Vortragsveranstaltung

„Der Tod war ein ständiger Begleiter“

Einen vielseitigen Einblick in die Geschichte und Gegenwart der Bestattungskultur in Mörfelden gaben am Sonntag gleich mehrere Vorträge im Heimatmuseum. Es war die zweite Veranstaltung einer dreiteiligen Reihe über Tod, Trauer und Beerdigung.

Der Knochenfund im Jahr 2017 mit 588 Skelett-Teilen auf dem alten Mörfelder Friedhof (1232-1651) bei der evangelischen Kirche war der Anlass für die Bildung einer Arbeitsgruppe der Stadt Mörfelden-Walldorf, des Evangelischen Zentrums für Interkulturelle Bildung (EZIB) und des Hospizvereins Mörfelden-Walldorf. Diese entwickelte die Idee für die dreiteilige Veranstaltungsreihe „Tod, Trauer und Beerdigung in Geschichte und Gegenwart Mörfeldens“. Am Sonntag gab es im Heimatmuseum Mörfelden den zweiten Teil.

Museumsleiterin Cornelia Rühlig eröffnete den Abend mit einem kurzen Rückblick auf die erste Veranstaltung im April, bevor sie auf die 1742 vom damaligen Landgrafen erlassene Trauerordnung überleitete. Mit dieser und der seitherigen historischen Entwicklung in Mörfelden befasste sie sich zusammen mit Helga Glanz im ersten und längsten von drei Vorträgen eines abwechslungsreichen Abends, der mit rund 30 Gästen recht gut besucht war.

„Die Leute hatten damals panische Angst, lebendig begraben zu werden“, erklärte Helga Glanz. Diese große Furcht spiegelte sich auch in der Trauerordnung von 1742 wider. Hierin waren zahlreiche Vorkehrungen enthalten, die ein lebendiges Begraben von Menschen ausschließen sollten. „So durfte der Sargdeckel erst zur Beerdigung aufgelegt werden“, nannte Glanz ein Beispiel. Weiterhin war die Trauerordnung ein Abbild der damaligen Ständegesellschaft. Beispielsweise wurde genau geregelt, welcher Stand welches Leichenhemd anziehen darf. Ähnliche Bestimmungen gab es bei der Auswahl der Särge. Niedere Stände hätten sich ohnehin kaum teurere Särge aus edlerem Holz leisten können, aber sie durften diese auch gar nicht erst auswählen.

Die Beerdigung und ihr Ablauf waren in vielen Punkten genau geregelt, ob es sich nun um die Länge des Glockengeläuts, den Lohn für den Bestatter oder den „Leichenschmaus“ handelte. Ausuferndes und lärmendes Feiern mit Alkoholkonsum sollte vermieden werden, die Trauer sollte still sein.

Cornelia Rühlig wies auf die hohe Sterblichkeit von Erwachsenen, aber im Besonderen auch von Kindern in vergangenen Jahrhunderten hin. Rund die Hälfte der Kinder erreichte nicht das Erwachsenenalter. „Der Tod war ein ständiger Begleiter“, so Rühlig. Um Kinder, die nicht mal ein Jahr alt geworden waren, sollte laut Ordnung gar nicht getrauert werden.

Im Anschluss an Rühlig und Glanz hielt Kristin Flach-Köhler vom EZIB einen Vortrag über den Hinduismus im Allgemeinen und dessen Umgang mit dem Tod im Besonderen. „Der Hinduismus kennt nicht einen Gott, sondern viele Millionen Götter“, sagte Flach-Köhler. „Ein gläubiger Hindu glaubt an Wiedergeburt. Das Ziel ist, im nächsten Leben Dank eines den Göttern gefälligen Lebens möglichst in eine höhere Kaste hineingeboren zu werden. Zu Lebzeiten kann die Kaste nicht verlassen werden.“ Flach-Köhler erläuterte zudem Traditionen und Opferrituale der vor allem in Indien verbreiteten Religion, die verschiedene religiöse Strömungen in sich vereint.

Den letzten Vortrag des Abends hielten Tayyaba Rana und ihre Tochter Madiha Rana von der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde über deren Bestattungstradition. „Die Unterstützung der Familie ist bei uns ganz wichtig“, betonte Tayyaba Rana. Der Respekt für einen Leichnam sei im Islam sehr ausgeprägt, unabhängig von der Religionszugehörigkeit des Toten. „Es ist auch bedeutsam, auf die Friedhöfe zu gehen und für die Toten zu beten“, erläuterte Tayyaba Rana.

„Viele Gebete in unserem Glauben haben einen Bezug zum Tod“, erklärte ihre Tochter Madiha. Beim Vortrag der beiden Frauen wurden Parallelen zum christlichen Glauben deutlich. Beispiele hierfür sind der Glaube an eine Auferstehung des Toten und dessen Verantwortung vor Gott beziehungsweise Allah für gute und schlechte Taten vor einem „Jüngsten Gericht“ respektive „Endgericht“.

Der informative Abend wurde mit einer gemeinsamen Podiumsdiskussion der Referentinnen beendet. An dieser nahmen auch Vortragende der ersten Veranstaltung vom April teil.

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