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Am derzeitigen Kurs ?Ich fahr? Rad? mit Nicole Matheis (zweite von rechts) nehmen diesmal ausschließlich Migrantinnen teil.

Rad-Kurs "Ich fahr' Rad"

Wie Radfahren Migrantinnen in Mörfelden-Walldorf helfen kann

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Während des Kurses „Ich fahr’ Rad“ lernen Frauen nicht nur, in die Pedale zutreten. Mit Hilfe von Radtrainerin Nicoel Matheis sollen die Frauen aus Syrien oder Eritrea ihre neue Heimat ganz neu kennenlernen. Und nicht nur das.

Sie kommen schon recht sicher von einem Ausflug auf Drahteseln aus dem Wald zurück – neun weibliche Flüchtlinge, die zurzeit das Radfahren erlernen. Wer nicht weiß, dass die Damen unter anderem aus Syrien, Somalia und Eritrea erstmals den Sattel eines Rades erklommen haben, dem fällt nicht auf, dass es sich um Anfängerinnen handelt.

Unter der Leitung von Radfahr- trainerin Nicole Matheis „erfahren“ die Frauen aus fernen Ländern ihre neue Heimat in der Doppelstadt nun sprichwörtlich. Für ihr Integrationsprojekt „Ich fahr’ Rad“ für Flüchtlinge wurde Matheis bereits im Jahr 2008 in Rüsselsheim mit dem Hessischen Integrationspreis gewürdigt. Das Projekt wurde als innovativer Integrationsschritt für Migrantinnen ausgezeichnet.

An dem derzeitigen Fahrradkurs für Frauen nehmen ausschließlich Migrantinnen teil. Dies ist laut Anette Keim, Leiterin des städtischen Integrationsbüros und Organisatorin, aber eher ein Zufall. Denn der Kurs stehe allen Frauen offen. Jedenfalls sei er ausgebucht, und aufgrund der starken Nachfrage existiere bereits eine Warteliste, so dass der nächste Kurs bereits geplant sei. Mit der Realisierung dieses Kurses setzt Keim das Engagement ihrer Vorgänger Bastian Lemke und Peter Metz fort. Denn der Bedarf an Fahrradkursen für Migrantinnen bestehe ständig, da die meisten in ihren Heimatländern das Radfahren laut Keim aus unterschiedlichen Gründen niemals erlernt haben. Es fördere die Unabhängigkeit der Kursteilnehmerinnen in der neuen Heimat, und viele freuen sich schon auf Radausflüge mit ihren Kindern durch die Umgebung.

Geübt wird im Waldstadion in Mörfelden – zunächst auf Rollern für Erwachsene. Am Anfang wird der Gleichgewichtssinn trainiert. „Es klappt alles prima, und es hat auch noch nie einen Unfall gegeben“, freute sich Matheis beim Training am Donnerstag dieser Woche.

Matheis arbeitet seit mehr als 15 Jahren in der Integrationsarbeit und sucht immer wieder nach Möglichkeiten, Frauen zu unterstützen, damit sie ihre eigenen Wege finden. So entstanden verschiedene Integrationsprojekte wie die effektiven Radfahrkurse.

Auf die Idee wurde Nicole Matheis von einer 60-Jährigen aus der Türkei als Teilnehmerin von Matheis’ Deutschkursen für Analphabetinnen gebracht. Die Dame wollte unbedingt das Radfahren erlernen. Matheis fand Gefallen an diesem Gedanken und ließ sich deshalb bei Christian Burmeister zur Radfahrlehrerein ausbilden. Und inzwischen wirken sich die Radfahrprojekte vielfältig aus. Die weiblichen Flüchtlinge erweitern damit ihre eigenen Bewegungsspielräume, die mehr Freiheit bedeuten, aber auch Möglichkeiten bieten, selbstbestimmt zu leben. Die Radfahrerinnen können sich eigenständig in der Stadt bewegen und sind mobil unabhängiger. Darüber hinaus fördert die Bewegung an frischer Luft die körperliche und geistige Gesundheit. Die Teilnahme steigert die Kommunikationsfähigkeit und Sprachkompetenz sowie das Selbstbewusstsein. Binnen nur zwölf Tagen erreichen sie ein selbst gestecktes Ziel, was vielen Flüchtlingen Vertrauen in sich selbst und ihre Fähigkeiten schenkt. Das wiederum beeinflusst positiv ihre Selbstwahrnehmung und ihr Körperbewusstsein, was zusammen mit der Mobilität, Kommunikationsfähigkeit und Selbstvertrauen die Chancen für eine soziale und berufliche Integration verbessert.

Alle Kursräder sowie die Fahrradhelme stellte Matheis bereit. Eine Teilnehmerin besitzt bereits ein Rad, die anderen wollen sich eigene über die Fahrradwerkstatt des Netzwerks Asyl beschaffen.

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