Politik

Siegfried Burghardt (CDU) genießt sein Leben nach der Zeit als Kommunalpolitiker

Vor wenigen Monaten hat Siegfried Burghardt sein Mandat als Stadtverordneter der CDU niedergelegt. Seit 1985 hatte er dem Parlament in Mörfelden-Walldorf durchgehend angehört.

In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung vor rund einer Woche fehlte jemand, der 33 Jahre lang ein fester Bestandteil dieses Gremiums war. Doch der 61-jährige Siegfried Burghardt (CDU) hatte sich entschieden, die parlamentarische Sommerpause als Einschnitt zu nutzen. „Ich wollte auch mal was anderes als Politik machen“, sagt Burghardt mit einem Lächeln. So war die letzte Versammlung vor der Sommerpause im Juni auch die Abschiedssitzung des langjährigen Stadtverordneten.

Mit Burghardt hat jemand aufgehört, der das Parlament mit seiner Persönlichkeit und fröhlichen Art mitgeprägt hat. Darum werden ihn sicherlich viele vermissen. Doch Burghardt sagt: „Ich wollte aufhören, solange es noch bedauert wird.“ Er war nicht nur 33 Jahre lang Abgeordneter, sondern auch stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher und stellvertretender CDU-Fraktionschef. Doch wird Burghardt vor allem aufgrund einer Funktion im Gedächtnis bleiben, die er stolze 17 Jahre lang bekleidete: Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, der als wichtigster der drei in Mörfelden-Walldorf bestehenden Ausschüsse des Stadtparlaments bezeichnet werden kann.

In der Doppelstadt darf die stärkste Oppositionsfraktion den Vorsitz im Haupt- und Finanzausschuss besetzen, weshalb der Posten an die CDU fiel. Seit 2001 übernahm Siegried Burghardt diese Aufgabe. Dabei waren auch Parteifreunde vor Unterbrechungen keinesfalls sicher, sollten sie nach Meinung Burghardts etwas gemacht haben, was dieser als Sitzungsleiter gar nicht mochte: ausschweifende Reden, die vom eigentlichen Thema wegführen, oder unnötige Wiederholungen. Hier schritt Burghardt, unabhängig von Person oder Parteibuch, energisch ein. So liefen die von ihm geleiteten Sitzungen, die zudem durch seinen Humor aufgelockert wurden, stringent. „Einfach nur reden, ohne etwas zu sagen, das gab es bei mir nicht“, erinnert sich Burghardt schmunzelnd. Auf die Frage, welche Ereignisse in seiner Zeit als Ausschussvorsitzender besonders interessant waren, meint er: „Da würde ich vor allem gleich drei spannende Akteneinsichtsausschüsse nennen, die ich leiten durfte“.

Burghardt ist schon so lange in der Kommunalpolitik der Doppelstadt aktiv, dass viele wohl gar nicht mehr wissen, dass er aus Kusel in Rheinland-Pfalz stammt. Aus beruflichen Gründen zog er 1975 nach Mörfelden – seit 1985 lebt er in Walldorf. Mehr als 40 Jahre war Burghardt für die Lufthansa tätig, einige Jahre davon auch als freigestellter Betriebsrat. Auf seinen langjährigen Arbeitgeber lässt er nichts kommen: „Die Lufthansa ist sozial eingestellt und ein tolles Unternehmen.“ Als Stadtverordneter verließ er bei Abstimmungen, die den Flughafen betrafen, stets konsequent den Raum. Burghardt durchlief in seinem langen Berufsleben mehrere Abteilungen und bekleidete verschiedene Funktionen. Seit 2017 ist er im Rahmen der Altersteilzeit zu Hause. Zuletzt war er bei Lufthansa Cargo in der Abteilung „Recht und Politik“ tätig.

Privat ist der seit 40 Jahren mit seiner Frau Barbara verheiratete Burghardt, der Vater von zwei erwachsenen Kindern ist, ein leidenschaftlicher Pilot, Eintracht-Fan und Skatspieler. Ab und zu besucht er die Heimspiele seines Lieblingsvereins. An Skat-Abenden mit Freunden nimmt er häufiger teil. Seit er mit der Politik aufgehört hat, gibt es hier weniger Terminkollisionen: „Aber deswegen habe ich nicht aufgehört“, scherzt Burghardt. „33 Jahre reichen einfach.“ Noch aktiv in der Politik ist sein Sohn Patrick, der Staatssekretär in der hessischen Landesregierung ist.

Neben seinem politischen Engagement war Siegfried Burghardt auch als Schöffe am Amtsgericht und am Jugendgericht in Groß-Gerau tätig. Zudem ist er Schöffe am Landgericht und ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht in Darmstadt. Für seinen vielfältigen Einsatz wurde der 61-Jährige mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Landesehrenbrief. Als langjähriger Stadtverordneter darf er sich zudem „Ratsherr“ nennen.

Zwar muss seine CDU im Parlament nun ohne ihn auskommen. Doch nimmt das langjährige Mitglied weiter am Parteileben teil. So zählte er etwa zu den 31 CDU-Mitgliedern, die am Montag in der Stadthalle Walldorf Karsten Groß in geheimer Wahl einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten der Union kürten. Dennoch würden wohl viele unterschreiben: Siegfried Burghardt wird seiner Fraktion und dem Stadtparlament fehlen.

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