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Pfarrerin Schätzler-Weber hat über das Wappen in der Kirchendecke Erstaunliches herausgefunden

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Pfarrerin Andrea Schätzler-Weber hat ein Buch über die evangelische Kirche in Mörfelden geschrieben. Bei ihren Recherchen hat sie einiges rausgefunden, das die Zuhörer bei der Buchvorstellung sehr erstaunte.

Pfarrerin Andrea Schätzler-Weber hatte allen Grund zur Freude. Bei ihrer Buchvorstellung war die evangelische Kirche in Mörfelden gut besucht. Außerdem hatte sie an dem Tag, als sie über den Geburtstag des jährlich stattfindenden „Kerschferstes“ referierte, selbst Geburtstag.

Und so feierten die Gläubigen gemeinsam, lauschten konzentriert den Ausführungen Schätzler-Webers, sangen und klatschten bei den Liedern, die mehrere Chöre zwischendurch vortrugen. Begleitet wurden sie dabei vom Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde unter der Leitung von Kantor Stefan Küchler, der auch an der kleinen Orgel für die richtigen Töne sorgte.

Pfarrerin Schätzler-Weber tauchte schließlich tief in die Historie von Mörfelden und seiner alten Kirche ein. „Wo fängt man eigentlich an, wenn man nach den Anfängen forscht?“, fragte sie. „Vielleicht im Jahr 830, als das Dorf Mersenfeld erstmalig urkundlich Erwähnung fand?“

Ob 1543 der wahre Anfang gemacht wurde, als Johann Heinrich der erste evangelische Pfarrer in Mörfelden wurde, oder ob letztendlich der Bau des Kirchengebäudes 1730 der markanteste Zeitpunkt in der Geschichte der evangelischen Kirche wäre, ließ Schätzler-Weber unbeantwortet. Stattdessen traf sie eine klare Aussage zur Kirchendecke. „Ich habe mir diese Decke als etwas Besonderes ausgesucht“, erklärte. Ernst-Ludwig, Landgraf von Hessen-Darmstadt, habe für eigene Zwecke einen Architekten aus Hannover engagiert. Da dies zeitgleich mit dem Bau der Kirchendecke einherging, läge es auf der Hand, dass dieser namhafte Architekt auch die heute noch erhaltene Decke der Kirche von 1730 entworfen haben könnte. In die Deckengestaltung integriert seien in einem Wappen vereint sowohl das Zeichen des Landgrafen Ernst-Ludwig als auch das seines Sohnes Ludwig VIII. Links und rechts des Wappens erkenne man im Geschnörkel höfischer Malerei aus der Zeit des Barock nackte Figuren.

Die Pfarrerin meinte, sie könne sich vorstellen, dass es sich hierbei unter anderem um Daphne und Amor handeln könne. Also die „Priesterin der Mutter Erde“ aus der griechischen und der „Gott der Liebe“ aus der römischen Mythologie. Daraus folge eine denkbare Erklärung, warum der über dem Wappen angeordnete Ausspruch in Latein später leicht verstümmelt worden sei. Anstatt des Ursprünglichen, „Es geben die Götter Dir Jahre!“, lese man nun „Gebe der Himmel Dir Jahre!“ Danach ist zu lesen: „Das Übrige gibst Du Dir selbst. Nur lang-andauernde Zeit sei Deiner Mannheit gewährt!“ Was dabei bislang noch völlig im Dunkeln gelegen habe, sei die Erkenntnis, von wem dieser Ausspruch stammte. „Ich habe herausgefunden, dass der römischer Dichter Ovid dies verfasst hat“, sagte Schätzler-Weber hocherfreut. Ovid lebte von 43 v. Chr. bis etwa 17 n. Chr. Die Inschrift in der Kirchendecke, so vermutet Schätzler-Weber, könnten zeitgenössischen Herrscher gewidmet worden sein, also denen, die mit ihrem Wappen direkt darunter verewigt wurden. „Eine Rechnung über die Erbauung der Decke existiert nicht“, erklärte sie noch. Man könne deswegen vermuten, dass es sich dabei um eine Spende Ludwigs des VIII. gehandelt hat.

Über soviel Recherchegeschick ihrer Pfarrerin staunten die etwa 130 Anwesenden nicht schlecht. „Dies und noch viel mehr ist in meinem Buch mit dem Titel „Evangelische Kirche in Mörfelden – Geschichte der Kirche und der Kirchengemeinde nachzulesen“, empfahl Andrea Schätzler-Weber. Der Preis läge bei zehn Euro: Den Erlös ihres Buchverkaufs wolle sie an die evangelische Kirche: „Das ist dann mein Geburtstagsgeschenk an die Gemeinde.“

Kristin Flach-Köhler stellte dann die „Gutschein-Tombola“ vor. Ein Gutschein koste fünf Euro und beinhalte stets ein Ereignis, das jemandem zugute kommen soll. „Somit ist jeder Gutschein ein Gewinn, weitere kreative Ideen werden gerne aufgenommen“, sagte sie. Die Einnahmen kämen der Renovierung der Kirche und dem Kirchendach zugute. Das Kerchfest dauert noch bis zum 26. August.

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