Messerstecherei auf dem Dalles

Hat die Polizei geschlampt?

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Warum tauchte die Messerstecherei, die sich an Silvester auf dem Dalles ereignet hat, nicht im Polizeibericht auf? Die Antwort des Polizeisprechers: „Die ist irgendwie durchgerutscht.“

Eine Silvesternacht mit Folgen, nicht nur in Köln, sondern auch in der Doppelstadt. Dort war es nach Mitternacht gegen 1.30 Uhr auf dem Dalles in Mörfelden zu einer Messerstecherei gekommen, die von der Polizei als „Missverständnis unter Freunden“ abgetan wurde (wir berichteten). Eine Meldung im ansonsten recht umfangreichen Polizeibericht gab es nicht. Erst der Hinweis eines Lesers führte dazu, dass sich die Polizei zu dem Vorfall äußerte.

Unser Bericht über diese nächtlichen Ereignisse, bei dem es laut Aussage eines Polizeisprechers einen Verletzten gab, hatte zur Folge, dass sich nun einer der betroffenen jungen Männer bei der Frankfurter Neuen Presse meldete, um die Geschehnisse aus seiner Sicht zu schildern. So viel vorweg: Mit einem „Missverständnis unter Freunden“ hat das nichts zu tun.

Der junge Mann, der besseren Verständlichkeit wegen im Weiteren als Opfer 1 bezeichnet, feierte im Kreis von Freunden den Übergang ins neue Jahr, ein paar Bier wurden getrunken, und gegen 1.30 Uhr seien dann alle zum Dalles gezogen, auf dem sich bereits etliche junge Leute befanden. Auf dem Weg dorthin wurde ein Freund von Opfer 1 darauf aufmerksam gemacht, dass dessen Freundin von einem Typen angebaggert werde.

Der wollte das nicht einfach hinnehmen und stellte den Typen zur Rede, erwischte dabei aber wohl den Falschen. Dennoch kam es zu einem hitzigen Wortgefecht. Opfer 1 erkannte den Irrtum seines Freundes und ging dazwischen, um den Streit beizulegen. Da tauchte hinter dem vermeintlichen Fiesling der Marokkaner auf. Opfer 1 hörte nur noch einen Ruf aus der Menge „Achtung, der hat ein Messer“, Wohl instinktiv machte Opfer 1 eine Abwehrbewegung mit dem rechten Arm und wurde von dem Messer an der rechten Hand, Daumen und Handballen getroffen und verhinderte damit einen Stich in die Schulter oder in den Rücken. Darauf zog sich Opfer 1 zurück, um sich um seine Verletzung zu kümmern.

Wenig später erhielt der Vater von Opfer 1 in seiner Wohnung einen Anruf mit dem Hinweis, sein Sohn sei auf dem Dalles verletzt worden. Der Vater und drei Bekannte machten sich sofort zum nahe gelegenen Dalles auf. Dort herrschte nach Aussage des Vaters eine tumultartige Stimmung. Zusammen mit einem weiteren jungen Mann, einem Freund (im weiteren Opfer 2 genannt) von Opfer 1, der den Messerstecher zur Rede stellen wollte, kehrten sie zum Wohnhaus des Vaters zurück. Unterwegs klagte Opfer 2 um Schmerzen im Rücken.

Als der Vater von Opfer 1 nachsah, stellte er zunächst viel Blut fest und entdeckte dann einen etwa zwei Zentimeter breiten Einstich. Sofort seien Notarzt, Rettungsdienst und Polizei verständigt worden. Notarzt und Rettungsdienst waren recht schnell zur Stelle. Als die Polizei eintraf lag Opfer 2 bereits im Fahrzeug des Rettungsdienstes. Dort sei er von der Polizei vernommen worden und anschließend ins Klinikum in Rüsselsheim gebracht worden. Opfer 1 wurde anschließend von seiner Mutter im privaten Fahrzeug gleichfalls nach Rüsselsheim gebracht worden.

Dem Hinweis der jungen Männer, die Täter hätten sich in Richtung Bahnhof abgesetzt, sei ihren Erkenntnissen zufolge nicht nachgegangen worden.

Dass der Messerstecher dennoch festgenommen werden konnte, sei Bekannten der Opfer zu verdanken, die den Marokkaner auf einer Facebook-Seite fanden. Aufgrund dieser Informationen sei der Täter zwei oder drei Tage später in der Nähe des Alten Rathauses wegen gefährlicher Körperverletzung festgenommen worden. Der Marokkaner, der angeblich kein Deutsch, sondern lediglich gebrochenes Englisch spricht, soll einen festen Wohnsitz in Mörfelden-Walldorf haben, sich aber inzwischen nach Spanien abgesetzt haben.

Auf erneute Nachfrage im Polizeipräsidium Südhessen erklärte ein Polizeisprecher, dass diese Schilderung nicht gänzlich mit den Informationen der Polizei übereinstimme. Es werde noch ermittelt. Dass sich der Marokkaner nach Spanien abgesetzt habe, konnte er nicht bestätigen. Da der Mann eine ladungsfähige Adresse habe, sei er in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft auf freien Fuß gesetzt worden.

Dass es im Polizeibericht keine Meldung über diese Messerstecherei am Dalles gab, erklärte er als Versehen. „Das ist irgendwie durchgerutscht.“ Auf die Frage, ob die Unterlassung dieser Meldung im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof stehe, verneinte er energisch. (ud)

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