Besuch in Gedenkstätte

Tarek Al-Wazir: "Wir dürfen nicht aufgeben"

Staatsminister Tarek Al-Wazir hat zum ersten Mal das Horváth-Zentrum in Walldorf besucht. Die Arbeit des Zentrums wird vom Land Hessen unterstützt.

Die vielseitige Bildungsarbeit des Horváth-Zentrums in Walldorf findet auch bei der Landesregierung in Wiesbaden Anerkennung. Das verdeutlicht der Besuch im Zentrum in dieser Woche durch Tarek Al-Wazir (Grüne), hessischer Staatsminister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung. Zahlreiche Ehrengäste sowie Mitglieder und Förderer der Margit-Horváth-Stiftung waren in die Bildungs-, Begegnungs- und Gedenkstätte im Walldorfer Wald gekommen.

Im Horváth-Zentrum sind Überreste des ehemaligen KZ-Außenlagers Walldorf von 1944 zu sehen, wo 1700 ungarische Jüdinnen unter grausamen Bedingungen eingesperrt und zur Zwangsarbeit für den Ausbau des Frankfurter Flughafens gezwungen worden waren. Das hessische Wirtschaftsministerium hatte den Bau des 2016 fertiggestellten Horváth-Zentrums mit 8000 Euro unterstützt. Zudem hatte Minister Al-Wazir 2017 die Schirmherrschaft für den „Lauf für ein begrüntes Dach“ – die Begrünung des Dachs wurde inzwischen erfolgreich durchgeführt – übernommen. Am Mittwochabend besuchter er die Bildungs-, Begegnungs- und Gedenkstätte zum ersten Mal.

In seinen einleitenden Worten sagte der Minister: „Rein altersbedingt gibt es immer weniger Zeitzeugen, die anschaulich Geschichte vermitteln können. Umso wichtiger werden solche Erinnerungsorte wie hier in Walldorf.“ Al-Wazir betonte, wie wichtig gerade die Bildungsarbeit sei, die sich im Besonderen an die jüngeren Generationen richte. Diese hätten keine Schuld für die grausamen Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus, aber sie hätten eine große Verantwortung, dass sich so ein Unrecht nicht wiederhole.

Cornelia Rühlig, die Vorsitzende der Margit-Horváth-Stiftung, hatte für den Besuch des Ministers ein vielseitiges Programm zusammengestellt, mit welchem die Arbeit der Stiftung, die das Horváth-Zentrum trägt, vorgestellt wurde. Die Entscheidung der Stiftung, neben dem Gedenken der Begegnung und der Bildungsarbeit hohe Priorität einzuräumen, sei für Gegenwart und Zukunft sehr wichtig. Rühlig konnte nicht nur viele engagierte Mitglieder und Förderer der Stiftung zur Veranstaltung begrüßen, sondern auch Zeitzeugen oder Angehörige von Opfern des Nationalsozialismus.

So war beispielsweise Katja Schüler gekommen, deren Großmutter Lili Blau im KZ-Außenlager Walldorf 1944 inhaftiert worden war. „Dieser Ort berührt mich. Meine Großmutter hat hier viel Schlimmes erlebt.“ Ihre Großmutter überlebte den Nationalsozialismus und vermittelte ihrer Enkelin: „Es zählt nur der Mensch.“ Besonders herzlich begrüßte Rühlig die Zeitzeugin Eva Szepesi, die als zwölfjähriges Mädchen 1945 in Auschwitz befreit worden war. Szepesi erzählt ihre Erlebnisse heute in vielen Schulen: „Ich empfinde eine Pflicht gegenüber den vielen Ermordeten, über das Erlebte zu sprechen. So viele Menschen, auch aus meiner Familie, wurden ermordet.“ Rühlig band auch Klara Strompf ein, die jüdisch-ungarische Wurzeln hat und sich für den Bau des Horvath-Zentrums eingesetzt hat: „Jedes Mal, wenn ich hier bin, dann habe ich das gute Gefühl: Wir haben eine wichtige Begegnungsstätte geschaffen.“

Zahlreiche Lehrer und Schüler von Schulen, die mit der Margit-Horváth-Stiftung kooperieren, sowie weitere Partner der Stiftung berichteten von gemeinsamen Projekten. Marc Klüber erzählte von einem Gedenkstein zu Ehren für sechs ermordete Opfer des KZ-Außenlagers, den er als Steinmetz angefertigt hat und der inzwischen auf dem Friedhof in Offenbach liegt. Al-Wazir, der selbst aus Offenbach kommt, war hiervon und auch von den anderen Beiträgen sichtlich berührt. Trotz weltweitem Rechtspopulismus, der den Minister sehr besorgt, betonte Tarek Al-Wazir: „Ich bin ein grundoptimistischer Mensch, wir dürfen nicht aufgeben, denn man kann viel erreichen.“

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