenamtlern die Impfkampagne. Altersbedingt sind viele passive Mitglieder sowie die Aktiven der Generationenhilfe impfberechtigt. Dies gilt inzwischen auch für alle Aktiven in ihrer Funktion als ehrenamtliche Helfer, zumal sie wichtige Fahrdienste zu Impfterminen übernehmen. "Wir möchten uns gern im Verlauf des Sommers wieder persönlich treffen und auch ein Fest für alle Mitglieder feiern", gibt sich Beimes denn auch hoffnungsvoll.

Alexander Koch

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