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Warum der Umzug der DRK-Kleiderkammer umstritten ist

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Laut Sven Tolksdorf sind die Tage der DRK-Kleidercontainer mitten in Walldorf wegen der geplanten Verlegung des DRK-Domizils an einen neuen Standort mit den Wehren beider Stadtteile gezählt.
Laut Sven Tolksdorf sind die Tage der DRK-Kleidercontainer mitten in Walldorf wegen der geplanten Verlegung des DRK-Domizils an einen neuen Standort mit den Wehren beider Stadtteile gezählt. © Mara Paul

Die geplante Zusammenlegung der beiden Feuerwehren mit einem zentralen Standort zwischen den Stadtteilen ist in Mörfelden-Walldorf sehr umstritten. Das DRK soll mit seiner Kleiderkammer ebenfalls in den Neubau umziehen. Doch das würde bei den Nutzern und Mitarbeitern für Probleme sorgen.

Wie es um die Kleiderkammer des Ortsvereins Walldorf des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) künftig bestellt ist, bleibt abzuwarten. „Ich sehe Chancen, aber auch Risiken“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Sven Tolksdorf. Die geplante Zusammenlegung der freiwilligen Feuerwehren beider Stadtteile an einen zentralen Standort „auf der grünen Wiese“ an die Ecke Wageninger Straße und B 44 betrifft das DRK Walldorf. Falls dort ein Neubau entsteht, soll es dorthin samt seiner Kleiderkammer umziehen. Das brächte Probleme, Sorgen und Nöte für die ehrenamtlichen, meist älteren Helfer mit sich, aber auch für die Nutzer.

Die jetzige DRK-Kleiderkammer ist die einzige in der Doppelstadt und befindet sich seit 1989 am zentral gelegenen Standort „An den Sportplätzen“ in Walldorf. Bereits fünf Jahre vorher wurde der Betrieb in der benachbarten Fahrzeughalle des DRK aufgenommen. Damals zählten zum Klientel der Kleiderkammer überwiegend Wohnsitzlose.

Mitten im Ort

Dann erfolgte der Anbau, der mit ehrenamtlicher Unterstützung der DRK-Mitglieder und finanzieller Hilfe der Stadt errichtet wurde. „Wir dachten damals, die Kleiderkammer würde in fünf oder sechs Jahren nicht mehr benötigt“, erzählt Tolksdorf. Die Nachfrage stieg jedoch ständig, nicht erst seit der Flüchtlingswelle. Alle im Sozialgesetzbuch beschriebenen Leistungsempfänger werden mitten im Ort mit Spenden wie Kleidung, Spielsachen für die Kinder sowie Haushaltsgegenständen versorgt. Diese „Nahversorgung“ droht durch die geplante Zusammenlegung der beiden Wehren zwischen die zwei Stadtteile und den dann anstehenden Umzug des DRK Walldorf dorthin wegzubrechen.

Der bisherige Standort müsste aufgegeben werden, weil auf dem jetzigen Areal mit Feuerwehr und Bauhof ein Neubaugebiet entstehen soll. Das jetzige DRK-Heim würde abgerissen. Dafür sollen die Rotkreuzler am neuen Standort mit einem neuen Domizil entschädigt werden. Tolksdorf geht davon aus, dass bis dahin noch sieben Jahre vergehen werden.

Zehn Tonnen im Monat

Das Problem der Angliederung des DRK Walldorf an den neuen zentralen Standort bestehe darin, dass offen sei, ob die dortigen Altkleidercontainer von Spendern überhaupt angenommen würden. Offen sei auch, wie das Klientel der Kleiderkammer, das in der Regel weder Auto fahre, noch Fahrräder besitze, an den neuen Standort gelangen soll. Das gelte auch für die ehrenamtlichen Helfer, die dann bei „Nacht und Nebel“, in Dunkelheit, bei Eis und Schnee hinlaufen müssten. Denn kaum jemand von ihnen verfügt über ein eigenes Fahrzeug.

Die Container für Kleiderspenden können laut Tolksdorf nicht mitten im Ort verbleiben. Wöchentlich fallen mehr als zwei Tonnen Altkleider an, monatlich rund zehn Tonnen. Keinem der älteren Helfer in der Kleiderkammer sei zuzumuten, die vielen schweren Säcke ins Auto zu hieven, an den neuen Standort zu fahren, dort wieder auszuladen und dann erst zu sortieren. Das sei außerdem auch eine Kostenfrage. Die Ortsgruppe verfüge über kein geeignetes Fahrzeug, die Helfer reifen Alters nicht über benötigte Kräfte. Gewerbliche Hilfe könne nicht eingekauft werden, da die Rotkreuzler in Walldorf finanziell gerade so über die Runden kämen. „Uns bleibt kein finanzieller Puffer“, sagt Tolksdorf.

Er befürchtet, dass Spender die Container am neuen Standort nicht mehr annehmen und ihre Altkleider dann lieber in gewerbliche Container werfen könnten. Somit bräche dem Roten Kreuz die Versorgung mit Spenden weg.

Tolksdorf sieht in dem möglichen neuen Standort aber auch eine Chance für das DRK Walldorf, denn die neuen Räume würden gewiss größer, heller und schöner. In der jetzigen Kleiderkammer stapeln sich die Klamotten in fensterlosen Räumen bis unters Dach – speziell im prall gefüllten Erdgeschoss lagert ein Sack am anderen, was die Situation sehr unübersichtlich wirken lässt. Das solle sich am neuen Standort ändern.

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