Neue Infotafel an der Hüttenkirche

Startbahn 18 West: Symbol des friedlichen Widerstands

Eine neue Infotafel an der Hüttenkirche erinnert an ihre spannende Geschichte während der Protestbewegung gegen die Startbahn 18 West. Zur Enthüllung waren viele gekommen, die damals an den Protesten beteiligt waren.

Wohl kaum eine Auseinandersetzung hat die Doppelstadt so geprägt, wie die Proteste gegen die Startbahn 18 West vor rund einem Vierteljahrhundert. Quer durch alle Bevölkerungsschichten und über sämtliche Parteigrenzen hinweg – einschließlich des damaligen Bürgermeisters Bernhard Brehl (SPD) – hatte sich die Doppelstadt gegen die Inbetriebnahme der neuen Startbahn gewehrt.

Geradezu legendär wurde hierbei das sogenannte „Hüttendorf“ im Flörsheimer Wald, in dem zahlreiche Startbahngegner in Hütten, Campingwagen oder Baumhäusern zeitweise lebten, um die Abholzung des Waldes zugunsten der Startbahn 18 West zu verhindern.

Doch alle Proteste und Sonntagsdemonstrationen, diverse Klagen von Anwohnern gegen die damalige Flughafen AG und mehr als

220 000 Unterschriften

für einen Volksentscheid über die Startbahn waren vergeblich: Die Startbahn 18 West wurde 1984 in Betrieb genommen. Der verlangte Volksentscheid wurde von der damaligen Landesregierung unter der Führung von Ministerpräsident Holger Börner (SPD) abgelehnt.

Neben der Abholzung des Waldes, um für die Startbahn Platz zu schaffen, stand der Lärmschutz im Mittelpunkt der jahrelangen Proteste. Die Startbahn 18 West ermöglichte eine deutliche Expansion des Frankfurter Flughafens bei den Passagierzahlen und beim Flugverkehr, was die Befürworter auch erreichen wollten, aber die Anwohner gerade befürchtet hatten.

Mittelpunkt des Hüttendorfes war die Hüttenkirche. Als das Hüttendorf 1981 von der Polizei geräumt und abgerissen wurde, blieb lediglich die Hüttenkirche dank des engagierten Einsatzes von Bürgern erhalten. Sie wurde schließlich nach einer wahren Odyssee 1986 an einer anderen Stelle zwischen Mörfelden und Walldorf auf Walldorfer Gemarkung wiederaufgebaut.

„Die Hüttenkirche ist ein Symbol des friedlichen Widerstands“, so Wilma Frühwacht-Treber vom Förderkreis Hüttenkirche. Seit Sonntag erinnert eine Infotafel vor der Hüttenkirche an ihre spannende Geschichte während der damaligen Protestbewegung, die eine der größten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war.

In einer Gedenkveranstaltung erinnerten Wilma Frühwacht-Treber vom Förderkreis Hüttenkirche, Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) und die Leiterin der beiden Heimatmuseen in der Doppelstadt, Cornelia Rühlig, an die damalige Protestbewegung und das Hüttendorf. Trotz unbeständigen Wetters waren rund 60 Zuhörer gekommen, darunter viele damals an den Protesten Beteiligte, wie zum Beispiel Jossy Oswald aus Walldorf.

Einen besonderen Reiz zog die Veranstaltung daraus, dass mit Becker und Frühwacht-Treber zwei Zeitzeugen sprachen, die damals selbst der friedlichen Protestbewegung angehört hatten. „Wir bedanken uns bei der Stadt und insbesondere Cornelia Rühlig für die tolle Zusammenarbeit“, so Frühwacht-Treber. Becker, der die Infotafel zusammen mit dem Leiter des Sport- und Kulturamts Ralf Baitinger enthüllte, freute sich über viele bekannte Gesichter: „Ich sehe viele Zeitzeugen, die damals aktiv an der Protestbewegung beteiligt waren. Wir haben übrigens die Aufstellung der Infotafel als Stadt sehr gerne unterstützt“, so der Bürgermeister, der damals als Juso im Hüttendorf gegen die Startbahn demonstrierte.

Dann ergriff Cornelia Rühlig das Wort, die das demokratische Engagement der Protestbewegung lobte und den damaligen Ministerpräsidenten Börner für dessen Ablehnung des Volksentscheids und sein bekanntes „Dachlatten-Zitat“ sowie diverse harte Polizeieinsätze gegen die Demonstranten kritisierte. Die Feier wurde mit musikalischen Beiträgen von Siggi Liersch abgerundet. Die Hüttenkirche wird mit der Infotafel in den seit 1999 bestehenden „historischen Stadtrundgang Walldorf“ eingebunden.

In der Hüttenkirche wurde im Anschluss an die Feier eine Fotoausstellung des Journalisten Walter Keber über die Protestbewegung eröffnet. Hierbei sind Fotos über die Anti-Startbahn-Bewegung aus den 1970er- und 1980er-Jahren bis zur heutigen Protestbewegung gegen den Fluglärm zu sehen.

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