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Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wird der bisherige Gutenbergplatz in Adam-Jourdan-Platz umbenannt.

Stadtparlament stimmt zu

Der Walldorfer Gutenberg- wird zu Adam-Jourdan-Platz umbenannt

Der große Platz vor dem Rathaus Walldorf wird umbenannt. Er erhält zu Ehren des ehemaligen Walldorfer Bürgermeisters den Namen Adam Jourdan.

Nach einer kontroversen Debatte hat die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich beschlossen, den „Gutenbergplatz“ vor dem Rathaus Walldorf in „Adam-Jourdan-Platz“ umzubenennen. Die drei Regierungsparteien SPD, Freie Wähler und FDP hatten einen diesbezüglichen Antrag gemeinsam gestellt. Steffen Ueberschär (SPD) hatte den Antrag in der Sitzung am Dienstag im Rathaus Walldorf, die neben dem künftigen Adam-Jourdan-Platz stattfand, für die Koalition begründet: „Adam Jourdan hat sich als langjähriger Bürgermeister um Walldorf verdient gemacht.“

Der Sozialdemokrat war von 1927 bis 1933 und erneut von 1945 bis 1953 Rathauschef der damaligen Gemeinde Walldorf gewesen. Trotz seiner langen Amtszeit von zusammengerechnet 14 Jahren erinnerte aber bislang noch keine Straße oder Platz an ihn. „Seine Beliebtheit und erworbene Anerkennung in der Bevölkerung zeigt sich daran, dass er im Februar 1933 mit rund 75 Prozent der Stimmen von den Bürgern wieder gewählt wurde“, so Ueberschär.

Das hinderte die Nazis aber nicht daran, den gerade erst mit einem klaren Votum bestätigten Bürgermeister im April 1933 abzusetzen und durch einen NSDAP-Mann zu ersetzen. Ueberschär: „Das zeigt, wie Diktaturen die Rechte von Bürgern verletzen und sie um diese betrügen, weil ihre demokratische Wahl rücksichtslos missachtet wird.“

Jourdan wurde 1945 von den Amerikanern als Bürgermeister wiedereingesetzt und 1947 zum insgesamt dritten Mal zum Bürgermeister von Walldorf gewählt, bevor er das Amt 1953 niederlegte. In Bezug auf heutige Wahlerfolge von rechtspopulistischen Parteien in Deutschland und Europa sagte Ueberschär: „Die Würdigung und Erinnerung an Jourdan wäre das richtige Signal und ein örtliches Symbol gegen Rechtsextremismus.“

Die Würdigung Jourdans wurde ausdrücklich von allen sechs Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung befürwortet. Umstritten war nur, ob denn ein Platz, der bereits einen Namen trägt, nämlich der „Gutenbergplatz“, dafür umbenannt werden müsse. „Lasst uns den Gutenbergplatz behalten“, sagte beispielsweise der CDU-Fraktionsvorsitzende Karsten Groß. Seine Fraktion sowie die der DKP/Linke Liste (LL) hatten deshalb alternative Vorschläge vorgelegt.

Die Christdemokraten hatten angeregt, die Sporthalle Walldorf in „Adam-Jourdan-Halle“ umzubenennen. Sie zogen diese Idee jedoch zugunsten des Vorschlags der DKP/LL zurück, die beantragt hatte, den Platz am Standort des ehemaligen Walldorfer Rathauses in der Langstraße nach dem früheren Bürgermeister zu benennen. Aus Sicht der DKP/LL hätte dieser Standort zwei Vorteile gehabt: Er liegt am ehemaligen Wirkungsort Jourdans, und dort sind die Gedenktafeln für die in der Nazizeit politisch Verfolgten angebracht.

Diese Argumentation überzeugte die CDU und Teile der Grünen, nicht jedoch die Koalition. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Best sagte: „Eine Würdigung sollen möglichst viele Menschen sehen.“ Gerade donnerstags, am Markttag, sei auf dem bisherigen „Gutenbergplatz“ reger Betrieb. Zudem ergäbe es mehr Sinn, am heutigen Rathaus einen Bezug zu Jourdan als ehemaligem Bürgermeister herzustellen als am alten Rathaus, das nicht mehr existiert.

Karsten Groß antwortete auf Best, dass sich seine Fraktion intensiv mit dem Thema befasst habe und die beste Lösung anstrebe, die Koalition solle für andere Vorschläge offen sein. Das sei die CDU auch, die ihren Antrag zugunsten der Idee der DKP/LL zurückgezogen habe. Stephan Middelberg hob für die Freien Wähler hervor, dass sich für die Anlieger der Straße „Gutenbergplatz“ nichts ändere, der Straßenname bleibe. Zusätzlich zur Koalition stimmte auch die Mehrheit der Grünen zu, was die Fraktionsvorsitzende Andrea Winkler für sich so begründete: „Da Adam Jourdan Sozialdemokrat war, stimme ich dem Standortvorschlag der SPD zu.“

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